Zwei Siamkatzen liegen nebeneinander und schlafen - Katzenverhaltensberatung Berlin, Katzenpsychologin, Tiertraining, Probleme mit Katze, aggressiv, beißt, kratzt, macht neben Katzenklo, verstehen sich nicht mehr, kämpfen

Mythos Nr. 33: Katzen dürfen auf gar keinen Fall geweckt werden.

Als Kind wurde mir beigebracht, dass Tiere auch ihre Ruhe brauchen. Wenn sie schlafen, sollte ich auf keinen Fall hingehen und sie wecken. Auf Kinder bezogen würde ich diese Ansage auch weiterhin vertreten. Kinder sind meist impulsiv und möchten oft ganz viel mit den Katzen spielen. Die Grenzen der Katzen werden dabei manchmal übersehen, so dass es gut ist, dass Erwachsene diese Regel aufstellen, damit die Katze sich zurückziehen kann, wenn sie möchte.

Allerdings ist es in den meisten Haushalten mittlerweile so, dass Katzen sehr viel allein sind. Die Menschen sind arbeiten, gehen dann vielleicht ihren Hobbies nach und dann bleibt gar nicht mehr so viel aktive Zeit mit der Katze. Um sie in der wenigen gemeinsamen Zeit auszulasten, sollte da die meiste Action passieren, also Spiel, Training und weitere schöne Aktivitäten. Ja, manchmal möchte auch ich abends lieber gemütlich mit meiner Katze auf dem Sofa sitzen und nichts tun müssen. Da bin ich froh, wenn ich Leia hin und wieder kraulen kann und sie friedlich neben mir schläft. Aber spätestens am frühen Morgen habe ich dann den Salat: Katze ist ausgeschlafen und möchte jetzt unterhalten werden. Dass mein Wecker erst ein paar Stunden später klingelt, interessiert sie dann herzlich wenig. Hätte ich sie doch lieber abends geweckt und sie beschäftigt!

Damit sich die Katze an unseren Tagesrhythmus gewöhnt, müssen wir sanft auf ihren Einfluss nehmen. Das heißt, wenn wir wach sind und für unsere Katze Zeit haben, sollten wir auf sie zugehen und ihr gemeinsame Aktivitäten anbieten. Dabei sind die meisten Katzen erfahrungsgemäß abends besser drauf als morgens, so dass Tricktraining vielleicht eher etwas für unseren Feierabend ist. Am besten ist es selbstverständlich, wenn wir feste Zeiten für unsere Rituale mit der Katze einplanen, auf die sie sich verlassen kann. Katzen haben eine enorm ausgeprägte innere Uhr, so dass sie bald von allein ihre Aktivitäten mit uns einfordern wird – und dass dann nicht mehr nachts. Also: Dass sie Katze gerade schläft, ist keine Ausrede mehr, die Katzenangel heute nicht zu schwingen! 😉

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Mythos Nr. 32: Mir ist eine Katze zugelaufen

„Katzen suchen sich ihr Zuhause selbst aus.“ Wer kennt diesen Spruch nicht? Die Katze als autarkes, eigenständiges Wesen, selbstbestimmt und frei. Wir als Menschen müssen uns ihre Zuneigung verdienen und können uns geehrt fühlen, wenn eine Katze aus freien Stücken zu uns kommt. Ich glaube, durch diese Annahme machen sich viele Menschen gar keine weiteren Gedanken, wenn plötzlich eine fremde Katze zu ihnen kommt und Kontakt sucht. Wenn es ein katzenaffiner Haushalt ist, bekommt die Katze Aufmerksamkeit, darf vielleicht in der Wohnung schlafen und bekommt eventuell sogar ein Leckerli. Und kommt sie wieder, ritualisieren sich diese Begegnungen und irgendwann ist diese Katze dann fester Bestandteil des Haushalts: „Die Katze ist mir zugelaufen.“

Ja, wir haben in Deutschland ein großes Problem mit Straßenkatzen. Der Mehrheit der Bevölkerung fallen diese Tiere nicht auf, da sie oft von ehrenamtlichen Menschen grundversorgt und an feste Futterstellen gewöhnt werden. Diese Straßenkatzen sind jedoch in den allermeisten Fällen sehr scheu und werden sich kaum aktiv nach einer menschlichen Familie umsehen. Dass uns eine Streunerin zuläuft, ist also eher unwahrscheinlich. Und ja, leider werden Katzen auch ausgesetzt. Dass so ein auf Menschen sozialisiertes Tier plötzlich vor unserer Terrassentür steht und Kontakt möchte, ist schon wahrscheinlicher.

In vielen Fällen ist es jedoch so, dass eine Katze mit einem festen Zuhause einfach ihre Chance auf Aufmerksamkeit und Entertainment wahrnimmt, weil es zu Hause gerade etwas langweilig ist oder es Spannungen mit den Mitkatzen oder anderen Mitgliedern ihres Haushalts gibt. Oder sie ist eigentlich eine Wohnungskatze und durch die Tür oder ein offenes Fenster entwischt. So etwas kommt leider ziemlich oft vor, da immer noch viele Fenster und Balkone nicht ordentlich gesichert sind. Die Katzeneltern sind dann meist verzweifelt auf der Suche nach ihren Vierbeinern und zurecht sehr in Sorge.

In jedem Fall sollte ich erst einmal prüfen, ob mein kätzischer Besuch nicht doch ein liebevolles Zuhause hat, das auf ihn wartet. Eigentlich sollte jede Katze – vor allem mit Freigang, aber auch in der Wohnung – durch einen Chip gekennzeichnet sein. Dieser kann zum Beispiel beim Tierarzt mit einem Lesegerat ausgelesen werden. Ist die Katze zum Beispiel bei Tasso registriert, können darüber die Besitzer_innen kontaktiert werden. Ich schreibe hier bewusst „Besitzer_innen“. Denn Tiere gehören nach deutschem Recht ihren Besitzer_innen, so dass die Finder_innen verpflichtet sind, ihren Fund bei der Polizei oder der Tiersammelstelle (oft angegliedert an den örtlichen Tierschutzverein) zu melden. Sieht meine Fundkatze gepflegt aus, ist in der Regel davon auszugehen, dass sie ein festes Zuhause hat. Ihr ein bisschen Aufmerksamkeit zu schenken, sie zu streicheln und mit ihr zu spielen, ist aus meiner Sicht nicht weiter verwerflich. Ein absolutes „No-Go“ ist es jedoch, sie ohne Rücksprache mit ihren Menschen zu füttern. Es gibt viele Katzen mit chronischen Erkrankungen, die spezielles Futter benötigen. Auch haben viele Katzen Nahrungsunverträglichkeiten, die sich in starkem Juckreiz, Verdauungsproblemen oder sogar Asthma äußern können. Zutritt zur Wohnung würde ich Katzen ebenfalls nur nach Rücksprache mit ihren Menschen gewähren. Manchmal entstehen dadurch sogar tolle und bereichernde Kontakte in der Nachbarschaft. Mit meinen Nachbarn habe ich mehrfach wunderbare „Catsharing“-Vereinbarungen gehabt, von denen wir alle profitiert haben. Meine Katzen wurden mehr bespielt und bespaßt, als ich es leisten konnte, die Nachbarskinder konnten Tierkontakt haben und ich konnte mich darauf verlassen, dass noch eine Familie um das Wohlergehen meiner Lieblinge bemüht war. Von daher: So geehrt wir uns von dem Katzenbesuch auch fühlen, bitte immer schauen, ob die Katze nicht doch ein sorgendes Zuhause hat. Und das ist gar nicht mal so unwahrscheinlich.

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Mythos Nr. 31: Meine Katze hat keine Schmerzen.

Selbstverständlich haben wohl sehr viele Katzen tatsächlich keine Schmerzen und sind rund herum gesund. Aber ich möchte Dich dafür sensibilisieren, dass Katzen Meisterinnen darin sind, Unwohlsein und Schmerzen zu verstecken. Wenn sie ihrem Menschen zeigt, dass es ihr nicht gut geht, geht bei ihr bald gar nichts mehr. Daher ist es so wichtig, auf ihr Verhalten zu achten. Ändert sie es plötzlich, können immer gesundheitliche Probleme dahinterstecken. Die Verhaltensänderungen können ganz unterschiedlich aussehen. Manche miauen mehr, manche ziehen sich mehr zurück, schlafen mehr und wieder andere sind vielleicht besonders anhänglich und suchen Deine Nähe. Auch Ärger und Spannungen zwischen den Katzen kann eine Folge von Schmerzen sein. Bei Zahnschmerzen ändert sich oft das Fressverhalten. Ist der Bewegungsapparat betroffen, werden vielleicht andere Wege gewählt als früher gewählt oder hoch gelegene Rückzugsplätze nicht mehr genutzt. Wusstest Du, dass fast jede zweite Katze über fünf Jahren an der schmerzhaften Zahnerkrankung FORL leidet? Dabei löst sich die Zahlsubstand von innen her auf. Von außen sind diese Stellen oft nicht zu sehen. In jedem Fall ist diese Erkrankung äußerst schmerzhaft. Und sogar neun von zehn Katzen über zwölf Jahren zeigen im Röntgenbild Anzeichen von Arthrose – nur ein Bruchteil von ihnen fallen vorher durch Lahmheit auf.

Woher kommt es, dass Katzen Schmerzen und Krankheiten so gut verstecken? Katzen sind zwar Raubtiere, sich aber gleichzeitig ihrer geringen Größe sehr bewusst (auch wenn das bei ihrem Gehabe manchmal nicht glauben können 😉 ). Sie haben draußen viele Feinde, die ihnen gefährlich werden können, wie zum Beispiel Hunde, Füchse und auch den Menschen. Diese Feinde schlagen viel eher zu, wenn sie sehen, dass eine Katze aufgrund ihres Gesundheitszustands verwundbar ist. Daher bluffen Katzen, um sich selbst zu schützen. Sie haben eine enge Kooperation mit uns Menschen noch nicht so verinnerlicht wie z. B. Hunde, die uns sehr deutlich zeigen (können), wenn es ihnen nicht gut geht.

Wie können wir unseren Lieblingen helfen? Achtet gut auf sie und lasst sie bei geringsten Anzeichen von Unwohlsein gründlich tierärztlich durchchecken. Katzen zeigen bei Schmerzen oft ein sogenanntes Schmerzgesicht. Dabei sind die Augen weniger offen als normal, die Ohren hängen leicht nach außen und die Schnauze sieht leicht angespannt und weniger rund aus. Zu der tierärztlichen Untersuchung gehört aus meiner Sicht neben der „Inaugenscheinnahme“ und dem Abhören auch eine Blutuntersuchung und bei einem entsprechenden Verdacht Röntgen verdächtiger Körperstellen oder sogar ein Dentalröntgen der Zähne.

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Mythos Nr. 30: Wenn meine Katze miaut, möchte sie Futter.

Hast Du auch so ein gesprächiges Katzenexemplar? Sie kommentiert alles, was Du tust. Sie setzt sich Dir in den Weg und schreit. Sie weckt Dich viel zu früh mit ihrer lieblichen Stimme. Die möchte doch bestimmt etwas zu fressen haben, denkst Du vielleicht. Wusstest Du, dass das Miauen meistens ein antrainiertes Verhalten ist und ganz viele Funktionen haben kann?

Hier kommen ein paar Fakten rund um „das Miau“:

  • Der Fachbegriff für diese Lautäußerungen der Katze heißt Vokalisieren.
  • Erwachsene Katzen miauen untereinander gar nicht. Sie kommunizieren auch über die Stimme miteinander, nutzen aber andere Äußerungen.
  • Wie die Katze mit uns redet, ist höchst individuell. Das heißt, es unterscheidet sich je nach einzelnem Katze-Mensch-Gespann. Daher ist es ohne den Kontext sehr schwierig zu wissen, was dieses und jenes Miau bedeutet.

Katzen sprechen mit uns, weil sie gelernt haben, dass sie dann eine Reaktion von uns bekommen. Die Intention muss anfänglich nicht immer gewesen sein, dass sie hungrig sind und gefüttert werden wollen. Sie können auch einfach unsere Aufmerksamkeit haben, eine Streicheleinheit genießen, mit uns spielen wollen oder sich einfach freuen, dass wir wieder nach Hause kommen. Wenn wir ihr dann aufgrund eines Missverständnisses jedes Mal Futter oder ein Leckerli geben, lernt sie, das Miau gezielt dafür einzusetzen. Andere Reaktionen hat sie ja von uns eh nicht zu erwarten.

Es wäre doch besser, gezielt zu schauen, welches Bedürfnis unsere Katze in dem Moment wirklich hat, und es ihr zu erfüllen. Nicht wenige Katzen sind übergewichtig, was wie bei uns Menschen negative gesundheitliche Folgen haben kann.

Wenn uns das ständige Vokalisieren unserer Katze nervt, sollten wir jedoch eine andere Taktik wählen. Dann sollten wir aufhören, auf jedes Miau zu reagieren, um ihr Verhalten nicht weiter zu belohnen. Voraussetzung ist allerdings, dass wir ihre Bedürfnisse nach Nähe, gemeinsamem Spiel, Aufmerksamkeit und auch Futter vorher schon erfüllt haben. Gerade das Spiel mit dem Menschen und allgemein die exklusive Qualitätszeit mit uns kommen oft zu kurz.

Du siehst, so einfach ist das mit dem Miau gar nicht. Gern unterstütze ich Dich dabei, Deine Katze besser zu verstehen.

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Mythos Nr. 29: Bei Kitten braucht es keine richtige Zusammenführung.

Es gibt zahlreiche unterschiedliche Methoden, zwei oder mehrere Katzen miteinander bekannt zu machen. Ich bin eine Verfechterin davon, alles so stressfrei und positiv ablaufen zu lassen, wie es nur möglich ist. Daher kommt es für mich nicht in Frage, den Neuzugang nach der Ankunft gleich in die „Höhle des Löwen“ zu setzen und die Katzen einfach machen zu lassen. Für mich ist das Risiko zu groß, dass es zu einem Kampf kommt und ich wochenlang brauche, um diese negative Erfahrung aufwendig durch Training auszubügeln. Auch wenn keine offensive Aggression im Spiel ist, kann es durch Überforderung dazu kommen, dass Katzen durch den reinen Anblick der Mitkatze total verängstigt sind und sich tagelang nicht aus ihrem Versteck trauen. Mehr dazu habe ich bereits in meinem Mythos Nr. 13: Bei Vergesellschaftungen müssen Katzen erst einmal allein ihren Rang klären. erklärt.

Bei noch sehr jungen Katzen stehen die Chancen mehr als gut, dass eine Vergesellschaftung unproblematisch verläuft. Von vielen wird sie daher als Selbstgänger gesehen und dass wir Menschen da nun wirklich nicht eingreifen müssen. Leider ist es jedoch so, dass auch Kitten nicht immer ein gutes Sozialverhalten lernen konnten, auf das sie dann bei einer Zusammenführung zurückgreifen können. Immer noch werden Katzen im viel zu jungen Alter von acht Wochen von ihren Eltern und ihren Geschwistern getrennt. Dabei ist die Phase bis zur zwölften Woche zur Ausprägung eines gesunden Sozialverhaltens immens wichtig! In dieser Zeit lernen Katzen spielerisch den Umgang miteinander und entwickeln ihre soziale Kompetenz. Selbstkontrolle und Frustrationstoleranz sind die Zauberworte, die sich fast nur in der Gesellschaft mit anderen Katzen aneignen lassen.

Wenn ich zwei gut sozialisierte Katzenkinder, die vorher drei Monate in ihrer Katzenfamilie leben durften, miteinander vergesellschaften möchte, ist das in der Regel tatsächlich unproblematisch. Nach einem kurzen Ankommen kann das behutsame Vorstellen beginnen und meist startet kurz darauf ein erstes Spiel miteinander.

Habe ich jedoch kleine Überraschungspakete, von denen ich nicht weiß, ob sie gut sozialisiert sind und lebt eines der Kitte vielleicht schon ein paar Wochen allein bei mir, bevor es Gesellschaft bekommen soll, würde ich die gleichen Methoden anwenden wie bei den Großen: Die erste Kontaktaufnahme sollte in jedem Fall durch ein Netz oder eine Gittertür erfolgen, damit ich sehen kann, wie sie aufeinander reagieren. Zeigt sich eine der Parteien überfordert, kann ich als Mensch wunderbar Einfluss darauf nehmen, dass sich eine positive Stimmung einstellt. Die sozial unsichere Katze kann sich spielerisch und positiv an die Mitkatze gewöhnen ohne schlechte Erfahrungen machen zu müssen. Vielleicht dauert die Vergesellschaftung dann zwar ein bisschen länger, aber sie ist definitiv stressfreier für die Katzen. Wir unterschätzen oft, dass alles Neue für Kitten furchtbar anstrengend ist. Nach manch kurzer Begegnung an der Gittertür fallen ihnen schon die Augen zu und sie müssen das Erlebte verarbeiten. Diese Ruhephasen sind unglaublich wichtig, daher ist es gut, die Katzen zwischendurch zu trennen.

Also, warum die Holzhammer-Methode wählen, wenn es auch schonender geht?

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Mythos 28: Katzen kann man nicht mit in den Urlaub nehmen.

Mit Katzen verreisen, geht das? Die sind doch so stark an ihre Revier gebunden, ein Ortswechsel ist für sie nicht gut, ist die gängige Meinung der meisten Menschen, die ich kenne. Gut, einen Langstreckenflug mit Katze kann ich mir ehrlich gesagt auch nicht richtig vorstellen. Das liegt vermutlich mit daran, dass ich selbst nicht gern fliege und die Erholung mit dem Rückflug teilweise schon wieder vorbei ist. Die Sorge um meine Katze würde da nicht gerade helfen.

Aber ein Urlaub in einem Ferienhaus, das mit dem Auto in endlicher Zeit zu erreichen ist, da sieht die Sache schon anders aus. Bedingung ist selbstverständlich, dass Haustiere im Urlaubsdomizil überhaupt erlaubt sind. Auch die Katze muss ein paar Voraussetzungen mitbringen, damit der gemeinsame Urlaub ein schönes Erlebnis werden kann:

  • Ortswechsel sollten kein großes Problem für die Katze darstellen. Wenn sie sich zur Eingewöhnung eine kurze Zeit verkriecht, dann aber schnell hervorkommt, um die neue Umgebung zu inspizieren, ist das völlig in Ordnung. Bleibt sie tagelang im Versteck oder ist die ganze Zeit erkennbar gestresst, profitiert sie von dieser gemeinsamen Erfahrung eher weniger.
  • Die Transportbox sollte positiv konditioniert sein, so dass die Katze in ihr einen sicheren Rückzugsort hat. Für Katzen, die damit nur den unangenehmen Tierarztbesuch verbinden, wird die Fahrt in der Box zur Qual. Ggf. muss eine neue Transportbox besorgt werden und mit positivem Training kann sie der Katze unterwegs viel Sicherheit geben.
  • Auto oder Bahn fahren sollte für die Katze möglichst stressfrei sein. Erstaunlich viele Katzen tolerieren Autofahrten oder finden es sogar spannend während der Fahrt hinauszuschauen. Dass wir dann nicht in voller Lautstärke unsere Lieblingsmusik während der Fahrt hören, versteht sich hoffentlich von selbst. 😉

Bei unserer Reiseplanung vor Ort sollte die Katze in jedem Fall eine Rolle spielen. Wenn wir nur nachts zum Schlafen in das Zimmer zurückkehren, hat unsere Katze herzlich wenig davon, dass sie die Reisestrapazen auf sich nehmen musste. Rituale und genügend Zeit für Spiel, Spaß und Kuschelstunden müssen auch im Urlaub eingeplant werden. Es ist ja der große Vorteil für die Katze, dass sie darauf auch während unseres Urlaubs nicht verzichten muss, wie es zum Beispiel in der Katzenpension oder bei der Fremdbetreuung im eigenen Zuhause der Fall wäre. Gut sozialisierte und trainierte Katzen mögen uns bei einer Wanderung oder einem Ausflug vielleicht sogar begleiten. Dann haben alle etwas vom Tapetenwechsel.

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Mythos 27: Katzen gehören nicht an die Leine

Nach wie vor ist es ein ungewöhnlicher Anblick, wenn mir jemand mit einer Katze an der Leine auf der Straße entgegenkommt. Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, wann ich es in der Gegend, in der ich wohne, überhaupt einmal gesehen habe. Wir wohnen am Stadtrand mit vielen spannenden Gärten – aber auch einigen stark befahrenen Straßen. Die Freundin meiner Nachbarin hat einen halbstarken Kater und bringt ihn gern mal mit zu meiner Nachbarin, damit er dort an der Flexi-Leine unter Aufsicht im Garten herumstromern kann. Zu Hause hat sie keinen Garten und hat ihn mit Clicker-Training an das Tragen eines Geschirrs gewöhnt. Autofahren liebt er, wenn er mit dem Geschirr angeschnallt aus dem Fenster gucken darf. 1. Gartenausflug: Katerchen saß noch recht verschüchtert in den Gebüschen und beobachtete angestrengt die Umgebung. Hier flattert und raschelt aber viel! Anfassen durch mich fremde Person war ihm noch nicht geheuer, mit mir spielen ging aber schon. 2. Gartenausflug: Katerchen erkundet kreuz und quer den Garten, begrüßt mich, lässt sich streicheln und fängt am Ende des Tages eine Maus – und das alles an der Leine!

Welche Alternative zur Leine hätte es für den kleinen Kater gegeben? Er hätte allein zu Hause bleiben müssen, während sein Mensch sich draußen im Grünen trifft. Zahlreiche spannende Eindrücke wären ihm verwehrt geblieben. Vielleicht hätte er geschlafen und wenn die Freundin meiner Nachbarin zurück in die Wohnung gekommen wäre, hätte sie noch recht lang mit ihm spielen und clickern müssen, um den Jungspund auszulasten. Generell berichtet sie, dass er nach Tagen mit Ausflügen nach draußen wesentlich zufriedener wirkt und nachts durchschläft. Sie fährt gern mit ihm in den Wald, um dort fernab von den Wegen mit den vielen Menschen und Hunden mit ihm spazieren zu gehen.

Ich bin prinzipiell überzeugte Anhängerin des Katzenspaziergangs – auch an der Leine – wenn ein paar Sachen beachtet werden:

  • Die Katze muss den passenden Charakter mitbringen: Ein sehr ängstliches Tier profitiert in der Regel wenig davon, wenn ihm draußen fremde Menschen begegnen und kann leicht in Panik geraten. Vielleicht gibt es jedoch einen ruhigen Ort, an dem fürs Erste nicht so viel passiert und bei dem gut kontrolliert werden kann, dass keine ungebetenen Besucher_innen hereinplatzen, an dem die ängstliche Katze vorsichtig an die Umwelt draußen gewöhnt werden kann?
  • Das Geschirr und die Bewegung an der Leine müssen kleinschrittig geübt werden, damit die Katze diese Bewegungseinschränkung gut akzeptiert. Gut geeignet ist dafür das Clicker-Training.
  • Der Mensch sollte nicht erwarten, große Strecken mit der Katze an der Leine zurückzulegen. Bei dem Spaziergang geht es weniger um viel Bewegung, sondern mehr um die geistige Auslastung der Wohnungskatze. Ein Gebüsch ist sehr spannend und mensch sollte nicht ungeduldig werden, wenn die Katze hier alles genauestens erkunden muss.
  • Mögliche Gefahren für die Katze müssen frühzeitig erkannt und die Katze davor geschützt werden. Dazu gehören freilaufende Hunde, Wildtiere, Autos und andere Fahrzeuge.
  • Am besten steht der Katze immer ein sicherer Rückzugsort, wie die gut konditionierte Transporttasche, zur Verfügung.
  • Die Katze darf nicht durch zu lange Ausflüge überfordert werden. Die ganzen Reize können für einen Wohnungstiger schnell zu viel werden, hier ist gerade am Anfang weniger mehr.

Der Frühling ist doch die beste Jahreszeit, um mit solchen Spaziergängen zu starten! Allerdings solltet ihr dabei beachten, dass eure Katze auch bei nicht so gutem Wetter ihren Spaziergang einfordern wird. Überlegt euch eine Frequenz, die ihr zukünftig gut einhalten könnt. Viel Spaß beim Training!

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Mythos Nr. 26: Wenn ich mehrere Katzen habe, habe ich weniger Arbeit.

Wenn mehrere Katzen im Haushalt leben, können sie sich gut miteinander beschäftigen. Sie können miteinander spielen, sich putzen, zusammen Dinge entdecken und sind nie allein. Das entlastet uns Katzeneltern, wir haben weniger Arbeit und brauchen kein schlechtes Gewissen haben, wenn wir unsere Katzen allein lassen. Ich bin ganz ehrlich: Das habe ich vor 20 Jahren auch gedacht und dem Verhältnis meines Geschwisterpaares tat diese Einstellung überhaupt nicht gut.

Wenn Katzen sich mögen und viel miteinander anfangen können, ist das eine prima Sache. Gerade bei reiner Wohnungshaltung können sie dann stark von der Gesellschaft der anderen Katzen profitieren. Dann spielen sie vielleicht wirklich miteinander, vertreiben die Langeweile und fühlen sich nicht allein, wenn die Menschen außer Haus sind. Es kann jedoch auch sein, dass die Katzen sich lediglich tolerieren oder es einer von beiden reicht, die andere da zu wissen. Wenn die andere dann andere Bedürfnisse hat, wie zum Beispiel ein ausgelassenes Spiel mit Vollkörperkontakt, ist die zurückhaltendere Katze schnell überfordert und das Verhältnis leidet. Das ist gar nicht so selten. Auch andere Bedürfnisse, wie Qualitätszeit mit dem Menschen, möchten die Katzen erfüllt wissen. Kommt es hier zu einem Ungleichgewicht, kann der Frust und die Langeweile an der anderen Katze ausgelassen werden. Dann leidet das Verhältnis ebenfalls. Manchmal ist es auch so, dass sich die Katzen zuerst gut verstanden haben, das Verhältnis jedoch plötzlich kippt. Wie wir Menschen haben Katzen auch unterschiedliche Lebensphasen und die Kombination der Stubentiger ist dann vielleicht nicht mehr so optimal.

Welche Gründe auch immer dafür verantwortlich sind, dass die Harmonie der Katzen untereinander leidet, die „Therapie“ ist meist dieselbe: Der Mensch muss ran. Und dann möchte nicht nur eine Katze unsere Aufmerksamkeit, mit uns spielen, kuscheln oder einfach gemeinsam Zeit verbringen, sondern mehrere. Wie viel von allem nötig ist, um unsere Katzen ausgeglichen und zufrieden zu machen, ist höchst individuell. Nur eines ist sicher: Eine Garantie für weniger Arbeit ist die Mehrkatzenhaltung nicht.

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Mythos Nr. 25: Die Wassersprühflasche ist eine gute Erziehungsmethode für Katzen.

Die Wassersprühflasche gehört bis heute für viele Menschen zur „Grundausstattung“ des Katzenhaushalts. Stellt die Katze etwas an, das wir Menschen nicht möchten, kommt der Wasserstrahl zum Einsatz, damit sie sich erschreckt und das Verhalten nicht mehr zeigt. Mensch sollte sich dabei versteckt halten, damit die Katze den unangenehmen Reiz nicht mit uns in Verbindung bringt. Das bisschen Wasser, was ist schon dabei? Es wird ihr schon nicht schaden…. Ja, körperlich sicher nicht, aber der Bindung zu ihrem Menschen und ihrem Sicherheitsgefühl in den eigenen vier Wänden vielleicht schon.

Wir wissen, wir sollen Tiere (wie Kinder und Menschen generell) nicht schlagen. Aber Wasser, das ist doch in Ordnung? Streng genommen fällt die Strafe mit Wasser in dieselbe Kategorie wie die Strafe mit Schlägen. Jetzt wird es kurz theoretisch: In der Verhaltensbiologie wird zwischen Verstärkung (eine Belohnung) und Strafe unterschieden. Schauen wir uns die Strafe genauer an, hier gibt es die Unterscheidung zwischen positiver und negativer Strafe. Positiv meint in dem Fall, dass etwas hinzugefügt wird. Negativ bedeutet, dass etwas weggenommen wird. Eine negative Strafe wäre zum Beispiel, wenn ich ein tolles Spiel plötzlich beende, weil mir meine Katze im Eifer des Gefechts aus Versehen die Hand zerschrammt hat. Ich nehme der Katze das schöne Spiel weg. Eine positive Strafe ist ein als unschön empfundener Reiz, den ich auslöse, wenn mir Verhalten nicht gefällt. Wenn wir in dieser Spielsituation bleiben, wäre es der Fall, wenn ich nicht nur die Spielsituation beende, sondern meine Katze auch noch am Nacken packen und schütteln oder schlagen würde. Ich hoffe, wir sind uns alle einig, dass das keine adäquate Reaktion ist und wir das niemals tun sollten!

Die Wassersprühflasche funktioniert nach demselben Prinzip. Wir fügen einen unangenehmen, strafenden Reiz hinzu. Auch wenn wir unserer Katze nicht körperlich schaden, sind mit Strafen und auch Belohnungen immer Emotionen verbunden. Katzen empfinden Emotionen wie wir. Wenn ich ein schönes Spiel plötzlich beende, das Sie sehr gern weitergespielt hätten, wie würden Sie sich fühlen? Vermutlich frustriert und verärgert. So geht es auch unserer Katze. Kommt dann noch ein unangenehmer Reiz hinzu, würde die Katze neben Ärger auch Angst empfinden. Im „besten“ Fall würde sich das auf die Situation beziehen, im schlimmsten Fall auf den Auslöser dieses strafenden Reizes – den Menschen mit der Wassersprühflasche. Selbst wenn sich die negativen Emotionen „nur“ auf die Situation beziehen, haben wir dann vielleicht eine ängstliche Katze, die bestimmte Orte oder Emotionen meidet. Bei der Wohnungshaltung, in der ihr Platz sowieso schon sehr begrenzt ist, ist das aus meiner Sicht ein großer Nachteil. Es kann darüber hinaus auch sein, dass wir das Stresslevel unserer Katze durch diese negativen Emotionen anheben. Die Folge kann wiederum unerwünschtes Verhalten sein, um diesen Stress zu kompensieren. Stress kann unter anderem Auslöser für Markierverhalten sowie Aggressionen gegen Menschen und andere Katzen sein. Alles in allem wirkt die Wassersprühflasche dann gar nicht mehr so harmlos, nicht wahr?

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Mythos Nr. 24: Katzen sind optimale Haustiere für Kinder.

Ich bin mit Tieren aufgewachsen und es war toll! Meine Großeltern hatten Hund und Hühner und bei uns wohnten immer Katzen. Sie kamen nicht ins Haus, weil sie draußen Mäuse jagen sollten, und so habe ich viel Zeit mit ihnen in der Scheune und im Garten verbracht. Wenn ich mich allerdings zurückerinnere, weiß ich nicht genau, ob sie meine Spiele mit ihnen in meinen sehr jungen Jahren ebenso geschätzt haben wie ich… Passiert ist zum Glück nie etwas, was eher an den ausgeglichenen Charakteren der Katzen lag, als daran, dass meine Eltern Regeln für den Kontakt aufgestellt hätten.

Damit sind wir schon mittendrin im Thema: Ja, Haustiere sind für Kinder wunderbar. Katzen eignen sich prinzipiell gut, weil sie von der Aufmerksamkeit und der Beschäftigung mit dem Menschen profitieren können. Aber nicht jede Katze kann mit dem trubeligen Kinder-Alltag umgehen. Und es braucht klare Regeln von den Eltern, damit es nicht doch zu Zwischenfällen kommt und sich alle miteinander wohlfühlen.

Das fängt bei an, Katzenfutter und Katzenklo für die Kinder unerreichbar aufzustellen. Wichtig ist es auch, ausreichend erhöhte Ruhezonen für die Katzen einzurichten, die für die Kinder Tabu sind. Der Kontakt zwischen beiden sollte in jungen Kinderjahren nur unter Aufsicht erfolgen, da die Sicherheit für alle Beteiligten vorgeht. Oft wird angenommen, dass Katzen Familienmitgliedern nie etwas zu Leide tun würden. Dabei ist es gut möglich, dass zurückhaltende Katzen, von denen die Eltern vielleicht gar nicht bemerkt haben, dass sie unter permanentem Stress stehen, bei kleinsten Anlässen regelrecht explodieren können. Für ein Kleinkind kann das sehr gefährlich werden!

Es gibt super Möglichkeiten für gemeinsames Spiel und Beschäftigung, die jedoch in jungen Kinderjahren immer von den Eltern gesteuert werden sollten. Das kann sowohl für die Katze als auch für die Kinder ein großer Spaß sein. Sie können ungemein davon profitieren und mir selbst geht auch immer etwas das Herz auf, wenn ich Kinder nett und empathisch mit Katzen umgehen sehe. Ich bin eine große Freundin davon, Kinder mit Tieren aufwachsen zu lassen. So entstehen Respekt und Verständnis für andere Geschöpfe. Das ist eine wichtige Qualität in unserer Zeit, wie ich finde.