Chat-Fenster einer Katze: "Hallo, du bist schon seit Stunden weg. Aber glaub nicht, dass mir ohne dich langweilig wäre." Beschäftigung, Spiel, Katzenberatung, Katzentraining, Katzenpsychologie, Katze macht Sachen kaputt, Katze kratzt an Tapete Möbeln

Mythos Nr. 14: Katzen können sich gut allein beschäftigen.

Ich habe bei Facebook einmal diesen lustigen Chat-Verlauf einer Katze gesehen und der zeigt wunderbar, wie sich Menschen so den Tag ihrer Katze vorstellen: Müßiggang, aus dem Fenster schauen, Blödsinn anstellen, schlafen. Weitere Auslastung braucht es nicht und wenn mensch abends nach Hause kommt, wird Miez gern auf das Sofa eingeladen, um zu kuscheln.

Kreative Katzen können sich tatsächlich ganz gut allein beschäftigen – mit der Tapete, dem Klopapier, dem Mülleimer und unserer Deko. Sie finden schon etwas, das sich bespielen lässt. Zur Not wird die Mitkatze – sofern vorhanden – so lang geärgert, wie es lustig ist. Dabei ist auch egal, ob die Mitkatze das ebenfalls als spaßig empfindet. Ihr seht schon, worauf ich hinauswill: Lenken wir den Aktivitätsdrang von Katzen nicht in Bahnen, die uns angenehm sind, wird schnell unerwünschtes Verhalten daraus.

Viele Verhaltensauffälligkeiten und auch Spannungen im Mehrkatzenhaushalt lassen sich auf eine unzureichende Auslastung unserer Vierbeiner zurückführen. In der Wohnung geben wir den Raum vor, in dem die Katze ihr Leben leben muss. Wir gestalten, wie anregend ihr Lebensraum ist. Wir kaufen ihr Spielzeug. Wir entscheiden, mit welcher Katze sie zusammenleben muss. Treffen sich die Bedürfnisse unserer Katze mit unseren Vorgaben, ist alles gut. Gehen die Vorstellungen auseinander, muss nachjustiert werden. Oft handelt der Mensch restriktiv, straft die Katze für unerwünschtes Verhalten, sperrt sie ein bzw. aus und versteht nicht, warum sie nicht einfach ruhig und zufrieden ist. Dabei lebt die Katze nur ihre Bedürfnisse als Raubtier aus, das dazu „entworfen“ wurde, viel zu jagen und mehrmals am Tag Beute zu machen. Wenn wir nicht eine kleine Mäuse- oder Schmetterlingszucht zu Hause zur Verfügung stellen wollen (das ist selbstverständlich nicht meine Empfehlung!), müssen wir ran: interaktive Jagdspiele, Fummelbretter zur Fütterung, Trick-Training, katzengerechte und anregende Gestaltung unserer Wohnung, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wie wir unsere Katzen beschäftigen, hängt von ihren und selbstverständlich auch unseren Vorlieben ab.

Eltern von Katzen mit Freigang haben es da (etwas) einfacher. Die Katze kann sich draußen auspowern. Die Betonung liegt auf dem Wörtchen „kann“. Denn nicht immer eignet sich das Umfeld draußen dazu und viele Katzen setzen z. B. im Winter keinen Fuß vor die Tür. Außerdem stärkt die interaktive Beschäftigung mit der Katze die Bindung zu ihr – das ist ein wunderbarer Nebeneffekt, den wir gut für uns nutzen können.

In diesem Sinne: Katzenangel schnappen und los geht’s!

Eine graue und eine schwarze Katze sitzen nebeneinander auf einem Stuhl - Katzen vergesellschaften, Vergesellschaftung, Zusammenführung, Mehrkatzenhaushalt, Katzenberatung, Verhaltensberatung, Katzenpsychologie

Mythos Nr. 13: Bei Vergesellschaftungen müssen Katzen erst einmal ihren Rang klären.

Im Internet kursieren unzählige Videos rund um Katzenvergesellschaftungen. Ehrlich gesagt ist mir nicht ganz klar, warum Privatmenschen das überhaupt öffentlich der Allgemeinheit zur Verfügung stellen müssen. Und bei vielen Videos ruft die Verhaltensberaterin in mir laut: „Nicht zu Hause nachmachen!“ Denn oft werden sich prügelnde oder sich jagende Katzen gezeigt, es gibt Gefauche, Gejaule und Geknurre. Viele Menschen sind der Meinung, dass so eine Katzenvergesellschaftung aussieht, weil die Katzen erst einmal ihren Rang klären müssen.

Stopp! Das ist aus mehreren Gründen sehr kontraproduktiv:

  1. Katzen haben keine lineare Rangordnung. Je nachdem wie wichtig einer Katze einzelne Ressourcen, wie z. B. Futter, Zeit mit ihrem Menschen oder ihr Lieblingsplatz ist, wird sie sich in der Situation behaupten. Eine klare, unumkehrbare Hierarchie gibt es bei ihnen nicht und die neuere Forschung stellt es selbst bei Hunden zunehmend in Frage. Aber bei euch in der Gruppe gibt es einen, der immer zu kurz kommt und der „Rangniedrigste“ ist? Ja, es gibt sozial-zurückhaltende Katzen, die das ideale Opfer für andere im Haushalt lebende Katzen sein können und manchmal unter Mobbing leiden müssen, wenn die Lebensumstände der Katzen nicht passen.
  2. Katzen sind zwar soziale Tiere und die Domestikation hat dafür gesorgt, dass sie die Vorteile von einem Leben im Verband zu schätzen gelernt haben. Sie sind jedoch nicht mit Tieren vergleichbar, die sich ihr Überleben in der Regel nur sichern können, wenn sie in der Gruppe leben, wie Hunde oder Pferde. Das bedeutet, sie sind in diesem Bereich Opportunisten und leben gern mit Artgenossen zusammen – wenn es für alle passt. Wenn nicht, gehen die Katzen in der Regel getrennte Wege und eine Partei wandert ab. In der Wohnungshaltung geht das selbstverständlich nicht und kann zu einem Problem werden.
  3. Die allermeisten Katzen geben nichts freiwillig ab und teilen nicht gern. Sie sind sehr revierbezogen und alles darin gehört selbstredend ihnen (und nicht etwa uns Menschen). Wenn nun eine neue Katze in das Revier kommt, wird sie oft nicht sehr freudig empfangen, weil sie ja Konkurrenz für die ganzen Ressourcen darstellt: „Ich kenne die nicht und soll jetzt mit der mein Futter, meinen Menschen und mein Klo teilen?!“ Die alteingesessene Katze muss also in der Regel erst einmal von den Vorteilen der neuen Gesellschaft überzeugt werden.

Vor diesem Hintergrund: Wie hoch schätzt ihr die Chancen dafür ein, dass Katzen nach schweren Angriffen und Kämpfen noch Freunde werden? Ich kann euch sagen, negative Erfahrungen bei dieser nachtragenden Spezies wieder auszubügeln, ist langwierig und anstregend. Wäre es nicht schöner und schonender (auch für unsere Nerven), wenn wir das erste Zusammentreffen der Katzen möglichst friedlich und nett gestalten?

Selbstverständlich gibt es immer Ausnahmen, bei denen es auf Anhieb gut klappt: junge Katzen und Katzen aus einer guten und sozialen Gruppenhaltung. Nur wissen wir das vorher oft nicht so genau. Zudem spielt auch der individuelle Charakter der Katze eine große Rolle und macht uns selbst bei Konstellationen einen Strich durch die Rechnung, bei denen wir jede Wette eingegangen wären, dass alles reibungslos läuft.

Daher: Lieber auf Nummer sicher gehen! Sprecht mich gern an, wenn ich euch bei einer Vergesellschaftung unterstützen kann.

Mythos Nr. 9: „Katzen können gut allein bleiben.“

Ein Grund, warum sich viele Menschen für eine Katze entscheiden, ist, dass sie sehr unabhängig und eigenständig sei. Im Gegensatz zu Hunden könne sie problemlos den ganzen Tag allein zu Hause verbringen, während ihr Mensch zur Arbeit geht. Wenn der Mensch wieder nach Hause kommt, darf eine Kuschelstunde gerne sein, das würde dann genügen – vor allem, wenn mehrere Katzen im Haushalt sind, die haben den Tag über schließlich die Gegenwart der Artgenossen und seien damit völlig zufrieden.

Hier müssen wir differenzieren. Katzen kennen Trennungsschmerz sehr wohl! Wir Menschen möchten in der Regel eine Bindung zu unserer Katze, das ist die Grundlage dafür, dass sie uns an der Tür begrüßen, mit uns kuscheln und gerne mit uns Zeit verbringen. Die Kehrseite dieser Medaille ist jedoch, dass etwas fehlt, wenn wir länger nicht da sind. Die meisten Katzen passen sich unserem Tagesrhythmus an, sie schlafen tagsüber und werden wach, wenn wir nach Hause kommen. Dann darf die Party steigen – gerne auch die ganze Nacht lang.

Eine Zweitkatze kann die zwar für eine Bereicherung des Lebensraums sorgen – sofern sich beide Katzen gut verstehen und nicht nur tolerieren. Aber den Kontakt zum Beziehungspartner Mensch kann sie nicht ersetzen. Im Gegenteil, Qualitätszeit möchte jede Katze trotzdem haben und oft auch exklusiv mit Mensch allein.

Ausreichend Beschäftigung lässt die Abwesenheit des Menschen zum Glück nur halb so lang erscheinen. Hier lassen sich einige Stellschrauben drehen, wie eine gut strukturierte und katzengerechte Wohnung, die Art der Fütterung oder auch der Zugang nach draußen.

Ist der Stress während der Abwesenheit des Menschen zu groß, kann auch ein Katzensitter engagiert werden, um tagsüber für Ansprache und Beschäftigung zu sorgen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, Entspannungssignale zu konditionieren, z. B. ein bestimmter Duft, eine spezielle Decke oder ausgewählte Musik.

Neugierig geworden? Dann sprecht mich gerne an!