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Mythos Nr. 25: Die Wassersprühflasche ist eine gute Erziehungsmethode für Katzen.

Die Wassersprühflasche gehört bis heute für viele Menschen zur „Grundausstattung“ des Katzenhaushalts. Stellt die Katze etwas an, das wir Menschen nicht möchten, kommt der Wasserstrahl zum Einsatz, damit sie sich erschreckt und das Verhalten nicht mehr zeigt. Mensch sollte sich dabei versteckt halten, damit die Katze den unangenehmen Reiz nicht mit uns in Verbindung bringt. Das bisschen Wasser, was ist schon dabei? Es wird ihr schon nicht schaden…. Ja, körperlich sicher nicht, aber der Bindung zu ihrem Menschen und ihrem Sicherheitsgefühl in den eigenen vier Wänden vielleicht schon.

Wir wissen, wir sollen Tiere (wie Kinder und Menschen generell) nicht schlagen. Aber Wasser, das ist doch in Ordnung? Streng genommen fällt die Strafe mit Wasser in dieselbe Kategorie wie die Strafe mit Schlägen. Jetzt wird es kurz theoretisch: In der Verhaltensbiologie wird zwischen Verstärkung (eine Belohnung) und Strafe unterschieden. Schauen wir uns die Strafe genauer an, hier gibt es die Unterscheidung zwischen positiver und negativer Strafe. Positiv meint in dem Fall, dass etwas hinzugefügt wird. Negativ bedeutet, dass etwas weggenommen wird. Eine negative Strafe wäre zum Beispiel, wenn ich ein tolles Spiel plötzlich beende, weil mir meine Katze im Eifer des Gefechts aus Versehen die Hand zerschrammt hat. Ich nehme der Katze das schöne Spiel weg. Eine positive Strafe ist ein als unschön empfundener Reiz, den ich auslöse, wenn mir Verhalten nicht gefällt. Wenn wir in dieser Spielsituation bleiben, wäre es der Fall, wenn ich nicht nur die Spielsituation beende, sondern meine Katze auch noch am Nacken packen und schütteln oder schlagen würde. Ich hoffe, wir sind uns alle einig, dass das keine adäquate Reaktion ist und wir das niemals tun sollten!

Die Wassersprühflasche funktioniert nach demselben Prinzip. Wir fügen einen unangenehmen, strafenden Reiz hinzu. Auch wenn wir unserer Katze nicht körperlich schaden, sind mit Strafen und auch Belohnungen immer Emotionen verbunden. Katzen empfinden Emotionen wie wir. Wenn ich ein schönes Spiel plötzlich beende, das Sie sehr gern weitergespielt hätten, wie würden Sie sich fühlen? Vermutlich frustriert und verärgert. So geht es auch unserer Katze. Kommt dann noch ein unangenehmer Reiz hinzu, würde die Katze neben Ärger auch Angst empfinden. Im „besten“ Fall würde sich das auf die Situation beziehen, im schlimmsten Fall auf den Auslöser dieses strafenden Reizes – den Menschen mit der Wassersprühflasche. Selbst wenn sich die negativen Emotionen „nur“ auf die Situation beziehen, haben wir dann vielleicht eine ängstliche Katze, die bestimmte Orte oder Emotionen meidet. Bei der Wohnungshaltung, in der ihr Platz sowieso schon sehr begrenzt ist, ist das aus meiner Sicht ein großer Nachteil. Es kann darüber hinaus auch sein, dass wir das Stresslevel unserer Katze durch diese negativen Emotionen anheben. Die Folge kann wiederum unerwünschtes Verhalten sein, um diesen Stress zu kompensieren. Stress kann unter anderem Auslöser für Markierverhalten sowie Aggressionen gegen Menschen und andere Katzen sein. Alles in allem wirkt die Wassersprühflasche dann gar nicht mehr so harmlos, nicht wahr?

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Mythos Nr. 24: Katzen sind optimale Haustiere für Kinder.

Ich bin mit Tieren aufgewachsen und es war toll! Meine Großeltern hatten Hund und Hühner und bei uns wohnten immer Katzen. Sie kamen nicht ins Haus, weil sie draußen Mäuse jagen sollten, und so habe ich viel Zeit mit ihnen in der Scheune und im Garten verbracht. Wenn ich mich allerdings zurückerinnere, weiß ich nicht genau, ob sie meine Spiele mit ihnen in meinen sehr jungen Jahren ebenso geschätzt haben wie ich… Passiert ist zum Glück nie etwas, was eher an den ausgeglichenen Charakteren der Katzen lag, als daran, dass meine Eltern Regeln für den Kontakt aufgestellt hätten.

Damit sind wir schon mittendrin im Thema: Ja, Haustiere sind für Kinder wunderbar. Katzen eignen sich prinzipiell gut, weil sie von der Aufmerksamkeit und der Beschäftigung mit dem Menschen profitieren können. Aber nicht jede Katze kann mit dem trubeligen Kinder-Alltag umgehen. Und es braucht klare Regeln von den Eltern, damit es nicht doch zu Zwischenfällen kommt und sich alle miteinander wohlfühlen.

Das fängt bei an, Katzenfutter und Katzenklo für die Kinder unerreichbar aufzustellen. Wichtig ist es auch, ausreichend erhöhte Ruhezonen für die Katzen einzurichten, die für die Kinder Tabu sind. Der Kontakt zwischen beiden sollte in jungen Kinderjahren nur unter Aufsicht erfolgen, da die Sicherheit für alle Beteiligten vorgeht. Oft wird angenommen, dass Katzen Familienmitgliedern nie etwas zu Leide tun würden. Dabei ist es gut möglich, dass zurückhaltende Katzen, von denen die Eltern vielleicht gar nicht bemerkt haben, dass sie unter permanentem Stress stehen, bei kleinsten Anlässen regelrecht explodieren können. Für ein Kleinkind kann das sehr gefährlich werden!

Es gibt super Möglichkeiten für gemeinsames Spiel und Beschäftigung, die jedoch in jungen Kinderjahren immer von den Eltern gesteuert werden sollten. Das kann sowohl für die Katze als auch für die Kinder ein großer Spaß sein. Sie können ungemein davon profitieren und mir selbst geht auch immer etwas das Herz auf, wenn ich Kinder nett und empathisch mit Katzen umgehen sehe. Ich bin eine große Freundin davon, Kinder mit Tieren aufwachsen zu lassen. So entstehen Respekt und Verständnis für andere Geschöpfe. Das ist eine wichtige Qualität in unserer Zeit, wie ich finde.

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Mythos Nr. 20: Katzen kennen keine psychischen Erkrankungen.

Psychische Erkrankungen werden meist nur uns Menschen zugesprochen. Wir kennen Angststörungen, Depressionen, Schizophrenie und viele weitere. Doch selbst in unserer menschlichen Gesellschaft ist der Umgang damit eher schwierig. Manchen Menschen fehlt die Akzeptanz für diese Krankheiten, weil sie von außen schlecht sichtbar sind. Ein gebrochenes Bein oder eine Grippe werden eher verstanden. Den Satz „Jetzt reiß Dich zusammen!“ kennen wohl viele psychisch erkrankte Menschen aus ihrem Umfeld. Und jetzt komme ich mit der Behauptung, dass auch Katzen zum Beispiel depressiv sein können? Das mag auf den ersten Blick sehr erstaunen.

Bleiben wir beim Thema Depressionen bei Katzen. Worin kann sich das äußern? Ein klassisches Symptom ist, dass das Erkundungsverhalten der Katze stark beeinträchtigt ist. Katzen sind von Natur aus sehr neugierige Tiere und alles Neue muss erst einmal ausgiebig untersucht werden. Das kann der Supermarkt-Einkauf sein, das neue Spielzeug oder auch unser Rucksack, wenn wir nach Hause kommen. Depressive Katzen interessiert das oft nicht wirklich, sie bleiben zurückgezogen und lassen sich kaum animieren. Die geöffnete Balkon-Tür ist uninteressant, der Besuch wird kaum zur Kenntnis genommen. Den Katzeneltern fallen diese Tiere meist gar nicht weiter negativ auf, weil sie kaum fordern, wenig präsent sind und daher einfach nicht stören. Die Katze wirkt auf das ungeübte Auge ruhig und zufrieden und so kann sich dieser traurige Zustand über viele Jahre hinziehen.

Wie entstehen Depressionen? Teilweise ist es sicher eine Charakterfrage, ob eine Katze zu Depressionen neigt. Die reaktiven Tiere, die eher fordernd sind oder dadurch auffallen, dass sie Blödsinn anstellen, wenn sie unzufrieden sind, sind meist psychisch gesünder. Sie fressen Stress nicht in sich hinein, sondern zeigen ihren Unmut deutlich. Die anderen, die Stillen und Introvertierten, ziehen sich eher zurück. Stress kann beispielsweise durch Unterforderung und Langeweile entstehen, durch andere Katzen, die sich ein stilles Opfer in der Gruppe gesucht haben, und auch durch Erkrankungen. Manchmal folgt dann die sogenannte „erlernte Hilflosigkeit“: Die Katzen haben gelernt, dass sie schwierige Situationen durch ihr Verhalten nicht positiv beeinflussen können. Egal was sie machen, sie erleben keine positive Veränderung und haben aufgegeben es zu versuchen. Sie haben sich ihrem Schicksal ergeben.

Wie können wir Depressionen verhindern? Zuerst: Voraussetzung ist eine körperlich gesunde Katze, die keine Schmerzen oder andere Einschränkungen hat, die ihr auf das Gemüt schlagen können. Zum Beispiel kann auch eine Schilddrüsenunterfunktion zu sehr gedämpfter Stimmung führen. Ihre Umgebung sollte ihren Bedürfnissen entsprechen, viel Anregung und Beschäftigung bieten. Wir Menschen sollten ausreichend Zeit für unsere Katzen aufbringen, und sie körperlich sowie geistig auslasten. Auch bei Katzen werden durch Bewegung Endorphine ausgeschüttet. Und die Interaktion mit ihren Menschen lässt sie soziale Unterstützung erfahren, die sich ebenfalls als förderlich auf ihre psychische Gesundheit auswirkt.

Eine Kernkompetenz, die wir Katzen vermitteln können, ist die Selbstwirksamkeit. Sie ist quasi das Gegenteil der erlernten Hilflosigkeit. Das bedeutet, dass die Katze die Erfahrung macht, dass sie mit ihrem Verhalten positiv Einfluss auf Situationen und ihr Leben generell nehmen kann. Eine Möglichkeit ist, dass wir mit unserer Katze Signale vereinbaren, die sie uns geben kann, wenn sie ein Bedürfnis hat und wir die einzigen sind, die es ihr in dem Moment erfüllen können. Das kann zum Beispiel eine spezielle Stelle in der Wohnung sein, die sie aufsucht, wenn sie mit uns spielen möchte. Auch Klicker-Training eignet sich gut, damit die Katze Selbstwirksamkeit erfahren kann: Sie wird für ihr Verhalten gelobt und entsprechend belohnt.

Futter spielt ebenfalls eine Rolle bei der psychischen Gesundheit. Im humanmedizinischen Bereich setzen sich Erkenntnisse durch, dass die Zusammensetzung unserer Darmbakterien einen direkten Einfluss darauf hat, wie es uns psychisch geht. Unsere Ernährung bestimmt direkt, welche Bakterien sich ansiedeln und was sie in uns auslösen. Bei der Katze ist es genauso. Sie ist von Natur aus eine Fleischfresserin, daher wirkt sich Futter mit einem Anteil von mindestens 70% tierischen Inhaltsstoffen positiv auf das Mikrobiom in ihrem Darm aus und macht sie widerstandsfähiger gegen psychische Erkrankungen.

Als Katzeneltern haben wir die Verantwortung dafür, dass es unseren Katzen auch psychisch gut geht. Wir sollten uns nicht darauf ausruhen, dass unsere Katze brav und unauffällig ist, sondern genau hinschauen, wie es ihr wirklich geht. Meldet euch gern, wenn ihr dazu Fragen habt. Ich bin mit Tipps und Rat für euch da.

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Mythos Nr. 19: Dass Katzen oft sehr ängstlich sind, ist normal.

Katzen sind Raubtiere. Einerseits. Andererseits sind sie auch ziemlich klein und können leicht anderen Beutegreifern zum Opfer fallen. Hunde, Füchse und auch wir Menschen können ihre Feinde sein. Das zusammen macht den fast einzigartigen Charakter unserer Katzen aus: Mutig erbeuten sie wehrhafte Ratten, neugierig werden sämtliche Dinge erkundet, aber wehe wir holen den Staubsauger raus, dann sind unsere kleinen Napoleons nicht mehr gesehen. Wir akzeptieren bei Katzen viel stärker als zum Beispiel bei Hunden und Pferden, dass sie in gewissen Situationen Angst haben und für uns dann nicht mehr zugänglich sind. Und ja, Vorsicht liegt in der Natur der meisten Katzen. Aber warum trainieren wir mit anderen Tierarten, desensibilisieren sie, achten auf ausreichend Erfahrungen in der Prägungsphase, und machen das mit Katzen nicht?

Nicht immer bekomme ich bei meinen Besuchen die Katzen, um die es geht, zu Gesicht. Manche haben große Angst vor fremden Menschen, da sie nicht generalisieren konnten, dass Menschen eigentlich grundsätzlich schon okay sind. Andere haben Angst vor lauten Geräuschen, vor manchen Situationen, prinzipiell können Katzen allem gegenüber sehr ängstlich reagieren. In Extremfällen leben diese Tiere dann permanent unter dem Sofa oder auf einem Schrank, da das die einzigen Orte sind, an denen sie sich noch halbwegs sicher fühlen. Und ganz oft lassen wir Menschen sie dort und akzeptieren es, da die Katzen dort schließlich freiwillig sind und zu uns kommen könnten, wenn sie es wollen würden. Hm. Ich weiß nicht, wie viele Menschen mit Angststörungen „freiwillig“ zehn Stockwerke hochlaufen, da sie es nicht schaffen, den Aufzug zu betreten.

Ängstliche Katze verknüpfen mit spezifischen Situationen Gefahr und sorgen von vornherein dafür, dass ihnen nichts passieren kann, zum Beispiel indem sie sich verstecken. In diesem sicheren Rückzugsort können sie jedoch nicht die Erfahrung sammeln, dass die potenzielle Gefahr gar nicht schlimm ist, weil sie sich der Situation dadurch entziehen. Folglich werden sie ihr Verhalten auch nicht ändern, da die Versteck-Strategie ja ganz gut funktioniert. Bitte jetzt bloß nicht auf die Idee kommen, das Versteck zu verschließen, damit sich die Katze der Situation aussetzen muss! Das ist in den allermeisten Fällen viel zu großer Stress und bewirkt nur das Gegenteil. Eine gestresste Katze kann nicht lernen! Eine Desensibilisierung muss sorgsam und in vielen kleinen Schritten durchgeführt werden. Manchmal ist es auch ratsam, Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel zu geben, damit so ein Training überhaupt möglich ist.

Katzen mit übermäßig großer Angst schränken ihren Lebensraum oft sehr ein. Sie können nicht an allen geselligen Situationen mit uns Menschen teilhaben, die andere Katzen wiederum genießen würden. Sie haben oft nicht die gleiche Lebensqualität wie entspanntere Artgenossen. Daher lohnt es sich in jedem Fall, mit ihnen zu trainieren und ihnen stückweit ihre Angst zu nehmen.

Das Beste ist selbstverständlich, solche Ängste gar nicht entstehen zu lassen. Wenn wir Einfluss darauf haben, sollte das kleine Kätzchen in der Prägephase so viele unterschiedliche positive Erfahrungen machen, wie es nur geht. Dazu gehören das Kennenlernen von unterschiedlichen Menschen, ganz verschiedenen (Alltags-)Situationen und vieles mehr: Autofahrten, öffentliche Verkehrsmittel, Tierarztbesuche, gesicherte Spaziergänge in der Natur oder was wir später sonst noch so vorhaben mit unseren Vierbeinern. Mit Hunden wird das ganz selbstverständlich gemacht, warum nicht auch mit unseren Katzen?

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Mythos Nr. 18: Meine Katze ist gesund, ich war mit ihr bei der Tierärztin.

Eine der ersten Fragen, die ich den Katzeneltern im Rahmen einer Beratung stelle, dreht sich um die Gesundheit ihrer felligen Mitbewohner_innen. Ihr ist erst einmal nichts anzumerken. Und einmal im Jahr wird die Katze der Tierärztin im Rahmen der Impfung vorgestellt, da war auch nie etwas zu finden. Die Katze sei also gesund, heißt es. Ja, das kann durchaus sein. Aber: Welche Untersuchungen wurden überhaupt gemacht? Wenn nichts anderes verlangt wird, wird die Katze in der Regel abgehört, abgetastet, das Fell angesehen und in Mund, Augen und Ohren geschaut. Sicher können da bereits manche Krankheiten erkannt werden. Die Tierärztin ist außerdem darauf angewiesen, dass die Katzeneltern ihr von eventuellen Auffälligkeiten zu Hause erzählt, die beim kurzen Besuch in der Praxis gar nicht auffallen. Vergessen wir dabei manchmal etwas? Oder fallen uns manche Sachen vielleicht gar nicht mehr auf, weil sie sich über die Zeit so eingeschlichen haben?

Die Katze schafft es, einen großen Teil der Krankheiten sehr lang zu verbergen. Das ist in freier Natur ihr Schutz vor Fressfeinden, die in einer kranken Katze sofort ein einfaches Opfer sehen. In menschlicher Obhut ist das wiederum von Nachteil, weil sie uns eben nicht deutlich genug zeigt, dass es ihr nicht gut geht.

Wie es um ihre inneren Werte bestellt ist, verrät uns zum großen Teil eine Blutuntersuchung. Liegt organisch etwas im Argen, verändern sich die Blutwerte und wir können darauf (hoffentlich) positiv Einfluss nehmen. Auch eine Urinuntersuchung bietet sich – gerade bei Verhaltensauffälligkeiten – an. Blasenentzündungen und Blasensteine sind keine Seltenheit bei Katzen und verursachen starke Schmerzen. Und wie ist es um die Zähne bestellt? Ein einfacher Blick in die Mundhöhle reicht nicht aus, um zu 100 % sagen zu können, dass alle Zähne gesund und schmerzfrei sind. FORL ist die berüchtigte Zahnerkrankung bei Katzen und das was wir im Mund sehen, ist wie so nur die Spitze des Eisbergs. Ein Dental-Röntgen gibt Aufschluss darüber, ob es unter dem Zahnfleisch nicht doch brodelt. Und ob der Rücken oder die Gelenke auffällig sind und eventuell schmerzen, kann oft ein allgemeines Röntgen-Bild darstellen. Ich weiß, dass diese Untersuchungen alle recht viel Geld kosten können. Daher sind viele Katzen meiner Meinung nach untertherapiert. Denn viele Menschen wissen gar nicht, dass ihren Lieblingen etwas fehlt.

Unschöne Themen, nicht wahr? Warum interessiert mich als Verhaltensberaterin eigentlich die Gesundheit der Katzen? Es geht ja schließlich um ihr Verhalten und nicht um eventuelle Wehwehchen… Darf ich fragen, wie geht es Ihnen denn, wenn Sie Schmerzen haben? Zumindest ich bin dann kein Ausbund an Freude und Lebensmut, sondern zickig und zurückgezogen. Da ich ein Mensch bin, der unter Menschen lebt, kann ich mich bei anderen, die mich verstehen, über mein Leid beklagen, mir Hilfe suchen und meine Lage hoffentlich einschätzen. Das macht es meist erträglicher. Eine Katze kann sich nicht so gut verständlich machen, sich nicht eigenständig um tierärztliche Hilfe bemühen und vermutlich ihre Lage auch nicht unbedingt einschätzen. Für sie bedeutet Schmerz und Leiden vor allem Stress, für den sie sich ein Ventil in unerwünschtem oder auffälligem Verhalten sucht.

Also: Wann haben Sie Ihre Lieblinge das letzte Mal gründlich (!) tierärztlich durchchecken lassen?

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Mythos Nr. 17: Katzen schnurren nur, wenn sie sich wohlfühlen.

Kein anderes Geräusch verbinden wir so sehr mit einer Katze wie das Schnurren. Kein Wunder, denn die Katze ist das einzige Tier in unserer Obhut, das diese vibrierenden Töne von sich geben kann. Da können Hund, Kaninchen und Co. nicht mithalten. Die meisten Menschen finden das Schnurren einer Katze sehr angenehm und entspannend, vorausgesetzt sie mögen Katzen generell. Schnurren ist für uns Katzenmenschen DER Ausdruck von Wohlbefinden und Ruhe. Ganz klar, dass es auch der Katze gut gehen muss, wenn sie schnurrt! Oder etwa nicht?

Die Wahrheit ist, Katzen schnurren aus unterschiedlichen Gründen. Der Katzen-Verhaltensforscher Paul Leyhausen stellte fest, dass das Schnurren ursprünglich eine Art der Kommunikation zwischen Katzenjungen und säugender Katzenmutter ist. Es hat die Funktionen, dass die Jungen durch Schnurren zeigen, dass sie sich wohl fühlen. Voraussetzung für das Schnurren ist, dass es ihnen auch körperlich gut geht, sie also gut mit Milch versorgt sind. Die Mutter wiederum schnurrt, um sich und ihre Kleinen zu beruhigen.

Schnurren kann also durchaus eine richtige Funktion haben und nicht nur bedeuten, dass sich jemand wohlfühlt. Es soll eine beruhigende und friedliche Stimmung übertragen, was auf uns Menschen ja auch wunderbar funktioniert. Nichts macht ein Sofa gemütlicher als eine schnurrende Katze! Innerhalb der Art wird es auch bei der Annäherung zwischen Katzen als Signal eingesetzt, dass die schnurrende Katze nur friedliche Absichten hegt. Und wenn sich diese Stimmung mit dem Schnurren auf die andere Katze überträgt, haben alle etwas davon.

Katzen schnurren auch in für sie stressigen Situationen, sei es um sich selbst zu beruhigen oder eine_n mögliche_n Angreifer_in zu beschwichtigen. Wir sollten also vorsichtig mit unserem Urteil sein, dass es unserer Katze in der Situation auf jeden Fall gut gehen muss, da sie schnurrt. Teilweise zeigt sehr intensives Schnurren auch an, dass sie gerade äußerst gestresst ist und sich und andere zu beruhigen versucht.

Eine fast unglaubliche, aber durch Forschung nachgewiesene, Funktion hat Schnurren übrigens noch: Diese Frequenz unterstützt die Gewebeheilung, erhöht die Knochendichte und dient damit der Selbstheilung. Das heißt im Umkehrschluss jedoch auch, dass auch kranke Katzen schnurrt.

Was für eine unterschätzte Fähigkeit das Schnurren doch ist!

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Mythos Nr. 15: Katzen müssen immer mindestens zu zweit gehalten werden.

Früher hieß es immer, dass Katzen Einzelgänger wären. Diese Meinung ist mittlerweile weitestgehend überholt und hat sich irgendwie ins Gegenteil verkehrt. Aus meiner Beobachtung wird die Mehrkatzenhaltung vor allem im Tierschutz propagiert. Einzelne Katzen zu haben, wird sogar teilweise mit Tierquälerei gleichgesetzt.

Keine Frage, wenn die Möglichkeit besteht und die Katzen sich mögen, hat artgenössische Gesellschaft viele Vorteile. Und es gibt Konstellationen, bei denen ich auf jeden Fall dazu raten würde. Dazu gehören junge Katzen, die gerade aus ihrem Wurf in ein neues Zuhause ziehen dürfen. Hier gehört meiner Meinung nach ein weiteres Jungtier ins Haus. Auch menschenscheue Katzen, die wiederum gut mit ihren Artgenossen sozialisiert sind, würde ich definitiv nicht allein halten. Manche Rassen sind darüber hinaus sehr sozial und brauchen dringend Gesellschaft, um glücklich zu sein. Beim großen Rest ist es immer Abwägungssache.

Wie schon oft erwähnt, sind Katzen in ihrem Sozialverhalten Opportunisten. Wenn genügend Ressourcen wie Zeit mit dem Menschen, Futter, Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten, Rückzugsplätze und Toiletten vorhanden sind die Chemie zwischen den Katzen stimmt, kann es etwas werden mit der kätzischen Wohngemeinschaft oder sogar Freundschaft. Da sie jedoch nicht darauf angewiesen sind, in einem Verbund zu leben, und sie den Menschen als Sozialpartner annehmen, müssen sie sich nicht zwingend auf Mitkatzen einlassen.

Stressig wird es dann, wenn die Katzen sich wirklich überhaupt nicht mögen, die Vergesellschaftung schiefgelaufen ist und sie sich nicht aus dem Weg gehen können. Eigentlich würde eine Katze dann abwandern. Bei Wohnungshaltung ist das jedoch nicht möglich. Mobbing und Stress können folgen, worunter Katzen stark leiden und sich zurückziehen. Der permanente Stress kann chronisch werden und sie körperlich krank machen.

Es gibt genügend (ältere) Katzen, die im Tierschutz auf ein Zuhause warten, in dem sie allein wohnen dürfen. Oft sind sie nicht gut sozialisiert und manche haben schlechte Erfahrungen gemacht. Diese Katzen mit Artgenossen zu vergesellschaften, ist ein großer Aufwand. Meist geht es – wenn überhaupt – nur über die sehr kleinschrittige, systematische Zusammenführung. Das bedeutet Stress für alle Beteiligten und das Ergebnis ist ungewiss. Manchmal kommt es nur dazu, dass sie sich später im Haushalt tolerieren und keine echte Freundschaft schließen können. Überhaupt nehmen Spannungen im Mehrkatzenhaushalt einen großen Anteil an den Beratungen ein. Wenn die Voraussetzungen stimmen, der Mensch also genügend Zeit hat, die er oder sie mit ihrer Katze verbringen möchte, spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, diese unverträglichen Katzen allein bei sich wohnen zu lassen. Blöd wird es, wenn sie nicht ausreichend beschäftigt wird, tagsüber allein sein muss und nachts aus dem Schlafzimmer ausgesperrt wird. Das tut keiner Katze besonders gut – übrigens auch nicht, wenn sie kätzische Gesellschaft hat.

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Mythos Nr. 11: Katzen machen Dinge aus Trotz.

Ganz oft erzählen Menschen, dass ihre Katzen ein bestimmtes (unerwünschtes) Verhalten als Trotzreaktion zeigen, wenn ihnen Sachen nicht in den Kram passen. Dafür, dass noch in den 1990ern gesagt wurde, dass Tiere nicht denken könnten und nur instinkthaft handeln, ist das eine ziemliche Kehrtwende in der Wahrnehmung unserer lieben Vierbeiner. Nicht falsch verstehen, ich bin davon überzeugt, dass Katzen denken, lernen und erworbenes Wissen anwenden können!

Als Trotz verstehen wir in diesem Zusammenhang gemeinhin, dass Katzen bewusst Verhalten zeigen, das uns auf die Palme bringt, weil wir ihnen etwas verwehren oder etwas zufügen, dass sie ablehnen. Es setzt hier sogar eine gewisse Boshaftigkeit voraus. Ein Beispiel ist die längere Abwesenheit der Katzeneltern und die Katze wird plötzlich unsauber. Sie hat also bewusst neben ihre Toilette gemacht, um dagegen zu protestieren, dass ihre Bezugsperson nicht da ist. Dass Katzen so etwas bewusst machen würden, ist eine sehr menschliche – aus meiner Sicht zu menschliche – Sichtweise auf ihre Psyche. Denn Tiere zeigen in der Regel Verhalten, das ihnen einen Vorteil bringt. Und Verhalten, das ihre Menschen ärgert, ist für Tiere in den meisten Fällen eher nachteilig, da sie dann mit Bestrafungen rechnen müssen.

Was steckt also hinter diesem vermeintlichen Trotzverhalten bei Katzen? Die Antwort lautet in den meisten Fällen: Stress. Bleiben wir kurz bei dem oben genannten Beispiel mit der Unsauberkeit, wenn wir länger verreist sind. Vielleicht ist unser Katzenklo-Management gar nicht so gut, wie wir immer angenommen haben. Aber unsere Katze hat ein ausgeglichenes Gemüt und nutzt es trotzdem, auch wenn es nicht unbedingt ihren Bedürfnissen entspricht. Nun kommt ein Stress-Faktor dazu, den sie nicht einschätzen kann: Ihre Bezugsperson ist auf nicht absehbare Zeit verschwunden. Sie bekommt nicht die Aufmerksamkeit, die sie sonst genießt. Das Futter wird nun zu ganz anderen Zeiten serviert. Und sie weiß nicht, warum das so ist und ob es sich wieder ändern wird. Das sorgt dafür, dass das Katzenklo, das sie eh schon immer etwas widerwillig genutzt hat, zu einem großen Problem wird. Sie ist in diesem Zustand einfach nicht mehr in der Lage, große Zugeständnisse zu machen. Wir kennen es von uns selbst: Diese kleine Sache, die uns schon immer an unserer Kollegin genervt hat, wir aber großzügig weglächeln konnte, lässt uns in Anbetracht eines vollen Schreibtisches und einer fast unmöglichen Deadline schier ausrasten und ungehalten reagieren.

Aber sind wir deshalb trotzig? Nein, wir können schlicht weniger Toleranz für Situationen aufbringen, die uns eh schon immer gestört haben. Und genau so ist es mit unseren Katzen auch.

Katze sitzt auf Tisch, dahinter steht Essen

Mythos 2: „Zwei Mahlzeiten am Tag reichen aus.“

Ja, so habe ich meine Katzen früher auch gefüttert… Und wehe, jemand hatte früher Hunger und meldete dies lautstark an!

Schauen wir uns einmal die Beute und das Jagdverhalten der Katzen an: Die Beute ist sehr klein, z. B. Insekten, Mäuse und Vögel, ja sogar Eidechsen. Die Mahlzeiten, die die Katze damit zu sich nimmt, sind dementsprechend auch sehr klein, dafür jedoch häufig. Eine freilebende Katze kann zwischen ein und zwei dutzend Beutetiere täglich erlegen, die sie auch sofort verspeist.

Was bedeutet das für die Fütterung durch uns Menschen? Am besten wäre, wenn wir diese kleinen Mahlzeiten von 25 bis 30 g immer frisch alle paar Stunden servieren würden. Zugegeben, das passt selten mit dem Job zusammen. Es könnte stattdessen ein Futter-Automat mit Kühlfunktion eingeführt werden, damit die Katzen auch in Abwesenheit des Menschen keinen Hunger schieben müssen. Fummelbretter, an denen sich die Katzen das Futter selbst erarbeiten können, bieten darüber hinaus eine gute Beschäftigungsmöglichkeit.

Und mal ehrlich, auch wir Menschen sind schnell schlecht gelaunt, wenn wir hungrig sind. Das geht auch unseren Katzen so, die ihren Frust dann gerne in unerwünschtes Verhalten umwandeln oder an ihren Mitwohner_innen auslassen. Artgerechte Fütterung beugt Stress vor. Wenn doch nur alles so einfach wäre…