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Die ängstliche Katze – eine ganz besondere Beziehung

Nach meinem letzten Blog-Beitrag ist viel passiert, daher auch die lange Sendepause von mir. Unter anderem mussten wir meine langjährige Katze Leia, die mich fast 20 Jahre lang begleitet hat, gehen lassen. Sie war das letzte Jahr ein echter Pflegefall und ihr gesundheitliches „Hoch-und-runter“ recht kräftezehrend. Daher möchte ich momentan noch warten, bis eine neue „Für-immer“-Katze einziehen wird. Aber so ganz ohne Katze geht es ja auch nicht. Also sind von der Katzenhilfe Prignitz zwei schüchterne Kater-Teenies zur Pflege bei mir eingezogen, denen ich beibringen darf, dass Menschen doch ganz okay sein können. 😉

Dem Menschen gegenüber ängstliche Katzen müssen nicht zwangsläufig schlechte Erfahrungen mit uns gemacht haben. Meistens haben sie im jungen Alter schlicht gar keine Erfahrungen mit uns gemacht und finden uns als große, fremde, laute Wesen ziemlich gruselig. Zum einen wird von der Katzenmutter abgeguckt, wie sie sich in bestimmten Situationen verhält. Und ist diese gegenüber Menschen schon sehr vorsichtig, lernen ihre Jungen, dass das wohl seine Berechtigung hat. Haben sie darüber hinaus auch keine Möglichkeit, sich ein eigenes Bild von uns zu machen, festigt sich dieser Eindruck. Zutraulichkeit wird allerdings auch durch den Katzenvater vererbt! Wusstest Du das? Ich finde das wirklich spannend! Wenn beide Elternteile also (auf unterschiedliche Weise) vermittelt haben, dass Menschen mit Vorsicht zu genießen sind, und die Kleinen im frühen Alter keine gegenteilige Erfahrung sammeln konnten, setzt eine Generalisierung ein: Alle Menschen = Gefahr.

Bei gut auf den Menschen sozialisierten Katzen haben wir die umgekehrte Generalisierung: Alle Menschen = super, weil Spaß, Futter, Streicheleinheiten und Unterhaltung.

Aber auch wenn die ängstliche Katze erst einmal allen Menschen skeptisch gegenübersteht, kann sie trotzdem eine Bindung zu einzelnen unserer Spezies aufbauen! Wir müssen sie davon überzeugen, dass es bei ihrer Regel „alle Menschen = Gefahr“ die berühmten Ausnahmen gibt. Sie ist dann fremden Menschen gegenüber meist immer noch zurückhaltend oder ängstlich, aber kann zu „ihrem“ Menschen eine ganz tolle und innige Beziehung aufbauen. Die Voraussetzung ist, dass wir ihr Zeit geben, uns in Geduld üben, sie nicht bedrängen und ihr einfach durch unser aus Katzensicht besonders zurückhaltendes und höfliches Verhalten zeigen, dass von uns keine Gefahr ausgeht. Im Gegenteil, Kooperation mit dem Menschen kann sich lohnen.

Auf diese Reise werde ich mich jetzt mit meinen beiden Pflegekatern begeben und hier im Blog gern über unsere gemeinsamen Fortschritte berichten. Schau gern regelmäßig für Tipps und Wissen rund um die ängstliche Katze hier herein. 🙂

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Verantwortung am Lebensende

Der Tod gehört zum Leben dazu – auch zum Leben unserer geliebten Katzen. Meist gehen sie vor uns, dann müssen wir Abschied nehmen von einer lieb gewonnenen Gefährtin, von dem Clown, der uns oft zum Lachen gebracht hat, und von dem Schnurren neben uns. Wir bauen während es Katzenlebens eine Beziehung zu ihnen auf, die so individuell ist, dass sie Außenstehende manchmal nicht verstehen können.

Ich hatte zuletzt ein paar Beratungen, in denen es um die Begleitung am Lebensende der Katze ging. Auch meine eigene Katze hat vor ein paar Wochen einen Krankheitsschub gehabt und wir haben teilweise täglich abgewogen, ob wir unsere Tierärztin für den letzten Besuch anrufen oder noch warten. Daher möchte ich mit euch die Überlegungen zum Thema teilen.

Manchmal kommt der Tod unserer Katze ganz plötzlich, kündigt sich gar nicht an und trifft uns unvorbereitet. Einfach einschlafen, das ist ein Ende, wie wir es uns wünschen würden. Oft ist das Lebensende jedoch mit einer längeren Krankheitsphase verbunden und wir müssen uns mit dem Thema des Einschläferns auseinandersetzen. Die meisten sind sich einig, dass es unsere Katze nicht verdient hat, sich am Ende quälen zu müssen. Aber welchen Maßstab setzen wir dabei an? Was ist Quälerei?

Tiere haben im menschlichen Sinne keine Todesangst, da sie nur in der Gegenwart leben. Das bedeutet, dass schmerzfreie Zeiten trotz Krankheit im Endstadium nicht durch Todesangst getrübt sind. Sie kennen jedoch auch keine Hoffnung, so dass Schmerzen nicht durch die Hoffnung auf baldige Besserung erträglicher gemacht werden können.

Schmerzen können wir durch gute Medikamente nehmen und Schmerzfreiheit ist aus meiner Sicht essenziell. Kommen Einschränkungen und Behinderungen dazu, ist es Abwägungssache, wie gut unsere Katze damit zurechtkommt, wie viel Hilfestellung wir geben können und ob sie dadurch gestresst ist. Eine Behinderung ist aus meiner Sicht nicht per se ein Grund, eine Katze einzuschläfern. Wirkt sie dadurch unruhig und gestresst, können psychoaktive Nahrungsergänzungsmittel versucht werden, um sie zu entspannen. Oft gewöhnen sich die Katzen an die neuen Einschränkungen und kommen dann gut zurecht. Manche Krankheiten verursachen Unwohlsein, das auch mit Medikamenten nicht genommen werden kann. Dann beobachte Deine Katze genau: Mag sie noch fressen und trinken? Ist sie fortwährend apathisch oder nimmt sie noch Kontakt auf und kann sich sogar freuen? Geht sie auf die Toilette oder ist sie plötzlich extrem unsauber? Es gibt einige Faktoren, die sehr klar zeigen, wann eine Katze einfach nicht mehr kann. Und dann ist es aus meiner Sicht Teil unserer Verantwortung unserer Katze gegenüber, es am Ende nicht zu einer Qual werden zu lassen.

Ich wünsche Dir und Deiner Katze, dass diese Überlegungen noch lange auf sich warten lassen können und viele glückliche Jahre miteinander!

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Warum unsere Kultur bestimmt, wie wir mit Katzen umgehen

Vor meinem Katzenpsychologie-Studium habe ich unter anderem Europäische Ethnologie studiert. Das lässt sich grob in Volkskunde übersetzen und damit ist gemeint, dass wir uns mit der Geschichte und Gegenwart von Erscheinungen wie z. B. Ritualen der menschlichen Alltags- und Populärkultur beschäftigen. Und was hat das jetzt mit Katzen zu tun? Eine ganze Menge! Denn auch wie wir mit unseren Haustieren umgehen, ist durch unsere Kultur geprägt. Es ist nichts Vorgegebenes oder Natürliches, wie wir sie behandeln, sondern wir haben es durch unser Aufwachsen in unserer Kultur erlernt. Das bedeutet, dass wir es auch hinterfragen und ändern können.

Während meiner Kindheit auf dem platten Land hatten Katzen bei den meisten Menschen keinen großen Stellenwert, auch in meiner eigenen Familie nicht. Für sie wurde nur das Nötigste (und noch nicht mal das) ausgegeben und wenn sie verschwunden waren, gab es kostenlos Nachschub von einem Bauernhof, der froh war, den Nachwuchs der unkastrierten Kätzin loszuwerden. Das hat sich leider noch nicht überall im Sinne der Katzen geändert, aber immerhin hat eine Entwicklung stattgefunden, dass Haustieren wie Hunde und Katzen eine größere Wertigkeit gegeben wird.

Katzen im speziellen haben noch ein weiteres Erbe, das sie nicht so leicht loszuwerden scheinen. Wir schreiben ihnen zu, dass sie eigensinnig, nicht erziehbar und nicht zu beeinflussen seien. In unserer Kultur ist immer noch dieses ursprüngliche Zusammenleben verankert, bei dem die Katze draußen ihrer Wege geht und nur für das warme Plätzchen am Ofen oder für das Futter nach Hause kommt. Das entspricht bei vielen Haltungshaushalten bei weitem nicht mehr der Realität. Viele Katzen wohnen jetzt in Wohnungen in der Stadt ohne Zugang nach draußen, weil das viel zu gefährlich wäre. Sie sind daher viel enger an uns gebunden und viel abhängiger von uns. Aber durch dieses veraltete Bild, das wir immer noch haben, meinen wir, sie könnten auch in der Wohnung frei, selbstbestimmt und unabhängig leben. Das ist meiner Meinung nach ein großes, fest in unserem kulturellen Verständnis von Katzen verhaftetes Missverständnis.

Dadurch, dass wir der Katze in der Wohnung die Möglichkeit nehmen, selbständig zu jagen, Beziehungen oder Feindschaften zu anderen Katzen zu pflegen und das Revier, das sie erkunden kann, wesentlich kleiner ist, bleiben nur wir. Wir sind der Dreh- und Angelpunkt in ihrem Leben, Bezugsperson, Spielgefährte, Futterlieferant und Entertainer. Das ist keineswegs schlimm. Auch eine Katze ohne Freigang kann ein glückliches und zufriedenes Leben führen. Die enge Beziehung zwischen Mensch und Katze kann für beide Seiten sehr erfüllend sein. Aber: Unser kulturell geprägtes Bild der Katze, die so nebenherläuft, um die wir uns nicht kümmern müssen, passt nicht mehr! Dessen müssen wir uns bewusst werden.

Es ist daher Zeit für ein neues Bild der Katze in unserem kulturellen Bewusstsein! Ich weiß, dass viele meiner Klientinnen und Klienten dieses neue Bild bereits leben. Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, dass es sich durchsetzt und dass sich niemand mehr für eine Katze entscheidet, weil sie so schön pflegeleicht ist und eh ihr eigenes Ding macht. Denn das ist nur ein kulturell geprägter Mythos.

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Mythos Nr. 35: Freigang ist für Katzen das Beste!

Freigang sei für Katzen das Nonplusultra, absolut erstrebenswert und wer nur irgendwie die Möglichkeit hat, die Katzen hinauszulassen sollte es in jedem Fall machen – diese Stimmen kennen wir sicher alle. Und bei einigen, die ihren Katzen „nur“ ein Leben rein in der Wohnung ermöglichen können, sorgt diese Meinung für ein schlechtes Gewissen. Zu unrecht, finde ich!

Wusstest Du, dass statistisch gesehen Freigänger-Katzen eine geringere Lebenserwartung haben als Wohnungskatzen? Die Gefahren sind draußen nicht von der Hand zu weisen: Straßenverkehr, Hunde und Wildtiere und auch andere Menschen können unseren Lieblingen gefährlich werden. Und eine weitere Herausforderung ist die sich immer mehr ändernde Beziehung zwischen Mensch und Katze. Durch eine gute Sozialisation im Kitten-Alter und auch durch eine verantwortungsvolle Zucht werden Katzen immer aufgeschlossener und angstfreier im Umgang mit uns Menschen. Früher war es oft so, dass sich fremde Katzen draußen kaum anfassen ließen und lieber auf Abstand blieben. Zutraulich waren sie oft nur ihren eigenen Menschen gegenüber oder bestenfalls in den eigenen vier Wänden, wo sie sich sicher fühlten. Mittlerweile passiert es mir öfter, dass ich von fremden Katzen draußen regelrecht „überfallen“ werde: Beim Spaziergang springen mir unbekannte Katzen direkt vor die Füße, sind fast aufdringlich, flirten und maunzen was das Zeug hält und lassen sich überall kraulen. Ich würde nie auf die Idee kommen, dass diese gut genährten und gepflegt aussehenden Katzen eventuell Streuner sind, sondern bin mir sicher, dass sie ein Zuhause haben, dass für sie sorgt. Aber für viele Menschen ist es immer noch so ungewöhnlich, dass fremde Katzen mit ihnen Kontakt aufnehmen, dass sie sie einsammeln und bestenfalls nach ihrem Zuhause suchen. Schlimmstenfalls werden sie dann einfach behalten: „Mir ist eine Katze zugelaufen.“ Auch Kundinnen und Kunden berichten mir immer häufiger von diesen Problemen mit ungesicherten Freigang von super sozialisieren Katzen. Da stiegen die Katzen schon neugierig in das Nachbars- oder Postauto, in die Nachbarswohnung sowieso und ein junger Kater wurde von einer wohlmeinenden „Finderin“ in einen ganz anderen Stadtteil zu einer Freundin verschleppt, weil sie eben dachte, er bräuchte ein Zuhause. Zum Glück war er gechipt und bei Tasso registriert, so dass seine ursprüngliche Familie ihn bald wieder erleichtert in die Arme schließen konnte.

Das Wesen der Hauskatzen setzt sich im Prinzip aus zwei wesentlichen Eigenschaften zusammen: grenzenlose Neugier und eine gesunde Portion Vorsicht. Letzteres kann Katzen vor allzu großen Unglücken bewahren. Wenn wir ihr die Vorsicht jedoch nehmen, bringt sie sich durch ihre Neugier und ihren Erkundungsdrang in Situationen, die böse enden können. Versteht mich bitte nicht falsch, ich begrüße diese neue Aufgeschlossenheit der Katzen sehr! Aber für mich stelle ich immer mehr in Frage, ob der ungesicherte Freigang für Katzen wirklich das Beste ist. Ein weiterer Gedankenanstoß ist auch, dass die Katze kulturell bedingt das einzige Haustier ist, das wir ohne Einfluss des Menschen herumstromern lassen. Bei allen anderen Haustieren wird das nicht toleriert. Mein persönliches Nonplusultra für das Zusammenleben mit Katzen ist übrigens der kontrollierte Freigang. Für die Zukunft plane ich den Garten katzensicher einzuzäunen und meine nächsten Katzen werde ich öfter bei Besuchen und im Urlaub mitnehmen. Ich wollte schon immer einen Hund haben, weil ich dachte, ich könnte mehr mit ihm machen als mit Katzen. Ein völliger Irrglaube, denn durch meine Arbeit als Katzenpsychologin weiß ich mittlerweile, dass viele Katzen ebenfalls großen Spaß an gemeinsamen Unternehmungen außerhalb der eigenen vier Wände haben. 😊

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Mythos Nr. 34: Katzen protestieren, indem sie unsauber sind.

Dass die Katze ihre Toilette nicht zuverlässig benutzt, ist in der Katzenberatung wirklich ein häufiger Fall. Oft begegnet mir die Einschätzung, dass die Katze das aus Protest machen würde, weil der Mensch vorher dies, das und jenes getan hat. Das unterstellt der Katze eine gewisse Boshaftigkeit und auch ein Kalkül, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob eine Katze dazu fähig ist. 😊

Wir müssen zuerst unterscheiden, ob die Katze unsauber ist oder mit Harn markiert. Bei Unsauberkeit lohnt es sich oft, das Katzenklo genauer unter die Lupe zu nehmen und zu prüfen, ob die Katze es wirklich gern benutzt. Nur wenn es den Bedürfnissen der Katze entspricht, wird sie es auch in Stresssituationen nutzen können. Stress ist ein da ein wichtiger Faktor und das könnte auch erklären, warum uns Unsauberkeit manchmal als Protestpinkeln erscheint. Stellen wir uns einmal vor, wir hätten auf der Arbeit einen Kollegen, der uns immer etwas nervt. Weil uns die Harmonie im Team wichtig ist, nehmen wir es so hin, schlucken seine Kommentare runter und tolerieren seine für uns nervigen Sprüche. Jetzt haben wir jedoch plötzlich extrem viel zu tun und wir wissen einfach nicht, wo uns der Kopf steht und wie wir unsere Arbeit schaffen sollen. Das stresst uns sehr. Und jetzt kommt auch noch der Kollege vorbei und nervt uns wieder. Dieses Mal können wir nicht gute Miene zum bösen Spiel machen und wir reagieren entsprechend auf ihn. Ich glaube, diese Situation können wir alle nachvollziehen. Ähnlich geht es unseren Katzen, wenn sie zwar normalerweise ihre Toilette aufsuchen, aber in für sie stressigen Situationen schaffen sie es einfach nicht, auch noch diesen Schritt zu tun, der ihnen eigentlich widerstrebt. Wenn Du wissen möchtest, wie das optimale Katzenklo aussieht, berate ich Dich gern.

Harnmarkieren ist etwas anders gelagert und kann viele Ursachen haben. Um herauszufinden, was im individuellen Fall dahintersteckt, kommst Du meist nicht um eine richtige Verhaltensanalyse herum. Stress kann die Sache meist noch verstärken, so dass auch hier der Eindruck entstehen kann, dass es eine Protestreaktion auf eine Aktion des Menschen wäre. Meistens gibt es aber noch weitere Faktoren, die Harnmarkieren auslösen.

In beiden Fällen sollte nicht zu lang gewartet werden, um die Sache anzugehen. Bei jedem Mal, das die Katze unsauber ist oder markiert, schleift sich dieses Verhalten mehr ein und es wird schwieriger, sie wieder zuverlässig an ihre Toilette zu gewöhnen.

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Mythos Nr. 33: Katzen dürfen auf gar keinen Fall geweckt werden.

Als Kind wurde mir beigebracht, dass Tiere auch ihre Ruhe brauchen. Wenn sie schlafen, sollte ich auf keinen Fall hingehen und sie wecken. Auf Kinder bezogen würde ich diese Ansage auch weiterhin vertreten. Kinder sind meist impulsiv und möchten oft ganz viel mit den Katzen spielen. Die Grenzen der Katzen werden dabei manchmal übersehen, so dass es gut ist, dass Erwachsene diese Regel aufstellen, damit die Katze sich zurückziehen kann, wenn sie möchte.

Allerdings ist es in den meisten Haushalten mittlerweile so, dass Katzen sehr viel allein sind. Die Menschen sind arbeiten, gehen dann vielleicht ihren Hobbies nach und dann bleibt gar nicht mehr so viel aktive Zeit mit der Katze. Um sie in der wenigen gemeinsamen Zeit auszulasten, sollte da die meiste Action passieren, also Spiel, Training und weitere schöne Aktivitäten. Ja, manchmal möchte auch ich abends lieber gemütlich mit meiner Katze auf dem Sofa sitzen und nichts tun müssen. Da bin ich froh, wenn ich Leia hin und wieder kraulen kann und sie friedlich neben mir schläft. Aber spätestens am frühen Morgen habe ich dann den Salat: Katze ist ausgeschlafen und möchte jetzt unterhalten werden. Dass mein Wecker erst ein paar Stunden später klingelt, interessiert sie dann herzlich wenig. Hätte ich sie doch lieber abends geweckt und sie beschäftigt!

Damit sich die Katze an unseren Tagesrhythmus gewöhnt, müssen wir sanft auf ihren Einfluss nehmen. Das heißt, wenn wir wach sind und für unsere Katze Zeit haben, sollten wir auf sie zugehen und ihr gemeinsame Aktivitäten anbieten. Dabei sind die meisten Katzen erfahrungsgemäß abends besser drauf als morgens, so dass Tricktraining vielleicht eher etwas für unseren Feierabend ist. Am besten ist es selbstverständlich, wenn wir feste Zeiten für unsere Rituale mit der Katze einplanen, auf die sie sich verlassen kann. Katzen haben eine enorm ausgeprägte innere Uhr, so dass sie bald von allein ihre Aktivitäten mit uns einfordern wird – und dass dann nicht mehr nachts. Also: Dass sie Katze gerade schläft, ist keine Ausrede mehr, die Katzenangel heute nicht zu schwingen! 😉

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Mythos Nr. 32: Mir ist eine Katze zugelaufen

„Katzen suchen sich ihr Zuhause selbst aus.“ Wer kennt diesen Spruch nicht? Die Katze als autarkes, eigenständiges Wesen, selbstbestimmt und frei. Wir als Menschen müssen uns ihre Zuneigung verdienen und können uns geehrt fühlen, wenn eine Katze aus freien Stücken zu uns kommt. Ich glaube, durch diese Annahme machen sich viele Menschen gar keine weiteren Gedanken, wenn plötzlich eine fremde Katze zu ihnen kommt und Kontakt sucht. Wenn es ein katzenaffiner Haushalt ist, bekommt die Katze Aufmerksamkeit, darf vielleicht in der Wohnung schlafen und bekommt eventuell sogar ein Leckerli. Und kommt sie wieder, ritualisieren sich diese Begegnungen und irgendwann ist diese Katze dann fester Bestandteil des Haushalts: „Die Katze ist mir zugelaufen.“

Ja, wir haben in Deutschland ein großes Problem mit Straßenkatzen. Der Mehrheit der Bevölkerung fallen diese Tiere nicht auf, da sie oft von ehrenamtlichen Menschen grundversorgt und an feste Futterstellen gewöhnt werden. Diese Straßenkatzen sind jedoch in den allermeisten Fällen sehr scheu und werden sich kaum aktiv nach einer menschlichen Familie umsehen. Dass uns eine Streunerin zuläuft, ist also eher unwahrscheinlich. Und ja, leider werden Katzen auch ausgesetzt. Dass so ein auf Menschen sozialisiertes Tier plötzlich vor unserer Terrassentür steht und Kontakt möchte, ist schon wahrscheinlicher.

In vielen Fällen ist es jedoch so, dass eine Katze mit einem festen Zuhause einfach ihre Chance auf Aufmerksamkeit und Entertainment wahrnimmt, weil es zu Hause gerade etwas langweilig ist oder es Spannungen mit den Mitkatzen oder anderen Mitgliedern ihres Haushalts gibt. Oder sie ist eigentlich eine Wohnungskatze und durch die Tür oder ein offenes Fenster entwischt. So etwas kommt leider ziemlich oft vor, da immer noch viele Fenster und Balkone nicht ordentlich gesichert sind. Die Katzeneltern sind dann meist verzweifelt auf der Suche nach ihren Vierbeinern und zurecht sehr in Sorge.

In jedem Fall sollte ich erst einmal prüfen, ob mein kätzischer Besuch nicht doch ein liebevolles Zuhause hat, das auf ihn wartet. Eigentlich sollte jede Katze – vor allem mit Freigang, aber auch in der Wohnung – durch einen Chip gekennzeichnet sein. Dieser kann zum Beispiel beim Tierarzt mit einem Lesegerat ausgelesen werden. Ist die Katze zum Beispiel bei Tasso registriert, können darüber die Besitzer_innen kontaktiert werden. Ich schreibe hier bewusst „Besitzer_innen“. Denn Tiere gehören nach deutschem Recht ihren Besitzer_innen, so dass die Finder_innen verpflichtet sind, ihren Fund bei der Polizei oder der Tiersammelstelle (oft angegliedert an den örtlichen Tierschutzverein) zu melden. Sieht meine Fundkatze gepflegt aus, ist in der Regel davon auszugehen, dass sie ein festes Zuhause hat. Ihr ein bisschen Aufmerksamkeit zu schenken, sie zu streicheln und mit ihr zu spielen, ist aus meiner Sicht nicht weiter verwerflich. Ein absolutes „No-Go“ ist es jedoch, sie ohne Rücksprache mit ihren Menschen zu füttern. Es gibt viele Katzen mit chronischen Erkrankungen, die spezielles Futter benötigen. Auch haben viele Katzen Nahrungsunverträglichkeiten, die sich in starkem Juckreiz, Verdauungsproblemen oder sogar Asthma äußern können. Zutritt zur Wohnung würde ich Katzen ebenfalls nur nach Rücksprache mit ihren Menschen gewähren. Manchmal entstehen dadurch sogar tolle und bereichernde Kontakte in der Nachbarschaft. Mit meinen Nachbarn habe ich mehrfach wunderbare „Catsharing“-Vereinbarungen gehabt, von denen wir alle profitiert haben. Meine Katzen wurden mehr bespielt und bespaßt, als ich es leisten konnte, die Nachbarskinder konnten Tierkontakt haben und ich konnte mich darauf verlassen, dass noch eine Familie um das Wohlergehen meiner Lieblinge bemüht war. Von daher: So geehrt wir uns von dem Katzenbesuch auch fühlen, bitte immer schauen, ob die Katze nicht doch ein sorgendes Zuhause hat. Und das ist gar nicht mal so unwahrscheinlich.

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Mythos Nr. 31: Meine Katze hat keine Schmerzen.

Selbstverständlich haben wohl sehr viele Katzen tatsächlich keine Schmerzen und sind rund herum gesund. Aber ich möchte Dich dafür sensibilisieren, dass Katzen Meisterinnen darin sind, Unwohlsein und Schmerzen zu verstecken. Wenn sie ihrem Menschen zeigt, dass es ihr nicht gut geht, geht bei ihr bald gar nichts mehr. Daher ist es so wichtig, auf ihr Verhalten zu achten. Ändert sie es plötzlich, können immer gesundheitliche Probleme dahinterstecken. Die Verhaltensänderungen können ganz unterschiedlich aussehen. Manche miauen mehr, manche ziehen sich mehr zurück, schlafen mehr und wieder andere sind vielleicht besonders anhänglich und suchen Deine Nähe. Auch Ärger und Spannungen zwischen den Katzen kann eine Folge von Schmerzen sein. Bei Zahnschmerzen ändert sich oft das Fressverhalten. Ist der Bewegungsapparat betroffen, werden vielleicht andere Wege als früher gewählt oder hoch gelegene Rückzugsplätze nicht mehr genutzt. Wusstest Du, dass fast jede zweite Katze über fünf Jahren an der schmerzhaften Zahnerkrankung FORL leidet? Dabei löst sich die Zahnsubstanz von innen her auf. Von außen sind diese Stellen oft nicht zu sehen. In jedem Fall ist diese Erkrankung äußerst schmerzhaft. Und sogar neun von zehn Katzen über zwölf Jahren zeigen im Röntgenbild Anzeichen von Arthrose – nur ein Bruchteil von ihnen fallen vorher durch Lahmheit auf.

Woher kommt es, dass Katzen Schmerzen und Krankheiten so gut verstecken? Katzen sind zwar Raubtiere, sich aber gleichzeitig ihrer geringen Größe sehr bewusst (auch wenn wir das bei ihrem Gehabe manchmal nicht glauben können 😉 ). Sie haben draußen viele Feinde, die ihnen gefährlich werden können wie zum Beispiel Hunde, Füchse und auch den Menschen. Diese Feinde schlagen viel eher zu, wenn sie sehen, dass eine Katze aufgrund ihres Gesundheitszustands verwundbar ist. Daher bluffen Katzen, um sich selbst zu schützen. Sie haben eine enge Kooperation mit uns Menschen noch nicht so verinnerlicht wie z. B. Hunde, die uns sehr deutlich zeigen (können), wenn es ihnen nicht gut geht.

Wie können wir unseren Lieblingen helfen? Achtet gut auf sie und lasst sie bei geringsten Anzeichen von Unwohlsein gründlich tierärztlich durchchecken. Katzen zeigen bei Schmerzen oft ein sogenanntes Schmerzgesicht. Dabei sind die Augen weniger offen als normal, die Ohren hängen leicht nach außen und die Schnauze sieht angespannt und weniger rund aus. Zu der tierärztlichen Untersuchung gehört aus meiner Sicht neben der „Inaugenscheinnahme“ und dem Abhören auch eine Blutuntersuchung und bei einem entsprechenden Verdacht Röntgen verdächtiger Körperstellen oder sogar ein Dentalröntgen der Zähne.

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Mythos Nr. 30: Wenn meine Katze miaut, möchte sie Futter.

Hast Du auch so ein gesprächiges Katzenexemplar? Sie kommentiert alles, was Du tust. Sie setzt sich Dir in den Weg und schreit. Sie weckt Dich viel zu früh mit ihrer lieblichen Stimme. Die möchte doch bestimmt etwas zu fressen haben, denkst Du vielleicht. Wusstest Du, dass das Miauen meistens ein antrainiertes Verhalten ist und ganz viele Funktionen haben kann?

Hier kommen ein paar Fakten rund um „das Miau“:

  • Der Fachbegriff für diese Lautäußerungen der Katze heißt Vokalisieren.
  • Erwachsene Katzen miauen untereinander gar nicht. Sie kommunizieren auch über die Stimme miteinander, nutzen aber andere Äußerungen.
  • Wie die Katze mit uns redet, ist höchst individuell. Das heißt, es unterscheidet sich je nach einzelnem Katze-Mensch-Gespann. Daher ist es ohne den Kontext sehr schwierig zu wissen, was dieses und jenes Miau bedeutet.

Katzen sprechen mit uns, weil sie gelernt haben, dass sie dann eine Reaktion von uns bekommen. Die Intention muss anfänglich nicht immer gewesen sein, dass sie hungrig sind und gefüttert werden wollen. Sie können auch einfach unsere Aufmerksamkeit haben, eine Streicheleinheit genießen, mit uns spielen wollen oder sich einfach freuen, dass wir wieder nach Hause kommen. Wenn wir ihr dann aufgrund eines Missverständnisses jedes Mal Futter oder ein Leckerli geben, lernt sie, das Miau gezielt dafür einzusetzen. Andere Reaktionen hat sie ja von uns eh nicht zu erwarten.

Es wäre doch besser, gezielt zu schauen, welches Bedürfnis unsere Katze in dem Moment wirklich hat, und es ihr zu erfüllen. Nicht wenige Katzen sind übergewichtig, was wie bei uns Menschen negative gesundheitliche Folgen haben kann.

Wenn uns das ständige Vokalisieren unserer Katze nervt, sollten wir jedoch eine andere Taktik wählen. Dann sollten wir aufhören, auf jedes Miau zu reagieren, um ihr Verhalten nicht weiter zu belohnen. Voraussetzung ist allerdings, dass wir ihre Bedürfnisse nach Nähe, gemeinsamem Spiel, Aufmerksamkeit und auch Futter vorher schon erfüllt haben. Gerade das Spiel mit dem Menschen und allgemein die exklusive Qualitätszeit mit uns kommen oft zu kurz.

Du siehst, so einfach ist das mit dem Miau gar nicht. Gern unterstütze ich Dich dabei, Deine Katze besser zu verstehen.

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Mythos Nr. 29: Bei Kitten braucht es keine richtige Zusammenführung.

Es gibt zahlreiche unterschiedliche Methoden, zwei oder mehrere Katzen miteinander bekannt zu machen. Ich bin eine Verfechterin davon, alles so stressfrei und positiv ablaufen zu lassen, wie es nur möglich ist. Daher kommt es für mich nicht in Frage, den Neuzugang nach der Ankunft gleich in die „Höhle des Löwen“ zu setzen und die Katzen einfach machen zu lassen. Für mich ist das Risiko zu groß, dass es zu einem Kampf kommt und ich wochenlang brauche, um diese negative Erfahrung aufwendig durch Training auszubügeln. Auch wenn keine offensive Aggression im Spiel ist, kann es durch Überforderung dazu kommen, dass Katzen durch den reinen Anblick der Mitkatze total verängstigt sind und sich tagelang nicht aus ihrem Versteck trauen. Mehr dazu habe ich bereits in meinem Mythos Nr. 13: Bei Vergesellschaftungen müssen Katzen erst einmal allein ihren Rang klären. erklärt.

Bei noch sehr jungen Katzen stehen die Chancen mehr als gut, dass eine Vergesellschaftung unproblematisch verläuft. Von vielen wird sie daher als Selbstgänger gesehen und dass wir Menschen da nun wirklich nicht eingreifen müssen. Leider ist es jedoch so, dass auch Kitten nicht immer ein gutes Sozialverhalten lernen konnten, auf das sie dann bei einer Zusammenführung zurückgreifen können. Immer noch werden Katzen im viel zu jungen Alter von acht Wochen von ihren Eltern und ihren Geschwistern getrennt. Dabei ist die Phase bis zur zwölften Woche zur Ausprägung eines gesunden Sozialverhaltens immens wichtig! In dieser Zeit lernen Katzen spielerisch den Umgang miteinander und entwickeln ihre soziale Kompetenz. Selbstkontrolle und Frustrationstoleranz sind die Zauberworte, die sich fast nur in der Gesellschaft mit anderen Katzen aneignen lassen.

Wenn ich zwei gut sozialisierte Katzenkinder, die vorher drei Monate in ihrer Katzenfamilie leben durften, miteinander vergesellschaften möchte, ist das in der Regel tatsächlich unproblematisch. Nach einem kurzen Ankommen kann das behutsame Vorstellen beginnen und meist startet kurz darauf ein erstes Spiel miteinander.

Habe ich jedoch kleine Überraschungspakete, von denen ich nicht weiß, ob sie gut sozialisiert sind und lebt eines der Kitte vielleicht schon ein paar Wochen allein bei mir, bevor es Gesellschaft bekommen soll, würde ich die gleichen Methoden anwenden wie bei den Großen: Die erste Kontaktaufnahme sollte in jedem Fall durch ein Netz oder eine Gittertür erfolgen, damit ich sehen kann, wie sie aufeinander reagieren. Zeigt sich eine der Parteien überfordert, kann ich als Mensch wunderbar Einfluss darauf nehmen, dass sich eine positive Stimmung einstellt. Die sozial unsichere Katze kann sich spielerisch und positiv an die Mitkatze gewöhnen ohne schlechte Erfahrungen machen zu müssen. Vielleicht dauert die Vergesellschaftung dann zwar ein bisschen länger, aber sie ist definitiv stressfreier für die Katzen. Wir unterschätzen oft, dass alles Neue für Kitten furchtbar anstrengend ist. Nach manch kurzer Begegnung an der Gittertür fallen ihnen schon die Augen zu und sie müssen das Erlebte verarbeiten. Diese Ruhephasen sind unglaublich wichtig, daher ist es gut, die Katzen zwischendurch zu trennen.

Also, warum die Holzhammer-Methode wählen, wenn es auch schonender geht?