Maine Coon Katze liegt im Garten - Katzenhaltung, Katzenberatung, Vergesellschaftung, Stress, Katzenhilfe

Mythos Nr. 15: Katzen müssen immer mindestens zu zweit gehalten werden.

Früher hieß es immer, dass Katzen Einzelgänger wären. Diese Meinung ist mittlerweile weitestgehend überholt und hat sich irgendwie ins Gegenteil verkehrt. Aus meiner Beobachtung wird die Mehrkatzenhaltung vor allem im Tierschutz propagiert. Einzelne Katzen zu haben, wird sogar teilweise mit Tierquälerei gleichgesetzt.

Keine Frage, wenn die Möglichkeit besteht und die Katzen sich mögen, hat artgenössische Gesellschaft viele Vorteile. Und es gibt Konstellationen, bei denen ich auf jeden Fall dazu raten würde. Dazu gehören junge Katzen, die gerade aus ihrem Wurf in ein neues Zuhause ziehen dürfen. Hier gehört meiner Meinung nach ein weiteres Jungtier ins Haus. Auch menschenscheue Katzen, die wiederum gut mit ihren Artgenossen sozialisiert sind, würde ich definitiv nicht allein halten. Manche Rassen sind darüber hinaus sehr sozial und brauchen dringend Gesellschaft, um glücklich zu sein. Beim großen Rest ist es immer Abwägungssache.

Wie schon oft erwähnt, sind Katzen in ihrem Sozialverhalten Opportunisten. Wenn genügend Ressourcen wie Zeit mit dem Menschen, Futter, Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten, Rückzugsplätze und Toiletten vorhanden sind die Chemie zwischen den Katzen stimmt, kann es etwas werden mit der kätzischen Wohngemeinschaft oder sogar Freundschaft. Da sie jedoch nicht darauf angewiesen sind, in einem Verbund zu leben, und sie den Menschen als Sozialpartner annehmen, müssen sie sich nicht zwingend auf Mitkatzen einlassen.

Stressig wird es dann, wenn die Katzen sich wirklich überhaupt nicht mögen, die Vergesellschaftung schiefgelaufen ist und sie sich nicht aus dem Weg gehen können. Eigentlich würde eine Katze dann abwandern. Bei Wohnungshaltung ist das jedoch nicht möglich. Mobbing und Stress können folgen, worunter Katzen stark leiden und sich zurückziehen. Der permanente Stress kann chronisch werden und sie körperlich krank machen.

Es gibt genügend (ältere) Katzen, die im Tierschutz auf ein Zuhause warten, in dem sie allein wohnen dürfen. Oft sind sie nicht gut sozialisiert und manche haben schlechte Erfahrungen gemacht. Diese Katzen mit Artgenossen zu vergesellschaften, ist ein großer Aufwand. Meist geht es – wenn überhaupt – nur über die sehr kleinschrittige, systematische Zusammenführung. Das bedeutet Stress für alle Beteiligten und das Ergebnis ist ungewiss. Manchmal kommt es nur dazu, dass sie sich später im Haushalt tolerieren und keine echte Freundschaft schließen können. Überhaupt nehmen Spannungen im Mehrkatzenhaushalt einen großen Anteil an den Beratungen ein. Wenn die Voraussetzungen stimmen, der Mensch also genügend Zeit hat, die er oder sie mit ihrer Katze verbringen möchte, spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, diese unverträglichen Katzen allein bei sich wohnen zu lassen. Blöd wird es, wenn sie nicht ausreichend beschäftigt wird, tagsüber allein sein muss und nachts aus dem Schlafzimmer ausgesperrt wird. Das tut keiner Katze besonders gut – übrigens auch nicht, wenn sie kätzische Gesellschaft hat.

Chat-Fenster einer Katze: "Hallo, du bist schon seit Stunden weg. Aber glaub nicht, dass mir ohne dich langweilig wäre." Beschäftigung, Spiel, Katzenberatung, Katzentraining, Katzenpsychologie, Katze macht Sachen kaputt, Katze kratzt an Tapete Möbeln

Mythos Nr. 14: Katzen können sich gut allein beschäftigen.

Ich habe bei Facebook einmal diesen lustigen Chat-Verlauf einer Katze gesehen und der zeigt wunderbar, wie sich Menschen so den Tag ihrer Katze vorstellen: Müßiggang, aus dem Fenster schauen, Blödsinn anstellen, schlafen. Weitere Auslastung braucht es nicht und wenn mensch abends nach Hause kommt, wird Miez gern auf das Sofa eingeladen, um zu kuscheln.

Kreative Katzen können sich tatsächlich ganz gut allein beschäftigen – mit der Tapete, dem Klopapier, dem Mülleimer und unserer Deko. Sie finden schon etwas, das sich bespielen lässt. Zur Not wird die Mitkatze – sofern vorhanden – so lang geärgert, wie es lustig ist. Dabei ist auch egal, ob die Mitkatze das ebenfalls als spaßig empfindet. Ihr seht schon, worauf ich hinauswill: Lenken wir den Aktivitätsdrang von Katzen nicht in Bahnen, die uns angenehm sind, wird schnell unerwünschtes Verhalten daraus.

Viele Verhaltensauffälligkeiten und auch Spannungen im Mehrkatzenhaushalt lassen sich auf eine unzureichende Auslastung unserer Vierbeiner zurückführen. In der Wohnung geben wir den Raum vor, in dem die Katze ihr Leben leben muss. Wir gestalten, wie anregend ihr Lebensraum ist. Wir kaufen ihr Spielzeug. Wir entscheiden, mit welcher Katze sie zusammenleben muss. Treffen sich die Bedürfnisse unserer Katze mit unseren Vorgaben, ist alles gut. Gehen die Vorstellungen auseinander, muss nachjustiert werden. Oft handelt der Mensch restriktiv, straft die Katze für unerwünschtes Verhalten, sperrt sie ein bzw. aus und versteht nicht, warum sie nicht einfach ruhig und zufrieden ist. Dabei lebt die Katze nur ihre Bedürfnisse als Raubtier aus, das dazu „entworfen“ wurde, viel zu jagen und mehrmals am Tag Beute zu machen. Wenn wir nicht eine kleine Mäuse- oder Schmetterlingszucht zu Hause zur Verfügung stellen wollen (das ist selbstverständlich nicht meine Empfehlung!), müssen wir ran: interaktive Jagdspiele, Fummelbretter zur Fütterung, Trick-Training, katzengerechte und anregende Gestaltung unserer Wohnung, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wie wir unsere Katzen beschäftigen, hängt von ihren und selbstverständlich auch unseren Vorlieben ab.

Eltern von Katzen mit Freigang haben es da (etwas) einfacher. Die Katze kann sich draußen auspowern. Die Betonung liegt auf dem Wörtchen „kann“. Denn nicht immer eignet sich das Umfeld draußen dazu und viele Katzen setzen z. B. im Winter keinen Fuß vor die Tür. Außerdem stärkt die interaktive Beschäftigung mit der Katze die Bindung zu ihr – das ist ein wunderbarer Nebeneffekt, den wir gut für uns nutzen können.

In diesem Sinne: Katzenangel schnappen und los geht’s!

Eine graue und eine schwarze Katze sitzen nebeneinander auf einem Stuhl - Katzen vergesellschaften, Vergesellschaftung, Zusammenführung, Mehrkatzenhaushalt, Katzenberatung, Verhaltensberatung, Katzenpsychologie

Mythos Nr. 13: Bei Vergesellschaftungen müssen Katzen erst einmal ihren Rang klären.

Im Internet kursieren unzählige Videos rund um Katzenvergesellschaftungen. Ehrlich gesagt ist mir nicht ganz klar, warum Privatmenschen das überhaupt öffentlich der Allgemeinheit zur Verfügung stellen müssen. Und bei vielen Videos ruft die Verhaltensberaterin in mir laut: „Nicht zu Hause nachmachen!“ Denn oft werden sich prügelnde oder sich jagende Katzen gezeigt, es gibt Gefauche, Gejaule und Geknurre. Viele Menschen sind der Meinung, dass so eine Katzenvergesellschaftung aussieht, weil die Katzen erst einmal ihren Rang klären müssen.

Stopp! Das ist aus mehreren Gründen sehr kontraproduktiv:

  1. Katzen haben keine lineare Rangordnung. Je nachdem wie wichtig einer Katze einzelne Ressourcen, wie z. B. Futter, Zeit mit ihrem Menschen oder ihr Lieblingsplatz ist, wird sie sich in der Situation behaupten. Eine klare, unumkehrbare Hierarchie gibt es bei ihnen nicht und die neuere Forschung stellt es selbst bei Hunden zunehmend in Frage. Aber bei euch in der Gruppe gibt es einen, der immer zu kurz kommt und der „Rangniedrigste“ ist? Ja, es gibt sozial-zurückhaltende Katzen, die das ideale Opfer für andere im Haushalt lebende Katzen sein können und manchmal unter Mobbing leiden müssen, wenn die Lebensumstände der Katzen nicht passen.
  2. Katzen sind zwar soziale Tiere und die Domestikation hat dafür gesorgt, dass sie die Vorteile von einem Leben im Verband zu schätzen gelernt haben. Sie sind jedoch nicht mit Tieren vergleichbar, die sich ihr Überleben in der Regel nur sichern können, wenn sie in der Gruppe leben, wie Hunde oder Pferde. Das bedeutet, sie sind in diesem Bereich Opportunisten und leben gern mit Artgenossen zusammen – wenn es für alle passt. Wenn nicht, gehen die Katzen in der Regel getrennte Wege und eine Partei wandert ab. In der Wohnungshaltung geht das selbstverständlich nicht und kann zu einem Problem werden.
  3. Die allermeisten Katzen geben nichts freiwillig ab und teilen nicht gern. Sie sind sehr revierbezogen und alles darin gehört selbstredend ihnen (und nicht etwa uns Menschen). Wenn nun eine neue Katze in das Revier kommt, wird sie oft nicht sehr freudig empfangen, weil sie ja Konkurrenz für die ganzen Ressourcen darstellt: „Ich kenne die nicht und soll jetzt mit der mein Futter, meinen Menschen und mein Klo teilen?!“ Die alteingesessene Katze muss also in der Regel erst einmal von den Vorteilen der neuen Gesellschaft überzeugt werden.

Vor diesem Hintergrund: Wie hoch schätzt ihr die Chancen dafür ein, dass Katzen nach schweren Angriffen und Kämpfen noch Freunde werden? Ich kann euch sagen, negative Erfahrungen bei dieser nachtragenden Spezies wieder auszubügeln, ist langwierig und anstregend. Wäre es nicht schöner und schonender (auch für unsere Nerven), wenn wir das erste Zusammentreffen der Katzen möglichst friedlich und nett gestalten?

Selbstverständlich gibt es immer Ausnahmen, bei denen es auf Anhieb gut klappt: junge Katzen und Katzen aus einer guten und sozialen Gruppenhaltung. Nur wissen wir das vorher oft nicht so genau. Zudem spielt auch der individuelle Charakter der Katze eine große Rolle und macht uns selbst bei Konstellationen einen Strich durch die Rechnung, bei denen wir jede Wette eingegangen wären, dass alles reibungslos läuft.

Daher: Lieber auf Nummer sicher gehen! Sprecht mich gern an, wenn ich euch bei einer Vergesellschaftung unterstützen kann.

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Mythos Nr. 12: Katzen haben keine enge Bindung zum Menschen.

Ich kenne noch die Behauptung, dass Katzen sich eher an ihre Umgebung als an ihre Menschen binden würden. Teilweise wurden sie bei Umzügen in der alten Wohnung gelassen, weil das für sie einfacher wäre. Selbstverständlich sind Katzen sehr revierbezogen, aber genauso gut sie kennen Trennungsschmerz, wenn ihr Mensch nicht da ist.

Es kommt immer darauf an, unter welchen Bedingungen die Katze lebt. In ländlichen Gegenden, in denen die Katze sehr unabhängig ist, teilweise nicht ins Haus darf und ihr Leben als Schädlingsbekämpfer selbstbestimmt gestalten kann, pflegt sie meist ein eher lockeres Verhältnis zu Menschen. Wir sind in dem Fall oft nur die Dosenöffner. In Städten wiederum leben Katzen meist in einer sehr engen und abhängigen Beziehung und sehen Menschen häufig als Sozialpartner. Bei der zunehmenden Zahl von Single-Haushalten in Städten unterstützen wir das sehr: Die Katze wird häufig als Partner- oder Kindersatz gesehen. Außerdem beschränkt sich der Lebensraum einer Katze in Städten meistens auf eine Wohnung ohne Freigang. Das verstärkt die Abhängigkeit noch, da der Mensch die einzige Abwechslung in einem sonst eher eintönigen Katzenalltag ist.

Auch Vererbung, Einflüsse und Erfahrungen während des Aufwachsens spielen eine Rolle, wie eng sich eine Katze an Menschen binden möchte. Es gibt Katzen, die Menschen meiden, und andere, die enorm anhänglich sind. Gerade letztere können auch unter Trennungsangst leiden und dadurch Verhaltensauffälligkeiten zeigen: Unsauberkeit, Markieren, anhaltendes Miauen bis zu übertriebenem Putzverhalten, so dass kahle Stellen im Fell entstehen.

Es bleibt, wie es ist: Katzen sind Individualisten, keine ist wie die andere. Und genauso unterschiedlich sind auch ihre Beziehungen zu Menschen. Ihre Anhänglichkeit und Abhängigkeit von uns sollten wir jedoch nicht unterschätzen und uns öfter hinterfragen, ob wir genügend Zeit mit unserer Katze verbringen.

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Mythos Nr. 11: Katzen machen Dinge aus Trotz.

Ganz oft erzählen Menschen, dass ihre Katzen ein bestimmtes (unerwünschtes) Verhalten als Trotzreaktion zeigen, wenn ihnen Sachen nicht in den Kram passen. Dafür, dass noch in den 1990ern gesagt wurde, dass Tiere nicht denken könnten und nur instinkthaft handeln, ist das eine ziemliche Kehrtwende in der Wahrnehmung unserer lieben Vierbeiner. Nicht falsch verstehen, ich bin davon überzeugt, dass Katzen denken, lernen und erworbenes Wissen anwenden können!

Als Trotz verstehen wir in diesem Zusammenhang gemeinhin, dass Katzen bewusst Verhalten zeigen, das uns auf die Palme bringt, weil wir ihnen etwas verwehren oder etwas zufügen, dass sie ablehnen. Es setzt hier sogar eine gewisse Boshaftigkeit voraus. Ein Beispiel ist die längere Abwesenheit der Katzeneltern und die Katze wird plötzlich unsauber. Sie hat also bewusst neben ihre Toilette gemacht, um dagegen zu protestieren, dass ihre Bezugsperson nicht da ist. Dass Katzen so etwas bewusst machen würden, ist eine sehr menschliche – aus meiner Sicht zu menschliche – Sichtweise auf ihre Psyche. Denn Tiere zeigen in der Regel Verhalten, das ihnen einen Vorteil bringt. Und Verhalten, das ihre Menschen ärgert, ist für Tiere in den meisten Fällen eher nachteilig, da sie dann mit Bestrafungen rechnen müssen.

Was steckt also hinter diesem vermeintlichen Trotzverhalten bei Katzen? Die Antwort lautet in den meisten Fällen: Stress. Bleiben wir kurz bei dem oben genannten Beispiel mit der Unsauberkeit, wenn wir länger verreist sind. Vielleicht ist unser Katzenklo-Management gar nicht so gut, wie wir immer angenommen haben. Aber unsere Katze hat ein ausgeglichenes Gemüt und nutzt es trotzdem, auch wenn es nicht unbedingt ihren Bedürfnissen entspricht. Nun kommt ein Stress-Faktor dazu, den sie nicht einschätzen kann: Ihre Bezugsperson ist auf nicht absehbare Zeit verschwunden. Sie bekommt nicht die Aufmerksamkeit, die sie sonst genießt. Das Futter wird nun zu ganz anderen Zeiten serviert. Und sie weiß nicht, warum das so ist und ob es sich wieder ändern wird. Das sorgt dafür, dass das Katzenklo, das sie eh schon immer etwas widerwillig genutzt hat, zu einem großen Problem wird. Sie ist in diesem Zustand einfach nicht mehr in der Lage, große Zugeständnisse zu machen. Wir kennen es von uns selbst: Diese kleine Sache, die uns schon immer an unserer Kollegin genervt hat, wir aber großzügig weglächeln konnte, lässt uns in Anbetracht eines vollen Schreibtisches und einer fast unmöglichen Deadline schier ausrasten und ungehalten reagieren.

Aber sind wir deshalb trotzig? Nein, wir können schlicht weniger Toleranz für Situationen aufbringen, die uns eh schon immer gestört haben. Und genau so ist es mit unseren Katzen auch.

Eine Katze liegt im Schatten unter einem Busch

Mythos Nr. 10: Freigänger brauchen keine intensive Betreuung.

Die meisten Menschen beurteilen eine Katzenhaltung, in der das Tier unkontrolliert nach draußen darf, als die beste Option. Die Katzen können jagen, ihren natürlichen Verhaltensweisen nachkommen und selbstbestimmt leben. Auf dem Sofa haben wir dann die zufriedene, ausgeglichene Katze, die mit uns schmust und selig neben uns schläft.

Zugegeben, diese Haltungsform finde ich auch gut – gerade für mich als Berufstätige, die dadurch ihr schlechtes Gewissen aufgrund langer Abwesenheiten mindern kann. Aber die Risiken sollten gut abgewogen werden! Kann die Katze draußen wirklich sicheren Freigang genießen, ohne überfahren, vergiftet oder durch andere Tiere wie Füchse oder Hunde verletzt zu werden? Ist dann vielleicht nicht eher ein gesicherter Freigang sinnvoll, der die Freiheit zwar einschränkt, aber die Tiere unversehrt zurückkehren lässt?

Ich schreibe diesen Beitrag aus aktuellem Anlass, da ich gerade einen Fall betreue, bei dem ein wirklich sehr bemühtes, älteres Paar zwei Freigänger mit sich den Sommer über in der Kleingartenparzelle wohnen lässt. Auch früher hatten sie die vorherigen Katzen mitgenommen und es lief gut, bis auf kleine Genervtheiten in der Nachbarschaft. Gründe dafür waren Katzenkot in fremden Beeten, versehentliches Einschließen der Katzen in fremden Lauben oder Rückzug der Katzen auf fremde Betten. Hier kann die gute Nachbarschaft schon gehörig leiden, denn nicht jede_r ist tolerant! Und muss es auch nicht sein, vor allem da genügend Menschen Allergien haben. Die Gefahr für die Katzen ist dabei immens: Tagelang eingesperrt oder vielleicht vergiftet werden. Die aktuellen Katzen des Paares sind jedoch Nachbars Lieblinge und werden von allen gemocht, da sie sehr zugänglich sind (Auch mir wird nicht bei jedem Hausbesuch aus der Hand gefressen und selbige danach abgeschleckt, wenn ich Übungen zeige.). Leider werden sie etwas zu viel von Fremden verwöhnt, so dass die Kätzin tage- und wochenlang in eine andere Kleingarten-Anlage verschwindet und sich dort die Aufmerksamkeit holt, die sie braucht. Die beiden Katzen sind übrigens vierjährige Bengal-Mischlinge aus dem Tierschutz. Und leider wurde die Beratung des älteren Paares, das sich eigentlich eine ruhige Zeit gewünscht hat, anscheinend etwas zu kurz gehalten und nicht über diese äußert aktive Rasse aufgeklärt. Was jetzt ansteht, ist intensive Bindungsarbeit.

Zugegeben, hat die Katze Freigang, stellen sich Verhaltensauffälligkeiten aufgrund fehlender Beschäftigung und Auslastung seltener ein. Doch Freigang kann für eine Katze auch Stress bedeuten: Konflikte mit den Nachbarskatzen, Ängste aufgrund von überlegenen Beutegreifern. Nicht alles können wir im Vorfeld beeinflussen und müssen eventuell die Folgen in Form von auffälligem Verhalten jedoch dann im Zuhause ertragen bzw. daran arbeiten. Mehr Freiheit für die Katze bedeutet nicht automatisch eine sorgenfreiere und unaufwändigere Katzenhaltung, das sollte allen Katzeneltern bewusst sein.

Mythos Nr. 9: „Katzen können gut allein bleiben.“

Ein Grund, warum sich viele Menschen für eine Katze entscheiden, ist, dass sie sehr unabhängig und eigenständig sei. Im Gegensatz zu Hunden könne sie problemlos den ganzen Tag allein zu Hause verbringen, während ihr Mensch zur Arbeit geht. Wenn der Mensch wieder nach Hause kommt, darf eine Kuschelstunde gerne sein, das würde dann genügen – vor allem, wenn mehrere Katzen im Haushalt sind, die haben den Tag über schließlich die Gegenwart der Artgenossen und seien damit völlig zufrieden.

Hier müssen wir differenzieren. Katzen kennen Trennungsschmerz sehr wohl! Wir Menschen möchten in der Regel eine Bindung zu unserer Katze, das ist die Grundlage dafür, dass sie uns an der Tür begrüßen, mit uns kuscheln und gerne mit uns Zeit verbringen. Die Kehrseite dieser Medaille ist jedoch, dass etwas fehlt, wenn wir länger nicht da sind. Die meisten Katzen passen sich unserem Tagesrhythmus an, sie schlafen tagsüber und werden wach, wenn wir nach Hause kommen. Dann darf die Party steigen – gerne auch die ganze Nacht lang.

Eine Zweitkatze kann die zwar für eine Bereicherung des Lebensraums sorgen – sofern sich beide Katzen gut verstehen und nicht nur tolerieren. Aber den Kontakt zum Beziehungspartner Mensch kann sie nicht ersetzen. Im Gegenteil, Qualitätszeit möchte jede Katze trotzdem haben und oft auch exklusiv mit Mensch allein.

Ausreichend Beschäftigung lässt die Abwesenheit des Menschen zum Glück nur halb so lang erscheinen. Hier lassen sich einige Stellschrauben drehen, wie eine gut strukturierte und katzengerechte Wohnung, die Art der Fütterung oder auch der Zugang nach draußen.

Ist der Stress während der Abwesenheit des Menschen zu groß, kann auch ein Katzensitter engagiert werden, um tagsüber für Ansprache und Beschäftigung zu sorgen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, Entspannungssignale zu konditionieren, z. B. ein bestimmter Duft, eine spezielle Decke oder ausgewählte Musik.

Neugierig geworden? Dann sprecht mich gerne an!

Katze liegt ausgestreckt auf einer Bank.

Mythos Nr. 8: „Katzen haben sieben Leben.“

Mit diesen sieben Leben der Katze ist gemeint, dass sie besonders zäh und widerstandsfähig sei. Selbst nach Stürzen aus großer Höhe käme sie schnell wieder auf die Beine, da sie immer auf den Füßen landen würde. Krankheiten spielen ebenfalls keine große Rolle und da in den meisten Haushalten Wald- und Wiesenmischungen leben, haben sich bisher keine flächendeckenden zuchtbedingten Krankheitsveranlagungen gebildet. 

Ihre gute Grundkonstitution kann der Katze jedoch auch zum Verhängnis werden. Denn oftmals ist sie – gerade im Alter – tierärztlich unterversorgt, ohne dass sich die Katzeneltern darüber bewusst sind. Katzen haben als relativ kleine Tiere einige Fressfeinde. Sie sind sich ihrer Größe (auch wenn es manchmal nicht den Anschein hat) durchaus bewusst und vermeiden es so lange es geht, krank oder schwach zu wirken. Sie wären sonst leichte Beute. Katzen zeigen erst, dass es ihnen nicht gut geht, wenn sie es wirklich nicht mehr verstecken können und es schon fast zu spät ist.

Katzen drücken Schmerzen nur sehr subtil aus und das kann Katzeneltern schnell entgehen. Allerdings können Schmerzen ein Grund für Verhaltensauffälligkeiten sein, daher sollte ein Tierarzt-Check gemacht werden, wenn Problemverhalten plötzlich auftritt. 

Oft wird es auf ihr Alter geschoben, wenn sie nicht mehr so gut springen können, merklich ruhiger werden oder an Gewicht verlieren: „Sie wird halt alt, dann ist das so.“ Meistens sind es jedoch organische Ursachen oder auch Erkrankungen des Bewegungsapparats wie Arthrose, die zu solchen Symptomen führen. Das kann teilweise gut therapiert oder zumindest die Katze soweit mit Schmerzmitteln abgedeckt werden, dass sie weiterhin eine gute Lebensqualität hat. Spätestens im fortgeschrittenen Alter sollte die Katze jährlich tierärztlich untersucht und die Blutwerte bestimmt werden. Das sind wir unseren Lieblingen schuldig.

Verschiedene Futterpackungen liegen auf einem Tisch. Darüber Text: Welches Futter darf es sein?

Mythos 7: „Katzen sind mäkelige Fresser.“

Gefühlt scheint es nur die Fraktionen Staubsauger oder Futterverweiger_innen zu geben. Bei ersteren ist das Fressverhalten oft kein Anlass zur Sorge. Meist sind die Katzeneltern damit beschäftigt, ihre kleinen Fressmaschinen davon abzuhalten all zu stark aus dem Leim zu gehen. Die mäkeligen Katzen wiederum fordern ihre Menschen teilweise arg heraus. Was wir ihnen auch vor die Nase stellen, alles wird verschmäht oder nur ein Bruchteil von der Portion gefressen.

Wusstet ihr, dass diese Katzen eigentlich nur ihrem natürlichen Fressverhalten nachkommen? Katzen machen immer frische Beute, die sie sofort verspeisen. Sie reißen nichts auf Vorrat, um es später aufzufressen. Sie sind daher keine Aasfresser. Und ihre Beutetiere sind klein, so dass auch ihre Verdauung auf kleine, dafür häufige Portionen ausgelegt ist.

Wenn wir der Katze nun die gewohnten zwei Portionen am Tag á 100g vorsetzen und diese vielleicht sogar noch aus einer 400g-Dose nehmen, die dadurch zwei Tage offen im Kühlschrank steht, kommen wir den Bedürfnissen der Katze nicht wirklich nach: 

  1. Die optimale Portionsgröße wäre 25-30g.
  2. Wenn das vorher konservierte Futter bis zur nächsten Fütterung offen herumsteht, fängt unmittelbar der Verwesungsprozess an und es wird damit in Katzenaugen zu Aas.

Weitere Aspekte, warum eine Katze das Futter verschmäht, können sein, dass die Futterumstellung nicht kleinschrittig genug erfolgt ist. Wie gesagt, es gibt die Staubsauger, denen ziemlich egal ist, was in den Napf kommt. Die anderen schauen es sich genauer an und sind bei unbekannten Sorten zurecht skeptisch. Denn diese Skepsis hat der Katze evolutionär betrachtet das Überleben gesichert und sie vor Vergiftungen geschützt. Auch Unwohlsein nach einer Fütterung, z. B. durch das Verschlingen zu großer Portionen, zu altem Futter oder auch äußerer Umstände wie Medikamente, merkt sich die Katze sofort. Die Folge ist, dass sie das Futter zukünftig links liegen lässt, um sich selbst zu schützen.

Für weitere Anregungen rund um die richtige Fütterung, sprecht mich gerne an!

Katze sitzt auf einem Kissen auf einem Schreibtisch

Mythos 6: „Katzen mögen keine Ortswechsel.“

Als ich jung war, ging dieser Mythos sogar soweit, dass selbst umgestellte Möbelstücke in der eigenen Wohnung die Katzen in eine Krise stürzen könnten. Aber ganz ehrlich: So oft wie ich damals mein Zimmer umgestellt habe und später mit Katzen umgezogen bin, hätten meine Katzen allesamt psychische Wracks sein müssen.

Teilweise haben Menschen ihre Katzen bei Umzügen in der alten Umgebung gelassen, mit der Begründung, dass sie sich eher an das alte Revier als an ihre Menschen gebunden hätten. Selbstverständlich sind Katzen sehr revierbezogen, aber genauso gut sie kennen Trennungsschmerz, wenn ihr Mensch nicht da ist. 
Klar, ein Umzug bedeutet für alle Beteiligten Stress. Hier gibt es einige Regeln, die die Situation für Katzen erleichtern können. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass alles in Ordnung war, so lange der persönliche Katzenrückzugsort noch existierte. Musste auch der abgebaut werden, ging der Stresspegel stark nach oben. Schön wäre es, hier einen mobilen, sicheren Rückzugsort zu haben, wie zum Beispiel eine gut positiv konditionierte Transport-Tasche. Die Katze kann hier zur Ruhe kommen, sie weiß, sie ist dort sicher.

Dieser mobile Rückzugsort ist nicht nur bei Umzügen praktisch, auch Verreisen mit Katze wird dadurch gut möglich. Für viele ist das vermutlich undenkbar, aber ebenso wie es Urlaub mit dem Hund gibt, könnte auch die trainierte und daran gewöhnte Katze davon profitieren, im Urlaub nicht in die Katzen-Pension zu müssen oder von jemanden zu Hause betreut zu werden. Auch gute Cat-Sitter können die Zeit mit den Katzeneltern nur schwer ersetzen. Zum Glück können sich immer wieder Menschen damit anfreunden: Letztes Jahr habe ich auf einer Fähre eine Mitreisende mit ihrer schwarzen Katze in ihrem stylisch-roten Geschirr entdeckt, die eine große Freude hatte, die Treppe zwischen den Decks und dem Duty-Free-Shop zu erkunden.