getigerte Katze sieht durch ein Fenster nach draußen auf Schneeflocken - katzenpsychologie, katzenpsychologin, katzenberatung, katzenverhaltensberatung, katzenpsychologin, berlin, aggressiv, unsauber, stubenrein, streit, kämpfen

Warum unsere Kultur bestimmt, wie wir mit Katzen umgehen

Vor meinem Katzenpsychologie-Studium habe ich unter anderem Europäische Ethnologie studiert. Das lässt sich grob in Volkskunde übersetzen und damit ist gemeint, dass wir uns mit der Geschichte und Gegenwart von Erscheinungen wie z. B. Ritualen der menschlichen Alltags- und Populärkultur beschäftigen. Und was hat das jetzt mit Katzen zu tun? Eine ganze Menge! Denn auch wie wir mit unseren Haustieren umgehen, ist durch unsere Kultur geprägt. Es ist nichts Vorgegebenes oder Natürliches, wie wir sie behandeln, sondern wir haben es durch unser Aufwachsen in unserer Kultur erlernt. Das bedeutet, dass wir es auch hinterfragen und ändern können.

Während meiner Kindheit auf dem platten Land hatten Katzen bei den meisten Menschen keinen großen Stellenwert, auch in meiner eigenen Familie nicht. Für sie wurde nur das Nötigste (und noch nicht mal das) ausgegeben und wenn sie verschwunden waren, gab es kostenlos Nachschub von einem Bauernhof, der froh war, den Nachwuchs der unkastrierten Kätzin loszuwerden. Das hat sich leider noch nicht überall im Sinne der Katzen geändert, aber immerhin hat eine Entwicklung stattgefunden, dass Haustieren wie Hunde und Katzen eine größere Wertigkeit gegeben wird.

Katzen im speziellen haben noch ein weiteres Erbe, das sie nicht so leicht loszuwerden scheinen. Wir schreiben ihnen zu, dass sie eigensinnig, nicht erziehbar und nicht zu beeinflussen seien. In unserer Kultur ist immer noch dieses ursprüngliche Zusammenleben verankert, bei dem die Katze draußen ihrer Wege geht und nur für das warme Plätzchen am Ofen oder für das Futter nach Hause kommt. Das entspricht bei vielen Haltungshaushalten bei weitem nicht mehr der Realität. Viele Katzen wohnen jetzt in Wohnungen in der Stadt ohne Zugang nach draußen, weil das viel zu gefährlich wäre. Sie sind daher viel enger an uns gebunden und viel abhängiger von uns. Aber durch dieses veraltete Bild, das wir immer noch haben, meinen wir, sie könnten auch in der Wohnung frei, selbstbestimmt und unabhängig leben. Das ist meiner Meinung nach ein großes, fest in unserem kulturellen Verständnis von Katzen verhaftetes Missverständnis.

Dadurch, dass wir der Katze in der Wohnung die Möglichkeit nehmen, selbständig zu jagen, Beziehungen oder Feindschaften zu anderen Katzen zu pflegen und das Revier, das sie erkunden kann, wesentlich kleiner ist, bleiben nur wir. Wir sind der Dreh- und Angelpunkt in ihrem Leben, Bezugsperson, Spielgefährte, Futterlieferant und Entertainer. Das ist keineswegs schlimm. Auch eine Katze ohne Freigang kann ein glückliches und zufriedenes Leben führen. Die enge Beziehung zwischen Mensch und Katze kann für beide Seiten sehr erfüllend sein. Aber: Unser kulturell geprägtes Bild der Katze, die so nebenherläuft, um die wir uns nicht kümmern müssen, passt nicht mehr! Dessen müssen wir uns bewusst werden.

Es ist daher Zeit für ein neues Bild der Katze in unserem kulturellen Bewusstsein! Ich weiß, dass viele meiner Klientinnen und Klienten dieses neue Bild bereits leben. Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, dass es sich durchsetzt und dass sich niemand mehr für eine Katze entscheidet, weil sie so schön pflegeleicht ist und eh ihr eigenes Ding macht. Denn das ist nur ein kulturell geprägter Mythos.

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Mythos Nr. 35: Freigang ist für Katzen das Beste!

Freigang sei für Katzen das Nonplusultra, absolut erstrebenswert und wer nur irgendwie die Möglichkeit hat, die Katzen hinauszulassen sollte es in jedem Fall machen – diese Stimmen kennen wir sicher alle. Und bei einigen, die ihren Katzen „nur“ ein Leben rein in der Wohnung ermöglichen können, sorgt diese Meinung für ein schlechtes Gewissen. Zu unrecht, finde ich!

Wusstest Du, dass statistisch gesehen Freigänger-Katzen eine geringere Lebenserwartung haben als Wohnungskatzen? Die Gefahren sind draußen nicht von der Hand zu weisen: Straßenverkehr, Hunde und Wildtiere und auch andere Menschen können unseren Lieblingen gefährlich werden. Und eine weitere Herausforderung ist die sich immer mehr ändernde Beziehung zwischen Mensch und Katze. Durch eine gute Sozialisation im Kitten-Alter und auch durch eine verantwortungsvolle Zucht werden Katzen immer aufgeschlossener und angstfreier im Umgang mit uns Menschen. Früher war es oft so, dass sich fremde Katzen draußen kaum anfassen ließen und lieber auf Abstand blieben. Zutraulich waren sie oft nur ihren eigenen Menschen gegenüber oder bestenfalls in den eigenen vier Wänden, wo sie sich sicher fühlten. Mittlerweile passiert es mir öfter, dass ich von fremden Katzen draußen regelrecht „überfallen“ werde: Beim Spaziergang springen mir unbekannte Katzen direkt vor die Füße, sind fast aufdringlich, flirten und maunzen was das Zeug hält und lassen sich überall kraulen. Ich würde nie auf die Idee kommen, dass diese gut genährten und gepflegt aussehenden Katzen eventuell Streuner sind, sondern bin mir sicher, dass sie ein Zuhause haben, dass für sie sorgt. Aber für viele Menschen ist es immer noch so ungewöhnlich, dass fremde Katzen mit ihnen Kontakt aufnehmen, dass sie sie einsammeln und bestenfalls nach ihrem Zuhause suchen. Schlimmstenfalls werden sie dann einfach behalten: „Mir ist eine Katze zugelaufen.“ Auch Kundinnen und Kunden berichten mir immer häufiger von diesen Problemen mit ungesicherten Freigang von super sozialisieren Katzen. Da stiegen die Katzen schon neugierig in das Nachbars- oder Postauto, in die Nachbarswohnung sowieso und ein junger Kater wurde von einer wohlmeinenden „Finderin“ in einen ganz anderen Stadtteil zu einer Freundin verschleppt, weil sie eben dachte, er bräuchte ein Zuhause. Zum Glück war er gechipt und bei Tasso registriert, so dass seine ursprüngliche Familie ihn bald wieder erleichtert in die Arme schließen konnte.

Das Wesen der Hauskatzen setzt sich im Prinzip aus zwei wesentlichen Eigenschaften zusammen: grenzenlose Neugier und eine gesunde Portion Vorsicht. Letzteres kann Katzen vor allzu großen Unglücken bewahren. Wenn wir ihr die Vorsicht jedoch nehmen, bringt sie sich durch ihre Neugier und ihren Erkundungsdrang in Situationen, die böse enden können. Versteht mich bitte nicht falsch, ich begrüße diese neue Aufgeschlossenheit der Katzen sehr! Aber für mich stelle ich immer mehr in Frage, ob der ungesicherte Freigang für Katzen wirklich das Beste ist. Ein weiterer Gedankenanstoß ist auch, dass die Katze kulturell bedingt das einzige Haustier ist, das wir ohne Einfluss des Menschen herumstromern lassen. Bei allen anderen Haustieren wird das nicht toleriert. Mein persönliches Nonplusultra für das Zusammenleben mit Katzen ist übrigens der kontrollierte Freigang. Für die Zukunft plane ich den Garten katzensicher einzuzäunen und meine nächsten Katzen werde ich öfter bei Besuchen und im Urlaub mitnehmen. Ich wollte schon immer einen Hund haben, weil ich dachte, ich könnte mehr mit ihm machen als mit Katzen. Ein völliger Irrglaube, denn durch meine Arbeit als Katzenpsychologin weiß ich mittlerweile, dass viele Katzen ebenfalls großen Spaß an gemeinsamen Unternehmungen außerhalb der eigenen vier Wände haben. 😊

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Mythos 27: Katzen gehören nicht an die Leine

Nach wie vor ist es ein ungewöhnlicher Anblick, wenn mir jemand mit einer Katze an der Leine auf der Straße entgegenkommt. Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, wann ich es in der Gegend, in der ich wohne, überhaupt einmal gesehen habe. Wir wohnen am Stadtrand mit vielen spannenden Gärten – aber auch einigen stark befahrenen Straßen. Die Freundin meiner Nachbarin hat einen halbstarken Kater und bringt ihn gern mal mit zu meiner Nachbarin, damit er dort an der Flexi-Leine unter Aufsicht im Garten herumstromern kann. Zu Hause hat sie keinen Garten und hat ihn mit Clicker-Training an das Tragen eines Geschirrs gewöhnt. Autofahren liebt er, wenn er mit dem Geschirr angeschnallt aus dem Fenster gucken darf. 1. Gartenausflug: Katerchen saß noch recht verschüchtert in den Gebüschen und beobachtete angestrengt die Umgebung. Hier flattert und raschelt aber viel! Anfassen durch mich fremde Person war ihm noch nicht geheuer, mit mir spielen ging aber schon. 2. Gartenausflug: Katerchen erkundet kreuz und quer den Garten, begrüßt mich, lässt sich streicheln und fängt am Ende des Tages eine Maus – und das alles an der Leine!

Welche Alternative zur Leine hätte es für den kleinen Kater gegeben? Er hätte allein zu Hause bleiben müssen, während sein Mensch sich draußen im Grünen trifft. Zahlreiche spannende Eindrücke wären ihm verwehrt geblieben. Vielleicht hätte er geschlafen und wenn die Freundin meiner Nachbarin zurück in die Wohnung gekommen wäre, hätte sie noch recht lang mit ihm spielen und clickern müssen, um den Jungspund auszulasten. Generell berichtet sie, dass er nach Tagen mit Ausflügen nach draußen wesentlich zufriedener wirkt und nachts durchschläft. Sie fährt gern mit ihm in den Wald, um dort fernab von den Wegen mit den vielen Menschen und Hunden mit ihm spazieren zu gehen.

Ich bin prinzipiell überzeugte Anhängerin des Katzenspaziergangs – auch an der Leine – wenn ein paar Sachen beachtet werden:

  • Die Katze muss den passenden Charakter mitbringen: Ein sehr ängstliches Tier profitiert in der Regel wenig davon, wenn ihm draußen fremde Menschen begegnen und kann leicht in Panik geraten. Vielleicht gibt es jedoch einen ruhigen Ort, an dem fürs Erste nicht so viel passiert und bei dem gut kontrolliert werden kann, dass keine ungebetenen Besucher_innen hereinplatzen, an dem die ängstliche Katze vorsichtig an die Umwelt draußen gewöhnt werden kann?
  • Das Geschirr und die Bewegung an der Leine müssen kleinschrittig geübt werden, damit die Katze diese Bewegungseinschränkung gut akzeptiert. Gut geeignet ist dafür das Clicker-Training.
  • Der Mensch sollte nicht erwarten, große Strecken mit der Katze an der Leine zurückzulegen. Bei dem Spaziergang geht es weniger um viel Bewegung, sondern mehr um die geistige Auslastung der Wohnungskatze. Ein Gebüsch ist sehr spannend und mensch sollte nicht ungeduldig werden, wenn die Katze hier alles genauestens erkunden muss.
  • Mögliche Gefahren für die Katze müssen frühzeitig erkannt und die Katze davor geschützt werden. Dazu gehören freilaufende Hunde, Wildtiere, Autos und andere Fahrzeuge.
  • Am besten steht der Katze immer ein sicherer Rückzugsort, wie die gut konditionierte Transporttasche, zur Verfügung.
  • Die Katze darf nicht durch zu lange Ausflüge überfordert werden. Die ganzen Reize können für einen Wohnungstiger schnell zu viel werden, hier ist gerade am Anfang weniger mehr.

Der Frühling ist doch die beste Jahreszeit, um mit solchen Spaziergängen zu starten! Allerdings solltet ihr dabei beachten, dass eure Katze auch bei nicht so gutem Wetter ihren Spaziergang einfordern wird. Überlegt euch eine Frequenz, die ihr zukünftig gut einhalten könnt. Viel Spaß beim Training!

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Mythos Nr. 20: Katzen kennen keine psychischen Erkrankungen.

Psychische Erkrankungen werden meist nur uns Menschen zugesprochen. Wir kennen Angststörungen, Depressionen, Schizophrenie und viele weitere. Doch selbst in unserer menschlichen Gesellschaft ist der Umgang damit eher schwierig. Manchen Menschen fehlt die Akzeptanz für diese Krankheiten, weil sie von außen schlecht sichtbar sind. Ein gebrochenes Bein oder eine Grippe werden eher verstanden. Den Satz „Jetzt reiß Dich zusammen!“ kennen wohl viele psychisch erkrankte Menschen aus ihrem Umfeld. Und jetzt komme ich mit der Behauptung, dass auch Katzen zum Beispiel depressiv sein können? Das mag auf den ersten Blick sehr erstaunen.

Bleiben wir beim Thema Depressionen bei Katzen. Worin kann sich das äußern? Ein klassisches Symptom ist, dass das Erkundungsverhalten der Katze stark beeinträchtigt ist. Katzen sind von Natur aus sehr neugierige Tiere und alles Neue muss erst einmal ausgiebig untersucht werden. Das kann der Supermarkt-Einkauf sein, das neue Spielzeug oder auch unser Rucksack, wenn wir nach Hause kommen. Depressive Katzen interessiert das oft nicht wirklich, sie bleiben zurückgezogen und lassen sich kaum animieren. Die geöffnete Balkon-Tür ist uninteressant, der Besuch wird kaum zur Kenntnis genommen. Den Katzeneltern fallen diese Tiere meist gar nicht weiter negativ auf, weil sie kaum fordern, wenig präsent sind und daher einfach nicht stören. Die Katze wirkt auf das ungeübte Auge ruhig und zufrieden und so kann sich dieser traurige Zustand über viele Jahre hinziehen.

Wie entstehen Depressionen? Teilweise ist es sicher eine Charakterfrage, ob eine Katze zu Depressionen neigt. Die reaktiven Tiere, die eher fordernd sind oder dadurch auffallen, dass sie Blödsinn anstellen, wenn sie unzufrieden sind, sind meist psychisch gesünder. Sie fressen Stress nicht in sich hinein, sondern zeigen ihren Unmut deutlich. Die anderen, die Stillen und Introvertierten, ziehen sich eher zurück. Stress kann beispielsweise durch Unterforderung und Langeweile entstehen, durch andere Katzen, die sich ein stilles Opfer in der Gruppe gesucht haben, und auch durch Erkrankungen. Manchmal folgt dann die sogenannte „erlernte Hilflosigkeit“: Die Katzen haben gelernt, dass sie schwierige Situationen durch ihr Verhalten nicht positiv beeinflussen können. Egal was sie machen, sie erleben keine positive Veränderung und haben aufgegeben es zu versuchen. Sie haben sich ihrem Schicksal ergeben.

Wie können wir Depressionen verhindern? Zuerst: Voraussetzung ist eine körperlich gesunde Katze, die keine Schmerzen oder andere Einschränkungen hat, die ihr auf das Gemüt schlagen können. Zum Beispiel kann auch eine Schilddrüsenunterfunktion zu sehr gedämpfter Stimmung führen. Ihre Umgebung sollte ihren Bedürfnissen entsprechen, viel Anregung und Beschäftigung bieten. Wir Menschen sollten ausreichend Zeit für unsere Katzen aufbringen, und sie körperlich sowie geistig auslasten. Auch bei Katzen werden durch Bewegung Endorphine ausgeschüttet. Und die Interaktion mit ihren Menschen lässt sie soziale Unterstützung erfahren, die sich ebenfalls als förderlich auf ihre psychische Gesundheit auswirkt.

Eine Kernkompetenz, die wir Katzen vermitteln können, ist die Selbstwirksamkeit. Sie ist quasi das Gegenteil der erlernten Hilflosigkeit. Das bedeutet, dass die Katze die Erfahrung macht, dass sie mit ihrem Verhalten positiv Einfluss auf Situationen und ihr Leben generell nehmen kann. Eine Möglichkeit ist, dass wir mit unserer Katze Signale vereinbaren, die sie uns geben kann, wenn sie ein Bedürfnis hat und wir die einzigen sind, die es ihr in dem Moment erfüllen können. Das kann zum Beispiel eine spezielle Stelle in der Wohnung sein, die sie aufsucht, wenn sie mit uns spielen möchte. Auch Klicker-Training eignet sich gut, damit die Katze Selbstwirksamkeit erfahren kann: Sie wird für ihr Verhalten gelobt und entsprechend belohnt.

Futter spielt ebenfalls eine Rolle bei der psychischen Gesundheit. Im humanmedizinischen Bereich setzen sich Erkenntnisse durch, dass die Zusammensetzung unserer Darmbakterien einen direkten Einfluss darauf hat, wie es uns psychisch geht. Unsere Ernährung bestimmt direkt, welche Bakterien sich ansiedeln und was sie in uns auslösen. Bei der Katze ist es genauso. Sie ist von Natur aus eine Fleischfresserin, daher wirkt sich Futter mit einem Anteil von mindestens 70% tierischen Inhaltsstoffen positiv auf das Mikrobiom in ihrem Darm aus und macht sie widerstandsfähiger gegen psychische Erkrankungen.

Als Katzeneltern haben wir die Verantwortung dafür, dass es unseren Katzen auch psychisch gut geht. Wir sollten uns nicht darauf ausruhen, dass unsere Katze brav und unauffällig ist, sondern genau hinschauen, wie es ihr wirklich geht. Meldet euch gern, wenn ihr dazu Fragen habt. Ich bin mit Tipps und Rat für euch da.

Chat-Fenster einer Katze: "Hallo, du bist schon seit Stunden weg. Aber glaub nicht, dass mir ohne dich langweilig wäre." Beschäftigung, Spiel, Katzenberatung, Katzentraining, Katzenpsychologie, Katze macht Sachen kaputt, Katze kratzt an Tapete Möbeln

Mythos Nr. 14: Katzen können sich gut allein beschäftigen.

Ich habe bei Facebook einmal diesen lustigen Chat-Verlauf einer Katze gesehen und der zeigt wunderbar, wie sich Menschen so den Tag ihrer Katze vorstellen: Müßiggang, aus dem Fenster schauen, Blödsinn anstellen, schlafen. Weitere Auslastung braucht es nicht und wenn mensch abends nach Hause kommt, wird Miez gern auf das Sofa eingeladen, um zu kuscheln.

Kreative Katzen können sich tatsächlich ganz gut allein beschäftigen – mit der Tapete, dem Klopapier, dem Mülleimer und unserer Deko. Sie finden schon etwas, das sich bespielen lässt. Zur Not wird die Mitkatze – sofern vorhanden – so lang geärgert, wie es lustig ist. Dabei ist auch egal, ob die Mitkatze das ebenfalls als spaßig empfindet. Ihr seht schon, worauf ich hinauswill: Lenken wir den Aktivitätsdrang von Katzen nicht in Bahnen, die uns angenehm sind, wird schnell unerwünschtes Verhalten daraus.

Viele Verhaltensauffälligkeiten und auch Spannungen im Mehrkatzenhaushalt lassen sich auf eine unzureichende Auslastung unserer Vierbeiner zurückführen. In der Wohnung geben wir den Raum vor, in dem die Katze ihr Leben leben muss. Wir gestalten, wie anregend ihr Lebensraum ist. Wir kaufen ihr Spielzeug. Wir entscheiden, mit welcher Katze sie zusammenleben muss. Treffen sich die Bedürfnisse unserer Katze mit unseren Vorgaben, ist alles gut. Gehen die Vorstellungen auseinander, muss nachjustiert werden. Oft handelt der Mensch restriktiv, straft die Katze für unerwünschtes Verhalten, sperrt sie ein bzw. aus und versteht nicht, warum sie nicht einfach ruhig und zufrieden ist. Dabei lebt die Katze nur ihre Bedürfnisse als Raubtier aus, das dazu „entworfen“ wurde, viel zu jagen und mehrmals am Tag Beute zu machen. Wenn wir nicht eine kleine Mäuse- oder Schmetterlingszucht zu Hause zur Verfügung stellen wollen (das ist selbstverständlich nicht meine Empfehlung!), müssen wir ran: interaktive Jagdspiele, Fummelbretter zur Fütterung, Trick-Training, katzengerechte und anregende Gestaltung unserer Wohnung, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wie wir unsere Katzen beschäftigen, hängt von ihren und selbstverständlich auch unseren Vorlieben ab.

Eltern von Katzen mit Freigang haben es da (etwas) einfacher. Die Katze kann sich draußen auspowern. Die Betonung liegt auf dem Wörtchen „kann“. Denn nicht immer eignet sich das Umfeld draußen dazu und viele Katzen setzen z. B. im Winter keinen Fuß vor die Tür. Außerdem stärkt die interaktive Beschäftigung mit der Katze die Bindung zu ihr – das ist ein wunderbarer Nebeneffekt, den wir gut für uns nutzen können.

In diesem Sinne: Katzenangel schnappen und los geht’s!

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Mythos Nr. 12: Katzen haben keine enge Bindung zum Menschen.

Ich kenne noch die Behauptung, dass Katzen sich eher an ihre Umgebung als an ihre Menschen binden würden. Teilweise wurden sie bei Umzügen in der alten Wohnung gelassen, weil das für sie einfacher wäre. Selbstverständlich sind Katzen sehr revierbezogen, aber genauso gut sie kennen Trennungsschmerz, wenn ihr Mensch nicht da ist.

Es kommt immer darauf an, unter welchen Bedingungen die Katze lebt. In ländlichen Gegenden, in denen die Katze sehr unabhängig ist, teilweise nicht ins Haus darf und ihr Leben als Schädlingsbekämpfer selbstbestimmt gestalten kann, pflegt sie meist ein eher lockeres Verhältnis zu Menschen. Wir sind in dem Fall oft nur die Dosenöffner. In Städten wiederum leben Katzen meist in einer sehr engen und abhängigen Beziehung und sehen Menschen häufig als Sozialpartner. Bei der zunehmenden Zahl von Single-Haushalten in Städten unterstützen wir das sehr: Die Katze wird häufig als Partner- oder Kindersatz gesehen. Außerdem beschränkt sich der Lebensraum einer Katze in Städten meistens auf eine Wohnung ohne Freigang. Das verstärkt die Abhängigkeit noch, da der Mensch die einzige Abwechslung in einem sonst eher eintönigen Katzenalltag ist.

Auch Vererbung, Einflüsse und Erfahrungen während des Aufwachsens spielen eine Rolle, wie eng sich eine Katze an Menschen binden möchte. Es gibt Katzen, die Menschen meiden, und andere, die enorm anhänglich sind. Gerade letztere können auch unter Trennungsangst leiden und dadurch Verhaltensauffälligkeiten zeigen: Unsauberkeit, Markieren, anhaltendes Miauen bis zu übertriebenem Putzverhalten, so dass kahle Stellen im Fell entstehen.

Es bleibt, wie es ist: Katzen sind Individualisten, keine ist wie die andere. Und genauso unterschiedlich sind auch ihre Beziehungen zu Menschen. Ihre Anhänglichkeit und Abhängigkeit von uns sollten wir jedoch nicht unterschätzen und uns öfter hinterfragen, ob wir genügend Zeit mit unserer Katze verbringen.

Mythos Nr. 9: „Katzen können gut allein bleiben.“

Ein Grund, warum sich viele Menschen für eine Katze entscheiden, ist, dass sie sehr unabhängig und eigenständig sei. Im Gegensatz zu Hunden könne sie problemlos den ganzen Tag allein zu Hause verbringen, während ihr Mensch zur Arbeit geht. Wenn der Mensch wieder nach Hause kommt, darf eine Kuschelstunde gerne sein, das würde dann genügen – vor allem, wenn mehrere Katzen im Haushalt sind, die haben den Tag über schließlich die Gegenwart der Artgenossen und seien damit völlig zufrieden.

Hier müssen wir differenzieren. Katzen kennen Trennungsschmerz sehr wohl! Wir Menschen möchten in der Regel eine Bindung zu unserer Katze, das ist die Grundlage dafür, dass sie uns an der Tür begrüßen, mit uns kuscheln und gerne mit uns Zeit verbringen. Die Kehrseite dieser Medaille ist jedoch, dass etwas fehlt, wenn wir länger nicht da sind. Die meisten Katzen passen sich unserem Tagesrhythmus an, sie schlafen tagsüber und werden wach, wenn wir nach Hause kommen. Dann darf die Party steigen – gerne auch die ganze Nacht lang.

Eine Zweitkatze kann die zwar für eine Bereicherung des Lebensraums sorgen – sofern sich beide Katzen gut verstehen und nicht nur tolerieren. Aber den Kontakt zum Beziehungspartner Mensch kann sie nicht ersetzen. Im Gegenteil, Qualitätszeit möchte jede Katze trotzdem haben und oft auch exklusiv mit Mensch allein.

Ausreichend Beschäftigung lässt die Abwesenheit des Menschen zum Glück nur halb so lang erscheinen. Hier lassen sich einige Stellschrauben drehen, wie eine gut strukturierte und katzengerechte Wohnung, die Art der Fütterung oder auch der Zugang nach draußen.

Ist der Stress während der Abwesenheit des Menschen zu groß, kann auch ein Katzensitter engagiert werden, um tagsüber für Ansprache und Beschäftigung zu sorgen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, Entspannungssignale zu konditionieren, z. B. ein bestimmter Duft, eine spezielle Decke oder ausgewählte Musik.

Neugierig geworden? Dann sprecht mich gerne an!