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Mythos Nr. 34: Katzen protestieren, indem sie unsauber sind.

Dass die Katze ihre Toilette nicht zuverlässig benutzt, ist in der Katzenberatung wirklich ein häufiger Fall. Oft begegnet mir die Einschätzung, dass die Katze das aus Protest machen würde, weil der Mensch vorher dies, das und jenes getan hat. Das unterstellt der Katze eine gewisse Boshaftigkeit und auch ein Kalkül, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob eine Katze dazu fähig ist. 😊

Wir müssen zuerst unterscheiden, ob die Katze unsauber ist oder mit Harn markiert. Bei Unsauberkeit lohnt es sich oft, das Katzenklo genauer unter die Lupe zu nehmen und zu prüfen, ob die Katze es wirklich gern benutzt. Nur wenn es den Bedürfnissen der Katze entspricht, wird sie es auch in Stresssituationen nutzen können. Stress ist ein da ein wichtiger Faktor und das könnte auch erklären, warum uns Unsauberkeit manchmal als Protestpinkeln erscheint. Stellen wir uns einmal vor, wir hätten auf der Arbeit einen Kollegen, der uns immer etwas nervt. Weil uns die Harmonie im Team wichtig ist, nehmen wir es so hin, schlucken seine Kommentare runter und tolerieren seine für uns nervigen Sprüche. Jetzt haben wir jedoch plötzlich extrem viel zu tun und wir wissen einfach nicht, wo uns der Kopf steht und wie wir unsere Arbeit schaffen sollen. Das stresst uns sehr. Und jetzt kommt auch noch der Kollege vorbei und nervt uns wieder. Dieses Mal können wir nicht gute Miene zum bösen Spiel machen und wir reagieren entsprechend auf ihn. Ich glaube, diese Situation können wir alle nachvollziehen. Ähnlich geht es unseren Katzen, wenn sie zwar normalerweise ihre Toilette aufsuchen, aber in für sie stressigen Situationen schaffen sie es einfach nicht, auch noch diesen Schritt zu tun, der ihnen eigentlich widerstrebt. Wenn Du wissen möchtest, wie das optimale Katzenklo aussieht, berate ich Dich gern.

Harnmarkieren ist etwas anders gelagert und kann viele Ursachen haben. Um herauszufinden, was im individuellen Fall dahintersteckt, kommst Du meist nicht um eine richtige Verhaltensanalyse herum. Stress kann die Sache meist noch verstärken, so dass auch hier der Eindruck entstehen kann, dass es eine Protestreaktion auf eine Aktion des Menschen wäre. Meistens gibt es aber noch weitere Faktoren, die Harnmarkieren auslösen.

In beiden Fällen sollte nicht zu lang gewartet werden, um die Sache anzugehen. Bei jedem Mal, das die Katze unsauber ist oder markiert, schleift sich dieses Verhalten mehr ein und es wird schwieriger, sie wieder zuverlässig an ihre Toilette zu gewöhnen.

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Mythos Nr. 12: Katzen haben keine enge Bindung zum Menschen.

Ich kenne noch die Behauptung, dass Katzen sich eher an ihre Umgebung als an ihre Menschen binden würden. Teilweise wurden sie bei Umzügen in der alten Wohnung gelassen, weil das für sie einfacher wäre. Selbstverständlich sind Katzen sehr revierbezogen, aber genauso gut sie kennen Trennungsschmerz, wenn ihr Mensch nicht da ist.

Es kommt immer darauf an, unter welchen Bedingungen die Katze lebt. In ländlichen Gegenden, in denen die Katze sehr unabhängig ist, teilweise nicht ins Haus darf und ihr Leben als Schädlingsbekämpfer selbstbestimmt gestalten kann, pflegt sie meist ein eher lockeres Verhältnis zu Menschen. Wir sind in dem Fall oft nur die Dosenöffner. In Städten wiederum leben Katzen meist in einer sehr engen und abhängigen Beziehung und sehen Menschen häufig als Sozialpartner. Bei der zunehmenden Zahl von Single-Haushalten in Städten unterstützen wir das sehr: Die Katze wird häufig als Partner- oder Kindersatz gesehen. Außerdem beschränkt sich der Lebensraum einer Katze in Städten meistens auf eine Wohnung ohne Freigang. Das verstärkt die Abhängigkeit noch, da der Mensch die einzige Abwechslung in einem sonst eher eintönigen Katzenalltag ist.

Auch Vererbung, Einflüsse und Erfahrungen während des Aufwachsens spielen eine Rolle, wie eng sich eine Katze an Menschen binden möchte. Es gibt Katzen, die Menschen meiden, und andere, die enorm anhänglich sind. Gerade letztere können auch unter Trennungsangst leiden und dadurch Verhaltensauffälligkeiten zeigen: Unsauberkeit, Markieren, anhaltendes Miauen bis zu übertriebenem Putzverhalten, so dass kahle Stellen im Fell entstehen.

Es bleibt, wie es ist: Katzen sind Individualisten, keine ist wie die andere. Und genauso unterschiedlich sind auch ihre Beziehungen zu Menschen. Ihre Anhänglichkeit und Abhängigkeit von uns sollten wir jedoch nicht unterschätzen und uns öfter hinterfragen, ob wir genügend Zeit mit unserer Katze verbringen.

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Mythos Nr. 11: Katzen machen Dinge aus Trotz.

Ganz oft erzählen Menschen, dass ihre Katzen ein bestimmtes (unerwünschtes) Verhalten als Trotzreaktion zeigen, wenn ihnen Sachen nicht in den Kram passen. Dafür, dass noch in den 1990ern gesagt wurde, dass Tiere nicht denken könnten und nur instinkthaft handeln, ist das eine ziemliche Kehrtwende in der Wahrnehmung unserer lieben Vierbeiner. Nicht falsch verstehen, ich bin davon überzeugt, dass Katzen denken, lernen und erworbenes Wissen anwenden können!

Als Trotz verstehen wir in diesem Zusammenhang gemeinhin, dass Katzen bewusst Verhalten zeigen, das uns auf die Palme bringt, weil wir ihnen etwas verwehren oder etwas zufügen, dass sie ablehnen. Es setzt hier sogar eine gewisse Boshaftigkeit voraus. Ein Beispiel ist die längere Abwesenheit der Katzeneltern und die Katze wird plötzlich unsauber. Sie hat also bewusst neben ihre Toilette gemacht, um dagegen zu protestieren, dass ihre Bezugsperson nicht da ist. Dass Katzen so etwas bewusst machen würden, ist eine sehr menschliche – aus meiner Sicht zu menschliche – Sichtweise auf ihre Psyche. Denn Tiere zeigen in der Regel Verhalten, das ihnen einen Vorteil bringt. Und Verhalten, das ihre Menschen ärgert, ist für Tiere in den meisten Fällen eher nachteilig, da sie dann mit Bestrafungen rechnen müssen.

Was steckt also hinter diesem vermeintlichen Trotzverhalten bei Katzen? Die Antwort lautet in den meisten Fällen: Stress. Bleiben wir kurz bei dem oben genannten Beispiel mit der Unsauberkeit, wenn wir länger verreist sind. Vielleicht ist unser Katzenklo-Management gar nicht so gut, wie wir immer angenommen haben. Aber unsere Katze hat ein ausgeglichenes Gemüt und nutzt es trotzdem, auch wenn es nicht unbedingt ihren Bedürfnissen entspricht. Nun kommt ein Stress-Faktor dazu, den sie nicht einschätzen kann: Ihre Bezugsperson ist auf nicht absehbare Zeit verschwunden. Sie bekommt nicht die Aufmerksamkeit, die sie sonst genießt. Das Futter wird nun zu ganz anderen Zeiten serviert. Und sie weiß nicht, warum das so ist und ob es sich wieder ändern wird. Das sorgt dafür, dass das Katzenklo, das sie eh schon immer etwas widerwillig genutzt hat, zu einem großen Problem wird. Sie ist in diesem Zustand einfach nicht mehr in der Lage, große Zugeständnisse zu machen. Wir kennen es von uns selbst: Diese kleine Sache, die uns schon immer an unserer Kollegin genervt hat, wir aber großzügig weglächeln konnte, lässt uns in Anbetracht eines vollen Schreibtisches und einer fast unmöglichen Deadline schier ausrasten und ungehalten reagieren.

Aber sind wir deshalb trotzig? Nein, wir können schlicht weniger Toleranz für Situationen aufbringen, die uns eh schon immer gestört haben. Und genau so ist es mit unseren Katzen auch.