Katze ist im Wald an der Leine - Spaziergang mit Katze, Katzenberatung, Katzenpsychologin, Katzenverhaltensberatung Berlin, stubenrein, unsauber, verstehen sich nicht, greift an

Mythos 27: Katzen gehören nicht an die Leine

Nach wie vor ist es ein ungewöhnlicher Anblick, wenn mir jemand mit einer Katze an der Leine auf der Straße entgegenkommt. Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, wann ich es in der Gegend, in der ich wohne, überhaupt einmal gesehen habe. Wir wohnen am Stadtrand mit vielen spannenden Gärten – aber auch einigen stark befahrenen Straßen. Die Freundin meiner Nachbarin hat einen halbstarken Kater und bringt ihn gern mal mit zu meiner Nachbarin, damit er dort an der Flexi-Leine unter Aufsicht im Garten herumstromern kann. Zu Hause hat sie keinen Garten und hat ihn mit Clicker-Training an das Tragen eines Geschirrs gewöhnt. Autofahren liebt er, wenn er mit dem Geschirr angeschnallt aus dem Fenster gucken darf. 1. Gartenausflug: Katerchen saß noch recht verschüchtert in den Gebüschen und beobachtete angestrengt die Umgebung. Hier flattert und raschelt aber viel! Anfassen durch mich fremde Person war ihm noch nicht geheuer, mit mir spielen ging aber schon. 2. Gartenausflug: Katerchen erkundet kreuz und quer den Garten, begrüßt mich, lässt sich streicheln und fängt am Ende des Tages eine Maus – und das alles an der Leine!

Welche Alternative zur Leine hätte es für den kleinen Kater gegeben? Er hätte allein zu Hause bleiben müssen, während sein Mensch sich draußen im Grünen trifft. Zahlreiche spannende Eindrücke wären ihm verwehrt geblieben. Vielleicht hätte er geschlafen und wenn die Freundin meiner Nachbarin zurück in die Wohnung gekommen wäre, hätte sie noch recht lang mit ihm spielen und clickern müssen, um den Jungspund auszulasten. Generell berichtet sie, dass er nach Tagen mit Ausflügen nach draußen wesentlich zufriedener wirkt und nachts durchschläft. Sie fährt gern mit ihm in den Wald, um dort fernab von den Wegen mit den vielen Menschen und Hunden mit ihm spazieren zu gehen.

Ich bin prinzipiell überzeugte Anhängerin des Katzenspaziergangs – auch an der Leine – wenn ein paar Sachen beachtet werden:

  • Die Katze muss den passenden Charakter mitbringen: Ein sehr ängstliches Tier profitiert in der Regel wenig davon, wenn ihm draußen fremde Menschen begegnen und kann leicht in Panik geraten. Vielleicht gibt es jedoch einen ruhigen Ort, an dem fürs Erste nicht so viel passiert und bei dem gut kontrolliert werden kann, dass keine ungebetenen Besucher_innen hereinplatzen, an dem die ängstliche Katze vorsichtig an die Umwelt draußen gewöhnt werden kann?
  • Das Geschirr und die Bewegung an der Leine müssen kleinschrittig geübt werden, damit die Katze diese Bewegungseinschränkung gut akzeptiert. Gut geeignet ist dafür das Clicker-Training.
  • Der Mensch sollte nicht erwarten, große Strecken mit der Katze an der Leine zurückzulegen. Bei dem Spaziergang geht es weniger um viel Bewegung, sondern mehr um die geistige Auslastung der Wohnungskatze. Ein Gebüsch ist sehr spannend und mensch sollte nicht ungeduldig werden, wenn die Katze hier alles genauestens erkunden muss.
  • Mögliche Gefahren für die Katze müssen frühzeitig erkannt und die Katze davor geschützt werden. Dazu gehören freilaufende Hunde, Wildtiere, Autos und andere Fahrzeuge.
  • Am besten steht der Katze immer ein sicherer Rückzugsort, wie die gut konditionierte Transporttasche, zur Verfügung.
  • Die Katze darf nicht durch zu lange Ausflüge überfordert werden. Die ganzen Reize können für einen Wohnungstiger schnell zu viel werden, hier ist gerade am Anfang weniger mehr.

Der Frühling ist doch die beste Jahreszeit, um mit solchen Spaziergängen zu starten! Allerdings solltet ihr dabei beachten, dass eure Katze auch bei nicht so gutem Wetter ihren Spaziergang einfordern wird. Überlegt euch eine Frequenz, die ihr zukünftig gut einhalten könnt. Viel Spaß beim Training!

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Mythos Nr. 25: Die Wassersprühflasche ist eine gute Erziehungsmethode für Katzen.

Die Wassersprühflasche gehört bis heute für viele Menschen zur „Grundausstattung“ des Katzenhaushalts. Stellt die Katze etwas an, das wir Menschen nicht möchten, kommt der Wasserstrahl zum Einsatz, damit sie sich erschreckt und das Verhalten nicht mehr zeigt. Mensch sollte sich dabei versteckt halten, damit die Katze den unangenehmen Reiz nicht mit uns in Verbindung bringt. Das bisschen Wasser, was ist schon dabei? Es wird ihr schon nicht schaden…. Ja, körperlich sicher nicht, aber der Bindung zu ihrem Menschen und ihrem Sicherheitsgefühl in den eigenen vier Wänden vielleicht schon.

Wir wissen, wir sollen Tiere (wie Kinder und Menschen generell) nicht schlagen. Aber Wasser, das ist doch in Ordnung? Streng genommen fällt die Strafe mit Wasser in dieselbe Kategorie wie die Strafe mit Schlägen. Jetzt wird es kurz theoretisch: In der Verhaltensbiologie wird zwischen Verstärkung (eine Belohnung) und Strafe unterschieden. Schauen wir uns die Strafe genauer an, hier gibt es die Unterscheidung zwischen positiver und negativer Strafe. Positiv meint in dem Fall, dass etwas hinzugefügt wird. Negativ bedeutet, dass etwas weggenommen wird. Eine negative Strafe wäre zum Beispiel, wenn ich ein tolles Spiel plötzlich beende, weil mir meine Katze im Eifer des Gefechts aus Versehen die Hand zerschrammt hat. Ich nehme der Katze das schöne Spiel weg. Eine positive Strafe ist ein als unschön empfundener Reiz, den ich auslöse, wenn mir Verhalten nicht gefällt. Wenn wir in dieser Spielsituation bleiben, wäre es der Fall, wenn ich nicht nur die Spielsituation beende, sondern meine Katze auch noch am Nacken packen und schütteln oder schlagen würde. Ich hoffe, wir sind uns alle einig, dass das keine adäquate Reaktion ist und wir das niemals tun sollten!

Die Wassersprühflasche funktioniert nach demselben Prinzip. Wir fügen einen unangenehmen, strafenden Reiz hinzu. Auch wenn wir unserer Katze nicht körperlich schaden, sind mit Strafen und auch Belohnungen immer Emotionen verbunden. Katzen empfinden Emotionen wie wir. Wenn ich ein schönes Spiel plötzlich beende, das Sie sehr gern weitergespielt hätten, wie würden Sie sich fühlen? Vermutlich frustriert und verärgert. So geht es auch unserer Katze. Kommt dann noch ein unangenehmer Reiz hinzu, würde die Katze neben Ärger auch Angst empfinden. Im „besten“ Fall würde sich das auf die Situation beziehen, im schlimmsten Fall auf den Auslöser dieses strafenden Reizes – den Menschen mit der Wassersprühflasche. Selbst wenn sich die negativen Emotionen „nur“ auf die Situation beziehen, haben wir dann vielleicht eine ängstliche Katze, die bestimmte Orte oder Emotionen meidet. Bei der Wohnungshaltung, in der ihr Platz sowieso schon sehr begrenzt ist, ist das aus meiner Sicht ein großer Nachteil. Es kann darüber hinaus auch sein, dass wir das Stresslevel unserer Katze durch diese negativen Emotionen anheben. Die Folge kann wiederum unerwünschtes Verhalten sein, um diesen Stress zu kompensieren. Stress kann unter anderem Auslöser für Markierverhalten sowie Aggressionen gegen Menschen und andere Katzen sein. Alles in allem wirkt die Wassersprühflasche dann gar nicht mehr so harmlos, nicht wahr?

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Mythos Nr. 24: Katzen sind optimale Haustiere für Kinder.

Ich bin mit Tieren aufgewachsen und es war toll! Meine Großeltern hatten Hund und Hühner und bei uns wohnten immer Katzen. Sie kamen nicht ins Haus, weil sie draußen Mäuse jagen sollten, und so habe ich viel Zeit mit ihnen in der Scheune und im Garten verbracht. Wenn ich mich allerdings zurückerinnere, weiß ich nicht genau, ob sie meine Spiele mit ihnen in meinen sehr jungen Jahren ebenso geschätzt haben wie ich… Passiert ist zum Glück nie etwas, was eher an den ausgeglichenen Charakteren der Katzen lag, als daran, dass meine Eltern Regeln für den Kontakt aufgestellt hätten.

Damit sind wir schon mittendrin im Thema: Ja, Haustiere sind für Kinder wunderbar. Katzen eignen sich prinzipiell gut, weil sie von der Aufmerksamkeit und der Beschäftigung mit dem Menschen profitieren können. Aber nicht jede Katze kann mit dem trubeligen Kinder-Alltag umgehen. Und es braucht klare Regeln von den Eltern, damit es nicht doch zu Zwischenfällen kommt und sich alle miteinander wohlfühlen.

Das fängt bei an, Katzenfutter und Katzenklo für die Kinder unerreichbar aufzustellen. Wichtig ist es auch, ausreichend erhöhte Ruhezonen für die Katzen einzurichten, die für die Kinder Tabu sind. Der Kontakt zwischen beiden sollte in jungen Kinderjahren nur unter Aufsicht erfolgen, da die Sicherheit für alle Beteiligten vorgeht. Oft wird angenommen, dass Katzen Familienmitgliedern nie etwas zu Leide tun würden. Dabei ist es gut möglich, dass zurückhaltende Katzen, von denen die Eltern vielleicht gar nicht bemerkt haben, dass sie unter permanentem Stress stehen, bei kleinsten Anlässen regelrecht explodieren können. Für ein Kleinkind kann das sehr gefährlich werden!

Es gibt super Möglichkeiten für gemeinsames Spiel und Beschäftigung, die jedoch in jungen Kinderjahren immer von den Eltern gesteuert werden sollten. Das kann sowohl für die Katze als auch für die Kinder ein großer Spaß sein. Sie können ungemein davon profitieren und mir selbst geht auch immer etwas das Herz auf, wenn ich Kinder nett und empathisch mit Katzen umgehen sehe. Ich bin eine große Freundin davon, Kinder mit Tieren aufwachsen zu lassen. So entstehen Respekt und Verständnis für andere Geschöpfe. Das ist eine wichtige Qualität in unserer Zeit, wie ich finde.

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Mythos Nr. 23: Katzen haben keine ausgeprägte Mimik.

Stimmt schon, im Gegensatz zu uns Menschen, die es gelernt haben, ihre Emotionen deutlich über ihr Gesicht auszudrücken, kommuniziert die Katze wesentlich subtiler über ihre Mimik. Zumindest, wenn wir ausschließlich ihr Gesicht ansehen und zum Beispiel die Ohren außer Acht lassen. Die Ohren sind fast ständig in Bewegung, mit ihren 32 Muskeln lassen sie sich überall hin ausrichten und eignen sich hervorragend, um Gefühlsregungen auszudrücken. Trotzdem entgeht uns Menschen oft einiges und unsere Katze ist gezwungen, die Holzhammer-Methode anzuwenden. Dabei könnten Missverständnisse zwischen Katze und Mensch gut vermieden werden, wenn wir lernen besser hinzuschauen und auch kleinste Veränderungen wahrzunehmen.

Wie schon gesagt: An den Ohren lässt sich unglaublich viel ablesen. Sind sie nach vorn gerichtet, zur Seite oder gar nach hinten? Oder hängen sie etwas? Schon allein daran lassen sich Regungen wie Aufmerksamkeit, Missfallen und auch Schmerzen ablesen. An den Augen sind besonders die Pupillen der Katze sehr auffällig. Sie können sich zu einem Schlitz zusammenziehen und auch das ganze Auge schwarz ausfüllen. Neben dem Lichteinfall, auf den sie so reagieren, spielt auch Adrenalin eine Rolle, wie groß die Pupille ist. Die Augen werden schwarz, wenn viel Adrenalin im Spiel ist, zum Beispiel beim Anblick einer Beute, aus Furcht und auch bei Aggression. Aber auch die Form der Augen lässt Rückschlüsse zu. Sind sie weit aufgerissen? Das obere Lid ist eher auf Halbmast? Oder sind die Augen gar halb geschlossen?

Selbst die Schnurrhaare verraten einiges über den Gemütszustand. Sind sie nach vorn gerichtet, dann meist auf etwas sehr Interessantes – im positiven wie im negativen Sinne. Platt nach hinten angelegt, ist die Katze in dem Moment eher in der Defensive und unsicher.

Das ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt darüber, was wir im Gesicht einer Katze alles ablesen können, wenn wir aufmerksam hinschauen. Keine der beschriebenen Partien sprechen dabei für sich allein. Nur im Gesamtbild betrachtet wird ein spezifischer Gesichtsausdruck daraus. Dabei kann es auch durchaus zu widersprüchlichen Aussagen kommen. Katzen wechseln ihre Regungen teilweise in Sekundenschnelle und sind sich manchmal auch nicht ganz darüber im Klaren, was sie von einer Sache halten sollen.

Neben der sonstigen Körpersprache der Katze, die von uns Menschen wahrscheinlich als wesentlich ausdrucksstärker wahrgenommen wird, bietet also auch die Mimik der Katze viel Potenzial für eine gute Verständigung zwischen Mensch und Miez.

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Mythos Nr. 22: Es ist einfacher, junge Katzen aufzunehmen als ältere Tiere zu adoptieren.

Junge Katzen sind so ungefähr das niedlichste, was es gibt. Ihre tapsigen Bewegungen, die unbändige Neugier, die kaum zu stillende Spiellust und allein ihr süßes Aussehen machen sie fast unwiderstehlich. Junge Tiere gelten generell als sehr anpassungsfähig und noch gut formbar. Sie haben weniger „Macken“ durch schlechte Erfahrungen und sind noch nicht so eingefahren in ihre Routinen. Daher werden junge Katzen den älteren oft vorgezogen. Sie würden so nebenherlaufen und sich wie selbstverständlich an den Alltag des Menschen gewöhnen. Viele Menschen scheuen die älteren Charakter-Katzen, vielleicht weil sie es sich nicht zutrauen, mit ihnen gut zusammenzuleben. Oder weil sie denken, dass es mehr Arbeit macht, eine ältere Katze einzugewöhnen?

Zugegeben, ich bin sehr voreingenommen: Ich liebe ältere Katzen und finde es total spannend, sie nach und nach kennenzulernen. Gerade weil sie einiges mitbringen können und schon Lebenserfahrung haben, ist es anfangs eine interessante Entdeckungsreise. Selbstverständlich habe ich auch Herzchen in den Augen, wenn ich eine junge Katze sehe und sogar mit ihr spielen kann. Aber selbst ein Kitten bei mir einziehen lassen? Nie wieder! Das ist mir viel zu anstrengend. (Na gut, sag niemals nie…)

Junge Katzen haben einen sehr großen Bedarf an Spiel, Spannung, Unterhaltung und sind fast nicht müde zu bekommen. Wenn Mensch diesen Bedarf nicht deckt, muss die überschüssige Energie eben anders ausgelebt werden, sehr zum Leidwesen von Zimmerpflanzen, Wohnungsdekoration und dem Nervenkostüm des Menschen. Darüber sollten sich alle frisch gebackenen Katzeneltern im Klaren sein, wenn so ein Jungspund bei ihnen einzieht. Für eine mehrköpfige Familie, in der verantwortungsvolle Kinder sich mit um die Katzen kümmern, mögen aufgeschlossene Kitten die richtige Wahl sein. Hier kann nach Herzens Lust zusammen getobt und gespielt werden, immer vorausgesetzt, dass auch das Ruhebedürfnis der Katzen akzeptiert wird. Bei Berufstätigen, die den ganzen Tag außer Haus sind, oder auch älteren Menschen muss immer abgewogen werden, ob Jungtiere wirklich das Richtige sind. Gehen die Bedürfnisse von Mensch und Katze nicht doch zu weit auseinander? Schon öfter habe ich in Beratungen ältere Menschen erlebt, die mit der Energie einer jungen Katze überfordert waren. Denn noch immer hält sich in vielen Köpfen das Bild der schmusenden, ruhigen Katze auf dem Sofa – die jugendliche Realität sieht dann doch anders aus. Wenn das Energie-Level von Katze und Mensch zu unterschiedlich ist, kommt es fast zwangsläufig zu unerwünschtem Verhalten der Katze oder zumindest zu viel Stress. Und dann geht die Arbeit doch los und das Zusammenleben mit der Katze wird kompliziert. Wäre es vor dem Hintergrund nicht doch „einfacher“ gewesen, einer älteren Katze eine Chance zu geben, die vielleicht nicht mehr so große Ansprüche an das Entertainment-Programm hat?

Wie wir es drehen und wenden, der Alltag wird einfacher, wenn Katze und Mensch gut zusammenpassen, und diese Überlegungen sollten definitiv vor der Adoption der Katze geschehen. Eine gute und reflektierte Auswahl ist der Dreh- und Angelpunkt und leider ist nicht immer das Herz der beste Ratgeber.

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Mythos Nr. 20: Katzen kennen keine psychischen Erkrankungen.

Psychische Erkrankungen werden meist nur uns Menschen zugesprochen. Wir kennen Angststörungen, Depressionen, Schizophrenie und viele weitere. Doch selbst in unserer menschlichen Gesellschaft ist der Umgang damit eher schwierig. Manchen Menschen fehlt die Akzeptanz für diese Krankheiten, weil sie von außen schlecht sichtbar sind. Ein gebrochenes Bein oder eine Grippe werden eher verstanden. Den Satz „Jetzt reiß Dich zusammen!“ kennen wohl viele psychisch erkrankte Menschen aus ihrem Umfeld. Und jetzt komme ich mit der Behauptung, dass auch Katzen zum Beispiel depressiv sein können? Das mag auf den ersten Blick sehr erstaunen.

Bleiben wir beim Thema Depressionen bei Katzen. Worin kann sich das äußern? Ein klassisches Symptom ist, dass das Erkundungsverhalten der Katze stark beeinträchtigt ist. Katzen sind von Natur aus sehr neugierige Tiere und alles Neue muss erst einmal ausgiebig untersucht werden. Das kann der Supermarkt-Einkauf sein, das neue Spielzeug oder auch unser Rucksack, wenn wir nach Hause kommen. Depressive Katzen interessiert das oft nicht wirklich, sie bleiben zurückgezogen und lassen sich kaum animieren. Die geöffnete Balkon-Tür ist uninteressant, der Besuch wird kaum zur Kenntnis genommen. Den Katzeneltern fallen diese Tiere meist gar nicht weiter negativ auf, weil sie kaum fordern, wenig präsent sind und daher einfach nicht stören. Die Katze wirkt auf das ungeübte Auge ruhig und zufrieden und so kann sich dieser traurige Zustand über viele Jahre hinziehen.

Wie entstehen Depressionen? Teilweise ist es sicher eine Charakterfrage, ob eine Katze zu Depressionen neigt. Die reaktiven Tiere, die eher fordernd sind oder dadurch auffallen, dass sie Blödsinn anstellen, wenn sie unzufrieden sind, sind meist psychisch gesünder. Sie fressen Stress nicht in sich hinein, sondern zeigen ihren Unmut deutlich. Die anderen, die Stillen und Introvertierten, ziehen sich eher zurück. Stress kann beispielsweise durch Unterforderung und Langeweile entstehen, durch andere Katzen, die sich ein stilles Opfer in der Gruppe gesucht haben, und auch durch Erkrankungen. Manchmal folgt dann die sogenannte „erlernte Hilflosigkeit“: Die Katzen haben gelernt, dass sie schwierige Situationen durch ihr Verhalten nicht positiv beeinflussen können. Egal was sie machen, sie erleben keine positive Veränderung und haben aufgegeben es zu versuchen. Sie haben sich ihrem Schicksal ergeben.

Wie können wir Depressionen verhindern? Zuerst: Voraussetzung ist eine körperlich gesunde Katze, die keine Schmerzen oder andere Einschränkungen hat, die ihr auf das Gemüt schlagen können. Zum Beispiel kann auch eine Schilddrüsenunterfunktion zu sehr gedämpfter Stimmung führen. Ihre Umgebung sollte ihren Bedürfnissen entsprechen, viel Anregung und Beschäftigung bieten. Wir Menschen sollten ausreichend Zeit für unsere Katzen aufbringen, und sie körperlich sowie geistig auslasten. Auch bei Katzen werden durch Bewegung Endorphine ausgeschüttet. Und die Interaktion mit ihren Menschen lässt sie soziale Unterstützung erfahren, die sich ebenfalls als förderlich auf ihre psychische Gesundheit auswirkt.

Eine Kernkompetenz, die wir Katzen vermitteln können, ist die Selbstwirksamkeit. Sie ist quasi das Gegenteil der erlernten Hilflosigkeit. Das bedeutet, dass die Katze die Erfahrung macht, dass sie mit ihrem Verhalten positiv Einfluss auf Situationen und ihr Leben generell nehmen kann. Eine Möglichkeit ist, dass wir mit unserer Katze Signale vereinbaren, die sie uns geben kann, wenn sie ein Bedürfnis hat und wir die einzigen sind, die es ihr in dem Moment erfüllen können. Das kann zum Beispiel eine spezielle Stelle in der Wohnung sein, die sie aufsucht, wenn sie mit uns spielen möchte. Auch Klicker-Training eignet sich gut, damit die Katze Selbstwirksamkeit erfahren kann: Sie wird für ihr Verhalten gelobt und entsprechend belohnt.

Futter spielt ebenfalls eine Rolle bei der psychischen Gesundheit. Im humanmedizinischen Bereich setzen sich Erkenntnisse durch, dass die Zusammensetzung unserer Darmbakterien einen direkten Einfluss darauf hat, wie es uns psychisch geht. Unsere Ernährung bestimmt direkt, welche Bakterien sich ansiedeln und was sie in uns auslösen. Bei der Katze ist es genauso. Sie ist von Natur aus eine Fleischfresserin, daher wirkt sich Futter mit einem Anteil von mindestens 70% tierischen Inhaltsstoffen positiv auf das Mikrobiom in ihrem Darm aus und macht sie widerstandsfähiger gegen psychische Erkrankungen.

Als Katzeneltern haben wir die Verantwortung dafür, dass es unseren Katzen auch psychisch gut geht. Wir sollten uns nicht darauf ausruhen, dass unsere Katze brav und unauffällig ist, sondern genau hinschauen, wie es ihr wirklich geht. Meldet euch gern, wenn ihr dazu Fragen habt. Ich bin mit Tipps und Rat für euch da.

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Mythos Nr. 19: Dass Katzen oft sehr ängstlich sind, ist normal.

Katzen sind Raubtiere. Einerseits. Andererseits sind sie auch ziemlich klein und können leicht anderen Beutegreifern zum Opfer fallen. Hunde, Füchse und auch wir Menschen können ihre Feinde sein. Das zusammen macht den fast einzigartigen Charakter unserer Katzen aus: Mutig erbeuten sie wehrhafte Ratten, neugierig werden sämtliche Dinge erkundet, aber wehe wir holen den Staubsauger raus, dann sind unsere kleinen Napoleons nicht mehr gesehen. Wir akzeptieren bei Katzen viel stärker als zum Beispiel bei Hunden und Pferden, dass sie in gewissen Situationen Angst haben und für uns dann nicht mehr zugänglich sind. Und ja, Vorsicht liegt in der Natur der meisten Katzen. Aber warum trainieren wir mit anderen Tierarten, desensibilisieren sie, achten auf ausreichend Erfahrungen in der Prägungsphase, und machen das mit Katzen nicht?

Nicht immer bekomme ich bei meinen Besuchen die Katzen, um die es geht, zu Gesicht. Manche haben große Angst vor fremden Menschen, da sie nicht generalisieren konnten, dass Menschen eigentlich grundsätzlich schon okay sind. Andere haben Angst vor lauten Geräuschen, vor manchen Situationen, prinzipiell können Katzen allem gegenüber sehr ängstlich reagieren. In Extremfällen leben diese Tiere dann permanent unter dem Sofa oder auf einem Schrank, da das die einzigen Orte sind, an denen sie sich noch halbwegs sicher fühlen. Und ganz oft lassen wir Menschen sie dort und akzeptieren es, da die Katzen dort schließlich freiwillig sind und zu uns kommen könnten, wenn sie es wollen würden. Hm. Ich weiß nicht, wie viele Menschen mit Angststörungen „freiwillig“ zehn Stockwerke hochlaufen, da sie es nicht schaffen, den Aufzug zu betreten.

Ängstliche Katze verknüpfen mit spezifischen Situationen Gefahr und sorgen von vornherein dafür, dass ihnen nichts passieren kann, zum Beispiel indem sie sich verstecken. In diesem sicheren Rückzugsort können sie jedoch nicht die Erfahrung sammeln, dass die potenzielle Gefahr gar nicht schlimm ist, weil sie sich der Situation dadurch entziehen. Folglich werden sie ihr Verhalten auch nicht ändern, da die Versteck-Strategie ja ganz gut funktioniert. Bitte jetzt bloß nicht auf die Idee kommen, das Versteck zu verschließen, damit sich die Katze der Situation aussetzen muss! Das ist in den allermeisten Fällen viel zu großer Stress und bewirkt nur das Gegenteil. Eine gestresste Katze kann nicht lernen! Eine Desensibilisierung muss sorgsam und in vielen kleinen Schritten durchgeführt werden. Manchmal ist es auch ratsam, Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel zu geben, damit so ein Training überhaupt möglich ist.

Katzen mit übermäßig großer Angst schränken ihren Lebensraum oft sehr ein. Sie können nicht an allen geselligen Situationen mit uns Menschen teilhaben, die andere Katzen wiederum genießen würden. Sie haben oft nicht die gleiche Lebensqualität wie entspanntere Artgenossen. Daher lohnt es sich in jedem Fall, mit ihnen zu trainieren und ihnen stückweit ihre Angst zu nehmen.

Das Beste ist selbstverständlich, solche Ängste gar nicht entstehen zu lassen. Wenn wir Einfluss darauf haben, sollte das kleine Kätzchen in der Prägephase so viele unterschiedliche positive Erfahrungen machen, wie es nur geht. Dazu gehören das Kennenlernen von unterschiedlichen Menschen, ganz verschiedenen (Alltags-)Situationen und vieles mehr: Autofahrten, öffentliche Verkehrsmittel, Tierarztbesuche, gesicherte Spaziergänge in der Natur oder was wir später sonst noch so vorhaben mit unseren Vierbeinern. Mit Hunden wird das ganz selbstverständlich gemacht, warum nicht auch mit unseren Katzen?

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Mythos Nr. 17: Katzen schnurren nur, wenn sie sich wohlfühlen.

Kein anderes Geräusch verbinden wir so sehr mit einer Katze wie das Schnurren. Kein Wunder, denn die Katze ist das einzige Tier in unserer Obhut, das diese vibrierenden Töne von sich geben kann. Da können Hund, Kaninchen und Co. nicht mithalten. Die meisten Menschen finden das Schnurren einer Katze sehr angenehm und entspannend, vorausgesetzt sie mögen Katzen generell. Schnurren ist für uns Katzenmenschen DER Ausdruck von Wohlbefinden und Ruhe. Ganz klar, dass es auch der Katze gut gehen muss, wenn sie schnurrt! Oder etwa nicht?

Die Wahrheit ist, Katzen schnurren aus unterschiedlichen Gründen. Der Katzen-Verhaltensforscher Paul Leyhausen stellte fest, dass das Schnurren ursprünglich eine Art der Kommunikation zwischen Katzenjungen und säugender Katzenmutter ist. Es hat die Funktionen, dass die Jungen durch Schnurren zeigen, dass sie sich wohl fühlen. Voraussetzung für das Schnurren ist, dass es ihnen auch körperlich gut geht, sie also gut mit Milch versorgt sind. Die Mutter wiederum schnurrt, um sich und ihre Kleinen zu beruhigen.

Schnurren kann also durchaus eine richtige Funktion haben und nicht nur bedeuten, dass sich jemand wohlfühlt. Es soll eine beruhigende und friedliche Stimmung übertragen, was auf uns Menschen ja auch wunderbar funktioniert. Nichts macht ein Sofa gemütlicher als eine schnurrende Katze! Innerhalb der Art wird es auch bei der Annäherung zwischen Katzen als Signal eingesetzt, dass die schnurrende Katze nur friedliche Absichten hegt. Und wenn sich diese Stimmung mit dem Schnurren auf die andere Katze überträgt, haben alle etwas davon.

Katzen schnurren auch in für sie stressigen Situationen, sei es um sich selbst zu beruhigen oder eine_n mögliche_n Angreifer_in zu beschwichtigen. Wir sollten also vorsichtig mit unserem Urteil sein, dass es unserer Katze in der Situation auf jeden Fall gut gehen muss, da sie schnurrt. Teilweise zeigt sehr intensives Schnurren auch an, dass sie gerade äußerst gestresst ist und sich und andere zu beruhigen versucht.

Eine fast unglaubliche, aber durch Forschung nachgewiesene, Funktion hat Schnurren übrigens noch: Diese Frequenz unterstützt die Gewebeheilung, erhöht die Knochendichte und dient damit der Selbstheilung. Das heißt im Umkehrschluss jedoch auch, dass auch kranke Katzen schnurrt.

Was für eine unterschätzte Fähigkeit das Schnurren doch ist!

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Mythos Nr. 15: Katzen müssen immer mindestens zu zweit gehalten werden.

Früher hieß es immer, dass Katzen Einzelgänger wären. Diese Meinung ist mittlerweile weitestgehend überholt und hat sich irgendwie ins Gegenteil verkehrt. Aus meiner Beobachtung wird die Mehrkatzenhaltung vor allem im Tierschutz propagiert. Einzelne Katzen zu haben, wird sogar teilweise mit Tierquälerei gleichgesetzt.

Keine Frage, wenn die Möglichkeit besteht und die Katzen sich mögen, hat artgenössische Gesellschaft viele Vorteile. Und es gibt Konstellationen, bei denen ich auf jeden Fall dazu raten würde. Dazu gehören junge Katzen, die gerade aus ihrem Wurf in ein neues Zuhause ziehen dürfen. Hier gehört meiner Meinung nach ein weiteres Jungtier ins Haus. Auch menschenscheue Katzen, die wiederum gut mit ihren Artgenossen sozialisiert sind, würde ich definitiv nicht allein halten. Manche Rassen sind darüber hinaus sehr sozial und brauchen dringend Gesellschaft, um glücklich zu sein. Beim großen Rest ist es immer Abwägungssache.

Wie schon oft erwähnt, sind Katzen in ihrem Sozialverhalten Opportunisten. Wenn genügend Ressourcen wie Zeit mit dem Menschen, Futter, Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten, Rückzugsplätze und Toiletten vorhanden sind die Chemie zwischen den Katzen stimmt, kann es etwas werden mit der kätzischen Wohngemeinschaft oder sogar Freundschaft. Da sie jedoch nicht darauf angewiesen sind, in einem Verbund zu leben, und sie den Menschen als Sozialpartner annehmen, müssen sie sich nicht zwingend auf Mitkatzen einlassen.

Stressig wird es dann, wenn die Katzen sich wirklich überhaupt nicht mögen, die Vergesellschaftung schiefgelaufen ist und sie sich nicht aus dem Weg gehen können. Eigentlich würde eine Katze dann abwandern. Bei Wohnungshaltung ist das jedoch nicht möglich. Mobbing und Stress können folgen, worunter Katzen stark leiden und sich zurückziehen. Der permanente Stress kann chronisch werden und sie körperlich krank machen.

Es gibt genügend (ältere) Katzen, die im Tierschutz auf ein Zuhause warten, in dem sie allein wohnen dürfen. Oft sind sie nicht gut sozialisiert und manche haben schlechte Erfahrungen gemacht. Diese Katzen mit Artgenossen zu vergesellschaften, ist ein großer Aufwand. Meist geht es – wenn überhaupt – nur über die sehr kleinschrittige, systematische Zusammenführung. Das bedeutet Stress für alle Beteiligten und das Ergebnis ist ungewiss. Manchmal kommt es nur dazu, dass sie sich später im Haushalt tolerieren und keine echte Freundschaft schließen können. Überhaupt nehmen Spannungen im Mehrkatzenhaushalt einen großen Anteil an den Beratungen ein. Wenn die Voraussetzungen stimmen, der Mensch also genügend Zeit hat, die er oder sie mit ihrer Katze verbringen möchte, spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, diese unverträglichen Katzen allein bei sich wohnen zu lassen. Blöd wird es, wenn sie nicht ausreichend beschäftigt wird, tagsüber allein sein muss und nachts aus dem Schlafzimmer ausgesperrt wird. Das tut keiner Katze besonders gut – übrigens auch nicht, wenn sie kätzische Gesellschaft hat.

Chat-Fenster einer Katze: "Hallo, du bist schon seit Stunden weg. Aber glaub nicht, dass mir ohne dich langweilig wäre." Beschäftigung, Spiel, Katzenberatung, Katzentraining, Katzenpsychologie, Katze macht Sachen kaputt, Katze kratzt an Tapete Möbeln

Mythos Nr. 14: Katzen können sich gut allein beschäftigen.

Ich habe bei Facebook einmal diesen lustigen Chat-Verlauf einer Katze gesehen und der zeigt wunderbar, wie sich Menschen so den Tag ihrer Katze vorstellen: Müßiggang, aus dem Fenster schauen, Blödsinn anstellen, schlafen. Weitere Auslastung braucht es nicht und wenn mensch abends nach Hause kommt, wird Miez gern auf das Sofa eingeladen, um zu kuscheln.

Kreative Katzen können sich tatsächlich ganz gut allein beschäftigen – mit der Tapete, dem Klopapier, dem Mülleimer und unserer Deko. Sie finden schon etwas, das sich bespielen lässt. Zur Not wird die Mitkatze – sofern vorhanden – so lang geärgert, wie es lustig ist. Dabei ist auch egal, ob die Mitkatze das ebenfalls als spaßig empfindet. Ihr seht schon, worauf ich hinauswill: Lenken wir den Aktivitätsdrang von Katzen nicht in Bahnen, die uns angenehm sind, wird schnell unerwünschtes Verhalten daraus.

Viele Verhaltensauffälligkeiten und auch Spannungen im Mehrkatzenhaushalt lassen sich auf eine unzureichende Auslastung unserer Vierbeiner zurückführen. In der Wohnung geben wir den Raum vor, in dem die Katze ihr Leben leben muss. Wir gestalten, wie anregend ihr Lebensraum ist. Wir kaufen ihr Spielzeug. Wir entscheiden, mit welcher Katze sie zusammenleben muss. Treffen sich die Bedürfnisse unserer Katze mit unseren Vorgaben, ist alles gut. Gehen die Vorstellungen auseinander, muss nachjustiert werden. Oft handelt der Mensch restriktiv, straft die Katze für unerwünschtes Verhalten, sperrt sie ein bzw. aus und versteht nicht, warum sie nicht einfach ruhig und zufrieden ist. Dabei lebt die Katze nur ihre Bedürfnisse als Raubtier aus, das dazu „entworfen“ wurde, viel zu jagen und mehrmals am Tag Beute zu machen. Wenn wir nicht eine kleine Mäuse- oder Schmetterlingszucht zu Hause zur Verfügung stellen wollen (das ist selbstverständlich nicht meine Empfehlung!), müssen wir ran: interaktive Jagdspiele, Fummelbretter zur Fütterung, Trick-Training, katzengerechte und anregende Gestaltung unserer Wohnung, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wie wir unsere Katzen beschäftigen, hängt von ihren und selbstverständlich auch unseren Vorlieben ab.

Eltern von Katzen mit Freigang haben es da (etwas) einfacher. Die Katze kann sich draußen auspowern. Die Betonung liegt auf dem Wörtchen „kann“. Denn nicht immer eignet sich das Umfeld draußen dazu und viele Katzen setzen z. B. im Winter keinen Fuß vor die Tür. Außerdem stärkt die interaktive Beschäftigung mit der Katze die Bindung zu ihr – das ist ein wunderbarer Nebeneffekt, den wir gut für uns nutzen können.

In diesem Sinne: Katzenangel schnappen und los geht’s!