Katze zerstört Klopapier in Badezimmer - Beratung zu unerwünschtem Verhalten, Kratzen, Beißen, Aggression, Unsauberkeit, Markieren, Unruhe, nächtlichem Wecken, Miauen, Tapete, Sofa, Möbel zerkratzen

Mythos Nr. 11: Katzen machen Dinge aus Trotz.

Ganz oft erzählen Menschen, dass ihre Katzen ein bestimmtes (unerwünschtes) Verhalten als Trotzreaktion zeigen, wenn ihnen Sachen nicht in den Kram passen. Dafür, dass noch in den 1990ern gesagt wurde, dass Tiere nicht denken könnten und nur instinkthaft handeln, ist das eine ziemliche Kehrtwende in der Wahrnehmung unserer lieben Vierbeiner. Nicht falsch verstehen, ich bin davon überzeugt, dass Katzen denken, lernen und erworbenes Wissen anwenden können!

Als Trotz verstehen wir in diesem Zusammenhang gemeinhin, dass Katzen bewusst Verhalten zeigen, das uns auf die Palme bringt, weil wir ihnen etwas verwehren oder etwas zufügen, dass sie ablehnen. Es setzt hier sogar eine gewisse Boshaftigkeit voraus. Ein Beispiel ist die längere Abwesenheit der Katzeneltern und die Katze wird plötzlich unsauber. Sie hat also bewusst neben ihre Toilette gemacht, um dagegen zu protestieren, dass ihre Bezugsperson nicht da ist. Dass Katzen so etwas bewusst machen würden, ist eine sehr menschliche – aus meiner Sicht zu menschliche – Sichtweise auf ihre Psyche. Denn Tiere zeigen in der Regel Verhalten, das ihnen einen Vorteil bringt. Und Verhalten, das ihre Menschen ärgert, ist für Tiere in den meisten Fällen eher nachteilig, da sie dann mit Bestrafungen rechnen müssen.

Was steckt also hinter diesem vermeintlichen Trotzverhalten bei Katzen? Die Antwort lautet in den meisten Fällen: Stress. Bleiben wir kurz bei dem oben genannten Beispiel mit der Unsauberkeit, wenn wir länger verreist sind. Vielleicht ist unser Katzenklo-Management gar nicht so gut, wie wir immer angenommen haben. Aber unsere Katze hat ein ausgeglichenes Gemüt und nutzt es trotzdem, auch wenn es nicht unbedingt ihren Bedürfnissen entspricht. Nun kommt ein Stress-Faktor dazu, den sie nicht einschätzen kann: Ihre Bezugsperson ist auf nicht absehbare Zeit verschwunden. Sie bekommt nicht die Aufmerksamkeit, die sie sonst genießt. Das Futter wird nun zu ganz anderen Zeiten serviert. Und sie weiß nicht, warum das so ist und ob es sich wieder ändern wird. Das sorgt dafür, dass das Katzenklo, das sie eh schon immer etwas widerwillig genutzt hat, zu einem großen Problem wird. Sie ist in diesem Zustand einfach nicht mehr in der Lage, große Zugeständnisse zu machen. Wir kennen es von uns selbst: Diese kleine Sache, die uns schon immer an unserer Kollegin genervt hat, wir aber großzügig weglächeln konnte, lässt uns in Anbetracht eines vollen Schreibtisches und einer fast unmöglichen Deadline schier ausrasten und ungehalten reagieren.

Aber sind wir deshalb trotzig? Nein, wir können schlicht weniger Toleranz für Situationen aufbringen, die uns eh schon immer gestört haben. Und genau so ist es mit unseren Katzen auch.

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