Rot-weißer Kater sitzt in einer Transportbox - Katzenberatung, Katzenverhaltensberatung, Katzencoach, Katzentraining, Katzenpsychologin Berlin, Urlaub mit Katze

Mythos Nr. 38: Katzen kann ich nicht mit in den Urlaub nehmen.

Katzen sind an den Ort – ihr Revier – gebunden, nicht an den Menschen. Kennst Du diese Aussage auch? Also sollten sie während unseres Urlaubs am besten in ihrer gewohnten Umgebung versorgt werden. Ja, für viele Katzen ist das tatsächlich am besten. Und wenn ich eine Flugreise oder eine mehrtägige Fahrrad-Tour plane, stimme ich dem auch absolut zu. Aber ich finde, dass es für viele Katzen eine Überlegung wert sein könnte, gemeinsam mit uns in den Urlaub zu fahren. Wir sind dieses Abenteuer gerade eingegangen und es lief noch besser als erwartet. Daher haben wir uns für nächstes Jahr gleich zwei weitere Ziele überlegt, zu denen wir unsere Katzen mitnehmen können. 😊

Unsere beiden Katzen kamen sehr schnell in den jeweiligen Ferienwohnungen an. Das habe ich daran gemerkt, dass sie sofort alles erkundet haben, sich nicht großartig verstecken mussten, am gleichen Tag ausgelassen mit uns spielen konnten und auch darüber hinaus keine großen stressbedingten Verhaltensänderungen gezeigt haben. Wir sind mit ihnen täglich draußen an der Leine spazieren gegangen und auch dort haben sie sehr ausgiebig alles erkundet und hatten großen Spaß. Wir konnten nahezu alle Rituale, die wir auch zu Hause haben, im Urlaub weiterführen. Die beiden waren daher wesentlich ausgelasteter, als wenn sie allein zu Hause geblieben und von netten Menschen zweimal täglich versorgt worden wären. Und wir mussten uns keine Gedanken machen, ob zu Hause alles klappt und wie es unseren Lieblingen in unserer Abwesenheit geht.

Das sollte Deine Katze mitbringen:

  • Deine Katze sollte nach Möglichkeit Ortswechsel gewöhnt sein. Das können als Vorbereitung Besuche in fremden Wohnungen bei der Verwandtschaft und im Freundeskreis sein, die für sie völlig normal sind.
  • Am besten eignet sich für den Urlaub mit Katze das Auto für die Fahrt in das Feriendomizil. Deine Katze sollte daher Autofahrten nicht schlimm finden.
  • Transportboxen und / oder Katzengeschirr und -leine sollten vorher gut geübt werden, damit die Reise so entspannt wie möglich sein kann.
  • Deine Katze sollte nicht auf Freigang nach Belieben bestehen, da das im Urlaub so gut wie nicht möglich ist. Unsere beiden waren mit täglichen Ausflügen an der Leine absolut zufrieden.
  • Deine Katze muss sich auch in der Fremde gut benehmen können, d. h. sie sollte nur an erlaubten Stellen kratzen, zuverlässig ihre Toilette benutzen und in stressigen Situationen nicht zum Harnmarkieren neigen.

Du siehst, von der untrainierten Katze ist es in der Regel etwas viel verlangt, entspannt mit uns in den Urlaub fahren zu können. Ich habe von Anfang an darauf hingearbeitet, dass wir den ersten gemeinsamen Urlaub genießen konnten. Davon profitieren meine Katzen auf verschiedenen Ebenen: Ich laste sie mit dem Training zu Hause aus, sie sind auch bei nötigen Fahrten zur Tierarztpraxis entspannter und generell machen ihnen ungewohnte Situationen weniger aus.

Unsere Ansprüche an die Ferienhäuser waren:

  • Katzen sollten selbstverständlich erlaubt sein. Auch wenn Haustiere generell erlaubt sind, rechnen die meisten Vermieter:innen eher mit Hunden als mit Katzen, daher fragt vorher zur Sicherheit noch einmal nach.
  • Die Wohnung sollte aus mehr als einem Zimmer bestehen, um den Katzen mehr Raum und damit Erkundungsmöglichkeiten zu bieten.
  • Die Möblierung sollte nicht so empfindlich sein. (Kunst-)ledersofas waren bei uns z. B. ein Ausschlusskriterium, da die Katzen im Spiel doch mal mit ausgefahrenen Krallen darüber laufen können, um sich festzuhalten.
  • Für unsere Spaziergänge wollten wir einen Garten und wenig Trubel ums Haus. Wohnungen in der Innenstadt fielen daher raus.

Wenn Du Dich jetzt fragst „Muss das sein?!“, denke bitte an unseren Umgang mit Hunden. Ihnen bringen wir von Anfang an alles bei, damit wir sie mitnehmen können. Auch das erfordert viel Training und viel Übung. Wir würden in der Regel nicht auf die Idee kommen, sie während unseres Urlaubs allein zu Hause zu lassen. Daher lautet meine Antwort, dass selbstverständlich generell nichts sein muss, aber dass es für unsere Katzen toll wäre, wenn wir „unsere schönste Zeit des Jahres“ auch zu einem kleinen Abenteuer für unsere Lieblinge werden lassen könnten. Na, neugierig geworden? Möchtest Du das Projekt „Urlaub mit Katzen“ angehen? Sprich mich gern dazu an, ich unterstütze Dich. 😊

Graue Katze sitzt auf Armaturenbrett im Auto - Katzenberatung, Katzenverhaltensberatung, Katzenpsychologin Berlin, gestresste Katze, Aggression, Unsauberkeit, Markieren, Katzen verstehen sich nicht, Katzen kämpfen, Tierarzt, Autofahren

Mythos Nr. 37: Autofahrten stressen Katzen grundsätzlich

Bei Katzenberatungen frage ich in den allermeisten Fällen, wann bei der Katze zuletzt eine tierärztliche Untersuchung gemacht wurde. Und oft höre ich dann, dass vor allem die Fahrt in die Praxis mit so großem Stress für alle Beteiligten verbunden ist, dass die Katze eigentlich nur im Notfall dorthin gebracht wird. Meist nehmen die Katzeneltern das quasi als gegeben hin. Katzen, die bei Autofahrten nicht gestresst reagieren, werden aus meiner Erfahrung eher als eine Ausnahme gesehen.

Dabei muss das gar nicht so sein und erst recht nicht so bleiben. Ich trainiere gerade mit meinen beiden Katzen, dass sie sich an Autofahrten gewöhnen und merken, dass nichts schlimmes passiert. Dabei geht es mir nicht nur um Tierarztbesuche, die dann entspannter laufen können, sondern auch darum, sie zu Freund:innen und in den Urlaub mitnehmen zu können. Im September dürfen die beiden nämlich das erste Mal mit uns verreisen und das ist mit einer zweistündigen Autofahrt verbunden. Ganz ehrlich, zwei schreiende Katzen auf der Rückbank zu haben, war keine erstrebenswerte Vorstellung, um unseren Urlaub zu starten. 😉

Es gibt ein paar Voraussetzungen, um mit dem Training zu beginnen: Um Deine Katze überhaupt in das Auto tragen zu können, sollte sie in der Transportbox entspannt bleiben. Das ist eine der Grundvoraussetzungen, um überhaupt mit dem Autotraining anfangen zu können. Wenn Du – wie ich – die Katzen angeschnallt ohne Box im Auto mitfahren lassen möchtest, müssen sie auch an Geschirr und Leine gewöhnt sein. Du solltest vorher testen, wie Du Deine Katze auch in stressigen Situationen belohnen kannst.

Wie das Training laufen wird, hängt ganz von Deiner Katze ab, wie offen sie für Neues ist und welche Erfahrungen sie bereits im Auto gesammelt hat. Findet Deine Katze neue Situationen spannend und kann sich gut darauf einlassen, kannst Du schnell gute Erfolge erzielen. Ist Deine Katze eher ängstlich und hat sich schon oft im Auto aufgeregt, musst Du eher viel Zeit einplanen, um ihr den Aufenthalt im Auto schmackhaft zu machen – im wahrsten Sinne des Wortes. 😉

Ich finde, der Aufwand lohnt sich in jedem Fall! Und wenn ich Dir dabei helfen kann, diesen Aspekt Deines Lebens mit Katze stressfreier für alle zu gestalten, melde Dich gern

Rot-weißer Kater kuschelt mit grau-bunter Katze - Katzenberatung Katzenverhaltensberatung Katzenpsychologin Berlin

Früher als geplant: endlich wieder eigene Katzen!

Als meine Katze Leia im April 2021 mit fast 20 Jahren gestorben ist, hatte ich mir vorgenommen, mindestens ein bis zwei Jahre sozusagen „tierfrei“ zu sein, also in der Zeit keine langfristige Verpflichtung für eine Katze einzugehen. Leia war das letzte Jahr ein wirklicher Pflegefall, brauchte viel Aufmerksamkeit, viele Medikamente und gedanklich drehte sich viel um sie und ihr Wohlergehen. Auch konnten wir sie nicht mehr allein lassen, so dass Reisen zu zweit nicht möglich waren. Sich ein bis zwei Jahre darüber keine Gedanken machen zu müssen, das war der Plan.

Ja, wir hatten seit Leias Tod Pflegekatzen der Katzenhilfe Prignitz und ich habe viel mit ihnen trainiert. Alle vier waren toll, aber mir war klar, dass es nicht die richtigen Katzen für uns waren, auch war ich noch nicht bereit für diese längerfristige Bindung, die gut und gerne 20 Jahre lang bestehen kann. Allerdings fiel uns der Auszug von Beki und Brody, diesen bezaubernden Katzendamen, die wir Anfang 2022 zur Pflege hatten, schon sehr schwer und wir hätten sie fast nicht abgeben wollen. Ihre Fortschritte und ihre Entwicklung bei uns zu sehen, ihr Vertrauen zu spüren…außerdem waren sie einfach zuckersüß. Verdientermaßen haben sie ein ganz zauberhaftes Zuhause in meiner Nachbarschaft gefunden und dürfen jetzt einer anderen Familie viel Spaß bereiten. Und wie es das Schicksal wollte, liefen mir just in der Woche, in der Beki und Brody in ihr Für-immer-Zuhause ziehen sollten, zwei Katzen über den Weg, die dringend ein neues Zuhause suchten und charakterlich gut zu uns passten. Selini und Nikos sind zwei ehemalige Straßenkatzen aus Griechenland, lebten zu dem Zeitpunkt schon einige Monate in Deutschland, aber es passte mit der vorhandenen Katzengruppe einfach nicht. Wie konnten wir da nein sagen?! Ja, das Jahr war noch nicht ganz um, aber nun, päpstlicher als der Papst wollten wir auch nicht sein.

Seit gut drei Monaten leben Selini und Nikos jetzt bei uns. Im Sommer werden sie ein Jahr alt. Selini hat vermutlich unter anderem Russisch-Blau-Vorfahren, die ihr zum einen ein unglaublich samtiges Grau verliehen haben, und der sie zum anderen ihre große Intelligenz, ihr sanftes Wesen und ihre Verspieltheit zu verdanken hat. Sie ist sehr aufgeschlossen allem Neuen gegenüber, liebt das (Trick) Training und ihre Spielangel. Nikos ist ein liebenswerter Chaot, schmust für sein Leben gern und bringt uns viel Sonne ins Leben. Er kann eine besonders enge Bindung zu Menschen eingehen und möchte überall mit dabei sein. Ich habe schon immer einen Faible für rote Katzen und sein Rot strahlt noch einmal besonders intensiv, finde ich. 🙂 Die beiden verstehen sich wirklich gut miteinander, so unterschiedlich sie auch sind. Für mich ist es sehr spannend und lehrreich, sie bestmöglich zu fördern, ihre unterschiedlichen Bedürfnisse wahrzunehmen und wirklich alles, was ich in den Katzenberatungen meinen Kundinnen und Kunden rate, zu Hause ausprobieren zu können. Dein Ziel ist, mit Deinen Katzen an der Leine spazieren zu gehen oder dass Du sie entspannt im Auto mitnehmen kannst? Genau das trainiere ich zurzeit mit Selini und Nikos, die unterschiedlicher nicht lernen könnten. Meinen Erfahrungsschatz als Trainerin erweitern die beiden täglich und ich teile ihn gern mit Dir. 🙂

weiße Katze mit blauen Augen kratzt an einem Kratzbaum - katzenberatung, katzenverhaltensberatung, katzencoach, Katzenpsychologe, Katzenpsychologin berlin, unsauber, markieren, aggressiv, vergesellschaftung, neue katze, kaufberatung

Mythos Nr. 36: Meine Katze würde Katzenmöbel sowieso nicht nutzen.

Vielleicht kennst Du das? Du hast einen richtig schönen Kratzbaum ausgesucht, stellst ihn zu Hause voller Vorfreude auf und es passiert…nichts. Deine Katze ist eher am Verpackungskarton interessiert und geht dann weiter zum Sofa, um dort an ihrer Lieblingsecke zu kratzen. „Na toll“, denkst Du vielleicht, „diese Investition war für die Katz‘, der kaufe ich nie wieder so etwas!“

Woran kann es liegen, dass Deine Katze den Kratzbaum links liegen lässt? Zuerst einmal solltest Du überlegen, ob der Kratzbaum gut für die Bedürfnisse Deiner Katze ausgewählt ist. Ist er so groß, dass sich Deine Katze richtig strecken kann, um daran zu kratzen? Ist er stabil genug, so dass er nicht anfängt zu kippeln, sobald die Katze ihn erkundet? Dann geht es um die Frage des Ortes. Katzen möchten in der Regel dort sein, wo Du auch bist, und im wahrsten Sinne des Wortes im Mittelpunkt stehen. Den Kratzbaum in die Ecke des Abstellraums zu stellen, ergibt aus Katzensicht leider keinen Sinn, dort ist er nicht interessant für Katze – außer Du hast ein eher ängstliches und stark ruhebedürftiges Exemplar, für das das ein super schöner Rückzugsort ist. Die Akzeptanz erhöhst Du außerdem dadurch, dass die unterschiedlichen Ebenen des Kratzbaums praktische Ausgucke, z. B. aus dem Fenster, sind oder die Katze sich darüber einen guten Überblick über weite Teile der Wohnung verschaffen kann. Das Kratzen an Gegenständen ist übrigens nicht nur zur Krallenpflege da, damit fordert eine Katze auch zu Aktivitäten auf, nicht selten entwickelt sich z. B. danach ein Spiel mit der Partnerkatze. Dafür muss der Kratzbaum natürlich von allen Angesprochenen wahrgenommen werden, sonst ist aus Katzensicht das Sofa die sinnvollere Alternative.

Du hast das alles schon beachtet und trotzdem nutzt Deine Katze den Kratzbaum nicht? Du kannst den Prozess unterstützen, indem Du den Baum in euer tägliches Spielritual einbindest – sofern Deine Katze keine Angst vor dem neuen Gegenstand hat. Auch hier kommt es stark auf den Charakter Deiner Katze an. Ist es eher Unsicherheit, die Deine Katzen zurückhaltend sein lässt, braucht es viele positive Erlebnisse mit dem Kratzbaum, damit sie lernt, dass sie keine Angst davor haben muss. Aber bitte locke Deine Katze nie mit Futter an einen für sie beängstigenden Ort, sondern belohne statt dessen für jeden Schritt, den sie darauf von allein zugeht. Nur so kann Deine Katze stressfrei lernen und gerät nicht in einen inneren Konflikt.

Schwarz-weiße und grau-weiße Katze liegen neben einer Kratzpappe auf dem Boden - Katzenberatung, Katzenverhaltensberatung, Katzen Coach, Katzenpsychologin, Katzenpsychologe Berlin, unsauber, aggressiv, versteht sich nicht, kämpfen, macht neben Toilette

Neues Jahr – neue Pflegekatzen

Seit Anfang des Jahres wohnen wieder zwei Katzen zur Pflege bei mir und ich weiß gar nicht, wie ich seit Oktober ohne leben konnte! Gestatten, Beki und Brody von der Katzenhilfe Prignitz. Das klingt ja fast nach Stammbaum: Beki von der Prignitz. 😉

Die beiden Süßen sind einfach bezaubernd. Obwohl sie im Mai 2021 wild in einer kleinen Katzenkolonie geboren wurden und erst seit dem Herbst Kontakt zu Menschen haben, hat Beki richtig Lust auf menschliche Gesellschaft, lässt sich kuscheln und ist sehr verspielt. Sie wäre aus meiner Sicht sogar eine gute Anfänger-Katze für einen ruhigen Haushalt. Brody ist alles in allem zurückhaltender, lässt sich mehr Zeit, überlegt mehr und geht weniger Risiko ein. Ja, beide sind wieder Angstkatzen, die sich noch regelmäßig unter den Schrank verziehen, aber in dieser kurzen Zeit, die sie jetzt bei mir wohnen, haben sie sich schon in mein Herz geschlichen. Ich hoffe, dass ich bald ein wunderbares Für-immer-Zuhause für sie finde, sonst wird es mir sehr schwer fallen, sie wieder herzugeben…

Themen, die ich mit ihnen trainieren will, gibt es selbstverständlich auch:
Sie hassen die Transportbox, das werde ich ändern.
Fremde Menschen sollen keinen so großen Stress mehr auslösen.
Selbstbewusstsein aufbauen.

Dazu kommt das übliche Gewöhnen an ein Leben in einer Wohnung mit Menschen, Werkzeuge aus dem Clicker-Training, die Mensch und Katze immer gut gebrauchen können, und es zeichnet sich schon ab, dass zumindest Beki etwas mehr Zurückhaltung hinsichtlich Essen auf meinem Teller gebrauchen kann. 😉

Bewerbungen für ein Für-immer-Zuhause werden immer gern angenommen. 🙂

Getigerter Kater macht Männchen, weiß-getigerter Kater sitzt im Hintergrund - Katzenberatung, Katzenverhaltensberatung, Katzenpsychologin, Katzenpsychologe, Katzenpsychologie, Berlin, Brandenburg, Unsauberkeit, Aggressiv, verstehen sich nicht mehr

Ein Für-immer-Zuhause für die Streuner

Anfang Oktober war es soweit: Adam und Andy von der Katzenhilfe Prignitz, die seit vier Monaten meine Pflegekatzen waren, durften in ihr Für-immer-Zuhause ziehen. Für meine Gefühle war das eine große Achterbahnfahrt: Auf der einen Seite habe ich mich riesig gefreut, dass sich zwei erfahrene, wirklich engagierte Menschen gemeldet haben, um sie bei sich aufzunehmen. Auf der anderen Seite war ich auch traurig, da sie mir schon sehr ans Herz gewachsen waren. Die Zeit mit ihnen war manchmal etwas herausfordernd, aber auch lehrreich und ich konnte ganz viele Methoden erfolgreich ausprobieren, die ich im Studium gelernt habe. Das war toll!

Im neuen Zuhause läuft es auch gut. Es wird viel gespielt und auch das Trick-Training weitergemacht, das Andy so liebt. So langsam werden sie richtig warm miteinander. Und ich bin sehr glücklich, diese beiden Menschen ausgewählt zu haben, besser hätte es nicht laufen können.

Bis Weihnachten mache ich erst einmal Pflegestellen-Pause. Ein ganz neuer Zustand, wirklich drei Monate keine Katzen um mich herum zu haben! Ehrlich gesagt, fühlt es sich fast unnatürlich an. 😉 Was mich als Pflegestelle am meisten gefordert hat, war die Vermittlung der Katzen. Für die größere Reichweite habe ich ein bekanntes Kleinanzeigen-Portal gewählt und die Anfragen haben mich teilweise doch sehr erstaunt und auch erschreckt. Katzen werden von manchen offenbar nicht als Lebewesen gesehen, sondern als Dinge, die einfach so hin und her geschachert werden können. Hier die Goldstücke herauszusieben, war mühsam und anstrengend. Andere Anfragen waren sehr nett gemeint, aber passten einfach nicht zu zwei Angst-Katzen, für die kleine Kinder gruselig sind und die einen speziellen Umgang erfordern. Hier würde ich mir mehr Reflexion bei Katzen-Interessierten wünschen. Oft wird viel mehr Sorgfalt bei der Auswahl eines Smartphones oder Fernsehers an den Tag gelegt, als bei der Wahl eines weiteren Haushaltsmitglieds, das unter Umständen 20 Jahre lebt. Katze ist nicht gleich Katze, alle bringen ihren Charakter und individuelle Bedürfnisse mit. Wenn das nicht mit den Ansprüchen der Menschen zusammenpasst, ist der Frust auf beiden Seiten groß und die Gefahr für die Katze groß, zum Wanderpokal zu werden.

Ihr wisst, ich biete auch Beratung an, bevor eine neue Katze einzieht, damit alle miteinander glücklich werden können. 🙂

Zwei getigerte Katzen liegen ausgestreckt auf dem Boden - Katzenverhaltensberatung, Katzenpsychologin, Berlin, Katzenpsychologe, Unsauberkeit, Aggression, aggressiv, unsauber, Stress, verstehen sich nicht mehr, Zusammenführung, neue

Kater ist nicht gleich Kater

Jetzt leben die beiden ängstlichen Pflegekater Adam und Andy von der Katzenhilfe Prignitz schon fast zwei Monate bei mir und ich bin über ihre immensen Fortschritte schlicht begeistert! Es hat sich schnell herausgestellt, dass sie charakterlich höchst unterschiedlich sind und ihre Ängstlichkeit schon längst nicht mehr das herausstechende Merkmal ist. Okay, verfressen sind sie beide.

Adam lässt sich mittlerweile sehr gern streicheln und kraulen und kuschelt sich genüsslich auf dem Sofa an. Er kommuniziert viel stärker mit uns Menschen und weiß schon ganz genau, wie er uns um den Finger wickeln kann. Zu Mensch und Mitkater ist er ausschließlich freundlich, kann sich zurücknehmen und ist unglaublich verspielt. Fremden Besuch schaut er sich schon mit etwas Abstand an.

Bei Andy hingegen ist unklar, ob er sich jemals von Menschen berühren lassen möchte. Wir sind ihm immer noch sehr suspekt und er hat uns noch nicht als Sozialpartner erkannt. Dafür ist er sehr intelligent, ein wahrer Streber beim Klickertraining, bietet die Tricks sogar schon von sich aus an und kooperiert hier ganz wunderbar mit uns. Spielen ist für ihn auch sehr wichtig, aber er ist weniger verspielt, sondern eher an richtiger Beute interessiert. Auf langer Sicht wird er nur mit Freigang glücklich.

Bei den beiden Beschreibungen wird mir wieder deutlich, wie wichtig es ist, dass die Katze, ihre Menschen und ihr Zuhause wirklich gut zusammenpassen. Jeder Mensch hat Erwartungen an sein oder ihr Haustier und jede Katze hat individuelle Bedürfnisse. Nicht immer entscheidet das Herz richtig, bitte schau genau hin, was die potenzielle neue Katze mitbringt und ob dafür Platz in Deinem Leben ist.

Für mich ist die Zeit mit den beiden sehr lehrreich und ich kann mit als Trainerin richtig ausleben. 😊 Es ist unglaublich bestärkend zu sehen, dass das, was ich ansonsten meinen Kund:innen rate, super funktionieren kann. Wir machen hier wunderbare Fortschritte und so langsam wird es Zeit, ein „Für-immer-Zuhause“ für die beiden zu suchen, das diesen Weg weiter geht. Einige Anfragen gab es schon, aber immer wieder muss ich ablehnen, da mir klar ist, dass das nicht der richtige Haushalt für diese beiden Kater ist. Das tut mir immer sehr leid, aber Teil meines Jobs ist es eben, die Probleme zu erkennen – möglichst bevor sie auftreten.

Getigerte Katze sitzt unter einem Schrank - Katzenberatung, Katzenverhaltensberatung, Katzenpsychologe, Katzenpsychologin, Katzentrainer, Katzentrainerin, Katzencoach, Berlin, Angst, ängstliche Katze

Die ängstliche Katze – eine ganz besondere Beziehung

Nach meinem letzten Blog-Beitrag ist viel passiert, daher auch die lange Sendepause von mir. Unter anderem mussten wir meine langjährige Katze Leia, die mich fast 20 Jahre lang begleitet hat, gehen lassen. Sie war das letzte Jahr ein echter Pflegefall und ihr gesundheitliches „Hoch-und-runter“ recht kräftezehrend. Daher möchte ich momentan noch warten, bis eine neue „Für-immer“-Katze einziehen wird. Aber so ganz ohne Katze geht es ja auch nicht. Also sind von der Katzenhilfe Prignitz zwei schüchterne Kater-Teenies zur Pflege bei mir eingezogen, denen ich beibringen darf, dass Menschen doch ganz okay sein können. 😉

Dem Menschen gegenüber ängstliche Katzen müssen nicht zwangsläufig schlechte Erfahrungen mit uns gemacht haben. Meistens haben sie im jungen Alter schlicht gar keine Erfahrungen mit uns gemacht und finden uns als große, fremde, laute Wesen ziemlich gruselig. Zum einen wird von der Katzenmutter abgeguckt, wie sie sich in bestimmten Situationen verhält. Und ist diese gegenüber Menschen schon sehr vorsichtig, lernen ihre Jungen, dass das wohl seine Berechtigung hat. Haben sie darüber hinaus auch keine Möglichkeit, sich ein eigenes Bild von uns zu machen, festigt sich dieser Eindruck. Zutraulichkeit wird allerdings auch durch den Katzenvater vererbt! Wusstest Du das? Ich finde das wirklich spannend! Wenn beide Elternteile also (auf unterschiedliche Weise) vermittelt haben, dass Menschen mit Vorsicht zu genießen sind, und die Kleinen im frühen Alter keine gegenteilige Erfahrung sammeln konnten, setzt eine Generalisierung ein: Alle Menschen = Gefahr.

Bei gut auf den Menschen sozialisierten Katzen haben wir die umgekehrte Generalisierung: Alle Menschen = super, weil Spaß, Futter, Streicheleinheiten und Unterhaltung.

Aber auch wenn die ängstliche Katze erst einmal allen Menschen skeptisch gegenübersteht, kann sie trotzdem eine Bindung zu einzelnen unserer Spezies aufbauen! Wir müssen sie davon überzeugen, dass es bei ihrer Regel „alle Menschen = Gefahr“ die berühmten Ausnahmen gibt. Sie ist dann fremden Menschen gegenüber meist immer noch zurückhaltend oder ängstlich, aber kann zu „ihrem“ Menschen eine ganz tolle und innige Beziehung aufbauen. Die Voraussetzung ist, dass wir ihr Zeit geben, uns in Geduld üben, sie nicht bedrängen und ihr einfach durch unser aus Katzensicht besonders zurückhaltendes und höfliches Verhalten zeigen, dass von uns keine Gefahr ausgeht. Im Gegenteil, Kooperation mit dem Menschen kann sich lohnen.

Auf diese Reise werde ich mich jetzt mit meinen beiden Pflegekatern begeben und hier im Blog gern über unsere gemeinsamen Fortschritte berichten. Schau gern regelmäßig für Tipps und Wissen rund um die ängstliche Katze hier herein. 🙂

katzenberatung, katzenverhaltensberatung, katzenpsychologin, katzenpsychologe, berlin, katzentraining, katzentrainer, stirbt, tod, trauer, lebensende, einschläfern, einschläferung

Verantwortung am Lebensende

Der Tod gehört zum Leben dazu – auch zum Leben unserer geliebten Katzen. Meist gehen sie vor uns, dann müssen wir Abschied nehmen von einer lieb gewonnenen Gefährtin, von dem Clown, der uns oft zum Lachen gebracht hat, und von dem Schnurren neben uns. Wir bauen während es Katzenlebens eine Beziehung zu ihnen auf, die so individuell ist, dass sie Außenstehende manchmal nicht verstehen können.

Ich hatte zuletzt ein paar Beratungen, in denen es um die Begleitung am Lebensende der Katze ging. Auch meine eigene Katze hat vor ein paar Wochen einen Krankheitsschub gehabt und wir haben teilweise täglich abgewogen, ob wir unsere Tierärztin für den letzten Besuch anrufen oder noch warten. Daher möchte ich mit euch die Überlegungen zum Thema teilen.

Manchmal kommt der Tod unserer Katze ganz plötzlich, kündigt sich gar nicht an und trifft uns unvorbereitet. Einfach einschlafen, das ist ein Ende, wie wir es uns wünschen würden. Oft ist das Lebensende jedoch mit einer längeren Krankheitsphase verbunden und wir müssen uns mit dem Thema des Einschläferns auseinandersetzen. Die meisten sind sich einig, dass es unsere Katze nicht verdient hat, sich am Ende quälen zu müssen. Aber welchen Maßstab setzen wir dabei an? Was ist Quälerei?

Tiere haben im menschlichen Sinne keine Todesangst, da sie nur in der Gegenwart leben. Das bedeutet, dass schmerzfreie Zeiten trotz Krankheit im Endstadium nicht durch Todesangst getrübt sind. Sie kennen jedoch auch keine Hoffnung, so dass Schmerzen nicht durch die Hoffnung auf baldige Besserung erträglicher gemacht werden können.

Schmerzen können wir durch gute Medikamente nehmen und Schmerzfreiheit ist aus meiner Sicht essenziell. Kommen Einschränkungen und Behinderungen dazu, ist es Abwägungssache, wie gut unsere Katze damit zurechtkommt, wie viel Hilfestellung wir geben können und ob sie dadurch gestresst ist. Eine Behinderung ist aus meiner Sicht nicht per se ein Grund, eine Katze einzuschläfern. Wirkt sie dadurch unruhig und gestresst, können psychoaktive Nahrungsergänzungsmittel versucht werden, um sie zu entspannen. Oft gewöhnen sich die Katzen an die neuen Einschränkungen und kommen dann gut zurecht. Manche Krankheiten verursachen Unwohlsein, das auch mit Medikamenten nicht genommen werden kann. Dann beobachte Deine Katze genau: Mag sie noch fressen und trinken? Ist sie fortwährend apathisch oder nimmt sie noch Kontakt auf und kann sich sogar freuen? Geht sie auf die Toilette oder ist sie plötzlich extrem unsauber? Es gibt einige Faktoren, die sehr klar zeigen, wann eine Katze einfach nicht mehr kann. Und dann ist es aus meiner Sicht Teil unserer Verantwortung unserer Katze gegenüber, es am Ende nicht zu einer Qual werden zu lassen.

Ich wünsche Dir und Deiner Katze, dass diese Überlegungen noch lange auf sich warten lassen können und viele glückliche Jahre miteinander!

getigerte Katze sieht durch ein Fenster nach draußen auf Schneeflocken - katzenpsychologie, katzenpsychologin, katzenberatung, katzenverhaltensberatung, katzenpsychologin, berlin, aggressiv, unsauber, stubenrein, streit, kämpfen

Warum unsere Kultur bestimmt, wie wir mit Katzen umgehen

Vor meinem Katzenpsychologie-Studium habe ich unter anderem Europäische Ethnologie studiert. Das lässt sich grob in Volkskunde übersetzen und damit ist gemeint, dass wir uns mit der Geschichte und Gegenwart von Erscheinungen wie z. B. Ritualen der menschlichen Alltags- und Populärkultur beschäftigen. Und was hat das jetzt mit Katzen zu tun? Eine ganze Menge! Denn auch wie wir mit unseren Haustieren umgehen, ist durch unsere Kultur geprägt. Es ist nichts Vorgegebenes oder Natürliches, wie wir sie behandeln, sondern wir haben es durch unser Aufwachsen in unserer Kultur erlernt. Das bedeutet, dass wir es auch hinterfragen und ändern können.

Während meiner Kindheit auf dem platten Land hatten Katzen bei den meisten Menschen keinen großen Stellenwert, auch in meiner eigenen Familie nicht. Für sie wurde nur das Nötigste (und noch nicht mal das) ausgegeben und wenn sie verschwunden waren, gab es kostenlos Nachschub von einem Bauernhof, der froh war, den Nachwuchs der unkastrierten Kätzin loszuwerden. Das hat sich leider noch nicht überall im Sinne der Katzen geändert, aber immerhin hat eine Entwicklung stattgefunden, dass Haustieren wie Hunde und Katzen eine größere Wertigkeit gegeben wird.

Katzen im speziellen haben noch ein weiteres Erbe, das sie nicht so leicht loszuwerden scheinen. Wir schreiben ihnen zu, dass sie eigensinnig, nicht erziehbar und nicht zu beeinflussen seien. In unserer Kultur ist immer noch dieses ursprüngliche Zusammenleben verankert, bei dem die Katze draußen ihrer Wege geht und nur für das warme Plätzchen am Ofen oder für das Futter nach Hause kommt. Das entspricht bei vielen Haltungshaushalten bei weitem nicht mehr der Realität. Viele Katzen wohnen jetzt in Wohnungen in der Stadt ohne Zugang nach draußen, weil das viel zu gefährlich wäre. Sie sind daher viel enger an uns gebunden und viel abhängiger von uns. Aber durch dieses veraltete Bild, das wir immer noch haben, meinen wir, sie könnten auch in der Wohnung frei, selbstbestimmt und unabhängig leben. Das ist meiner Meinung nach ein großes, fest in unserem kulturellen Verständnis von Katzen verhaftetes Missverständnis.

Dadurch, dass wir der Katze in der Wohnung die Möglichkeit nehmen, selbständig zu jagen, Beziehungen oder Feindschaften zu anderen Katzen zu pflegen und das Revier, das sie erkunden kann, wesentlich kleiner ist, bleiben nur wir. Wir sind der Dreh- und Angelpunkt in ihrem Leben, Bezugsperson, Spielgefährte, Futterlieferant und Entertainer. Das ist keineswegs schlimm. Auch eine Katze ohne Freigang kann ein glückliches und zufriedenes Leben führen. Die enge Beziehung zwischen Mensch und Katze kann für beide Seiten sehr erfüllend sein. Aber: Unser kulturell geprägtes Bild der Katze, die so nebenherläuft, um die wir uns nicht kümmern müssen, passt nicht mehr! Dessen müssen wir uns bewusst werden.

Es ist daher Zeit für ein neues Bild der Katze in unserem kulturellen Bewusstsein! Ich weiß, dass viele meiner Klientinnen und Klienten dieses neue Bild bereits leben. Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, dass es sich durchsetzt und dass sich niemand mehr für eine Katze entscheidet, weil sie so schön pflegeleicht ist und eh ihr eigenes Ding macht. Denn das ist nur ein kulturell geprägter Mythos.