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Mythos Nr. 20: Katzen kennen keine psychischen Erkrankungen.

Psychische Erkrankungen werden meist nur uns Menschen zugesprochen. Wir kennen Angststörungen, Depressionen, Schizophrenie und viele weitere. Doch selbst in unserer menschlichen Gesellschaft ist der Umgang damit eher schwierig. Manchen Menschen fehlt die Akzeptanz für diese Krankheiten, weil sie von außen schlecht sichtbar sind. Ein gebrochenes Bein oder eine Grippe werden eher verstanden. Den Satz „Jetzt reiß Dich zusammen!“ kennen wohl viele psychisch erkrankte Menschen aus ihrem Umfeld. Und jetzt komme ich mit der Behauptung, dass auch Katzen zum Beispiel depressiv sein können? Das mag auf den ersten Blick sehr erstaunen.

Bleiben wir beim Thema Depressionen bei Katzen. Worin kann sich das äußern? Ein klassisches Symptom ist, dass das Erkundungsverhalten der Katze stark beeinträchtigt ist. Katzen sind von Natur aus sehr neugierige Tiere und alles Neue muss erst einmal ausgiebig untersucht werden. Das kann der Supermarkt-Einkauf sein, das neue Spielzeug oder auch unser Rucksack, wenn wir nach Hause kommen. Depressive Katzen interessiert das oft nicht wirklich, sie bleiben zurückgezogen und lassen sich kaum animieren. Die geöffnete Balkon-Tür ist uninteressant, der Besuch wird kaum zur Kenntnis genommen. Den Katzeneltern fallen diese Tiere meist gar nicht weiter negativ auf, weil sie kaum fordern, wenig präsent sind und daher einfach nicht stören. Die Katze wirkt auf das ungeübte Auge ruhig und zufrieden und so kann sich dieser traurige Zustand über viele Jahre hinziehen.

Wie entstehen Depressionen? Teilweise ist es sicher eine Charakterfrage, ob eine Katze zu Depressionen neigt. Die reaktiven Tiere, die eher fordernd sind oder dadurch auffallen, dass sie Blödsinn anstellen, wenn sie unzufrieden sind, sind meist psychisch gesünder. Sie fressen Stress nicht in sich hinein, sondern zeigen ihren Unmut deutlich. Die anderen, die Stillen und Introvertierten, ziehen sich eher zurück. Stress kann beispielsweise durch Unterforderung und Langeweile entstehen, durch andere Katzen, die sich ein stilles Opfer in der Gruppe gesucht haben, und auch durch Erkrankungen. Manchmal folgt dann die sogenannte „erlernte Hilflosigkeit“: Die Katzen haben gelernt, dass sie schwierige Situationen durch ihr Verhalten nicht positiv beeinflussen können. Egal was sie machen, sie erleben keine positive Veränderung und haben aufgegeben es zu versuchen. Sie haben sich ihrem Schicksal ergeben.

Wie können wir Depressionen verhindern? Zuerst: Voraussetzung ist eine körperlich gesunde Katze, die keine Schmerzen oder andere Einschränkungen hat, die ihr auf das Gemüt schlagen können. Zum Beispiel kann auch eine Schilddrüsenunterfunktion zu sehr gedämpfter Stimmung führen. Ihre Umgebung sollte ihren Bedürfnissen entsprechen, viel Anregung und Beschäftigung bieten. Wir Menschen sollten ausreichend Zeit für unsere Katzen aufbringen, und sie körperlich sowie geistig auslasten. Auch bei Katzen werden durch Bewegung Endorphine ausgeschüttet. Und die Interaktion mit ihren Menschen lässt sie soziale Unterstützung erfahren, die sich ebenfalls als förderlich auf ihre psychische Gesundheit auswirkt.

Eine Kernkompetenz, die wir Katzen vermitteln können, ist die Selbstwirksamkeit. Sie ist quasi das Gegenteil der erlernten Hilflosigkeit. Das bedeutet, dass die Katze die Erfahrung macht, dass sie mit ihrem Verhalten positiv Einfluss auf Situationen und ihr Leben generell nehmen kann. Eine Möglichkeit ist, dass wir mit unserer Katze Signale vereinbaren, die sie uns geben kann, wenn sie ein Bedürfnis hat und wir die einzigen sind, die es ihr in dem Moment erfüllen können. Das kann zum Beispiel eine spezielle Stelle in der Wohnung sein, die sie aufsucht, wenn sie mit uns spielen möchte. Auch Klicker-Training eignet sich gut, damit die Katze Selbstwirksamkeit erfahren kann: Sie wird für ihr Verhalten gelobt und entsprechend belohnt.

Futter spielt ebenfalls eine Rolle bei der psychischen Gesundheit. Im humanmedizinischen Bereich setzen sich Erkenntnisse durch, dass die Zusammensetzung unserer Darmbakterien einen direkten Einfluss darauf hat, wie es uns psychisch geht. Unsere Ernährung bestimmt direkt, welche Bakterien sich ansiedeln und was sie in uns auslösen. Bei der Katze ist es genauso. Sie ist von Natur aus eine Fleischfresserin, daher wirkt sich Futter mit einem Anteil von mindestens 70% tierischen Inhaltsstoffen positiv auf das Mikrobiom in ihrem Darm aus und macht sie widerstandsfähiger gegen psychische Erkrankungen.

Als Katzeneltern haben wir die Verantwortung dafür, dass es unseren Katzen auch psychisch gut geht. Wir sollten uns nicht darauf ausruhen, dass unsere Katze brav und unauffällig ist, sondern genau hinschauen, wie es ihr wirklich geht. Meldet euch gern, wenn ihr dazu Fragen habt. Ich bin mit Tipps und Rat für euch da.

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Mythos Nr. 18: Meine Katze ist gesund, ich war mit ihr bei der Tierärztin.

Eine der ersten Fragen, die ich den Katzeneltern im Rahmen einer Beratung stelle, dreht sich um die Gesundheit ihrer felligen Mitbewohner_innen. Ihr ist erst einmal nichts anzumerken. Und einmal im Jahr wird die Katze der Tierärztin im Rahmen der Impfung vorgestellt, da war auch nie etwas zu finden. Die Katze sei also gesund, heißt es. Ja, das kann durchaus sein. Aber: Welche Untersuchungen wurden überhaupt gemacht? Wenn nichts anderes verlangt wird, wird die Katze in der Regel abgehört, abgetastet, das Fell angesehen und in Mund, Augen und Ohren geschaut. Sicher können da bereits manche Krankheiten erkannt werden. Die Tierärztin ist außerdem darauf angewiesen, dass die Katzeneltern ihr von eventuellen Auffälligkeiten zu Hause erzählt, die beim kurzen Besuch in der Praxis gar nicht auffallen. Vergessen wir dabei manchmal etwas? Oder fallen uns manche Sachen vielleicht gar nicht mehr auf, weil sie sich über die Zeit so eingeschlichen haben?

Die Katze schafft es, einen großen Teil der Krankheiten sehr lang zu verbergen. Das ist in freier Natur ihr Schutz vor Fressfeinden, die in einer kranken Katze sofort ein einfaches Opfer sehen. In menschlicher Obhut ist das wiederum von Nachteil, weil sie uns eben nicht deutlich genug zeigt, dass es ihr nicht gut geht.

Wie es um ihre inneren Werte bestellt ist, verrät uns zum großen Teil eine Blutuntersuchung. Liegt organisch etwas im Argen, verändern sich die Blutwerte und wir können darauf (hoffentlich) positiv Einfluss nehmen. Auch eine Urinuntersuchung bietet sich – gerade bei Verhaltensauffälligkeiten – an. Blasenentzündungen und Blasensteine sind keine Seltenheit bei Katzen und verursachen starke Schmerzen. Und wie ist es um die Zähne bestellt? Ein einfacher Blick in die Mundhöhle reicht nicht aus, um zu 100 % sagen zu können, dass alle Zähne gesund und schmerzfrei sind. FORL ist die berüchtigte Zahnerkrankung bei Katzen und das was wir im Mund sehen, ist wie so nur die Spitze des Eisbergs. Ein Dental-Röntgen gibt Aufschluss darüber, ob es unter dem Zahnfleisch nicht doch brodelt. Und ob der Rücken oder die Gelenke auffällig sind und eventuell schmerzen, kann oft ein allgemeines Röntgen-Bild darstellen. Ich weiß, dass diese Untersuchungen alle recht viel Geld kosten können. Daher sind viele Katzen meiner Meinung nach untertherapiert. Denn viele Menschen wissen gar nicht, dass ihren Lieblingen etwas fehlt.

Unschöne Themen, nicht wahr? Warum interessiert mich als Verhaltensberaterin eigentlich die Gesundheit der Katzen? Es geht ja schließlich um ihr Verhalten und nicht um eventuelle Wehwehchen… Darf ich fragen, wie geht es Ihnen denn, wenn Sie Schmerzen haben? Zumindest ich bin dann kein Ausbund an Freude und Lebensmut, sondern zickig und zurückgezogen. Da ich ein Mensch bin, der unter Menschen lebt, kann ich mich bei anderen, die mich verstehen, über mein Leid beklagen, mir Hilfe suchen und meine Lage hoffentlich einschätzen. Das macht es meist erträglicher. Eine Katze kann sich nicht so gut verständlich machen, sich nicht eigenständig um tierärztliche Hilfe bemühen und vermutlich ihre Lage auch nicht unbedingt einschätzen. Für sie bedeutet Schmerz und Leiden vor allem Stress, für den sie sich ein Ventil in unerwünschtem oder auffälligem Verhalten sucht.

Also: Wann haben Sie Ihre Lieblinge das letzte Mal gründlich (!) tierärztlich durchchecken lassen?

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Mythos Nr. 17: Katzen schnurren nur, wenn sie sich wohlfühlen.

Kein anderes Geräusch verbinden wir so sehr mit einer Katze wie das Schnurren. Kein Wunder, denn die Katze ist das einzige Tier in unserer Obhut, das diese vibrierenden Töne von sich geben kann. Da können Hund, Kaninchen und Co. nicht mithalten. Die meisten Menschen finden das Schnurren einer Katze sehr angenehm und entspannend, vorausgesetzt sie mögen Katzen generell. Schnurren ist für uns Katzenmenschen DER Ausdruck von Wohlbefinden und Ruhe. Ganz klar, dass es auch der Katze gut gehen muss, wenn sie schnurrt! Oder etwa nicht?

Die Wahrheit ist, Katzen schnurren aus unterschiedlichen Gründen. Der Katzen-Verhaltensforscher Paul Leyhausen stellte fest, dass das Schnurren ursprünglich eine Art der Kommunikation zwischen Katzenjungen und säugender Katzenmutter ist. Es hat die Funktionen, dass die Jungen durch Schnurren zeigen, dass sie sich wohl fühlen. Voraussetzung für das Schnurren ist, dass es ihnen auch körperlich gut geht, sie also gut mit Milch versorgt sind. Die Mutter wiederum schnurrt, um sich und ihre Kleinen zu beruhigen.

Schnurren kann also durchaus eine richtige Funktion haben und nicht nur bedeuten, dass sich jemand wohlfühlt. Es soll eine beruhigende und friedliche Stimmung übertragen, was auf uns Menschen ja auch wunderbar funktioniert. Nichts macht ein Sofa gemütlicher als eine schnurrende Katze! Innerhalb der Art wird es auch bei der Annäherung zwischen Katzen als Signal eingesetzt, dass die schnurrende Katze nur friedliche Absichten hegt. Und wenn sich diese Stimmung mit dem Schnurren auf die andere Katze überträgt, haben alle etwas davon.

Katzen schnurren auch in für sie stressigen Situationen, sei es um sich selbst zu beruhigen oder eine_n mögliche_n Angreifer_in zu beschwichtigen. Wir sollten also vorsichtig mit unserem Urteil sein, dass es unserer Katze in der Situation auf jeden Fall gut gehen muss, da sie schnurrt. Teilweise zeigt sehr intensives Schnurren auch an, dass sie gerade äußerst gestresst ist und sich und andere zu beruhigen versucht.

Eine fast unglaubliche, aber durch Forschung nachgewiesene, Funktion hat Schnurren übrigens noch: Diese Frequenz unterstützt die Gewebeheilung, erhöht die Knochendichte und dient damit der Selbstheilung. Das heißt im Umkehrschluss jedoch auch, dass auch kranke Katzen schnurrt.

Was für eine unterschätzte Fähigkeit das Schnurren doch ist!