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Mythos Nr. 17: Katzen schnurren nur, wenn sie sich wohlfühlen.

Kein anderes Geräusch verbinden wir so sehr mit einer Katze wie das Schnurren. Kein Wunder, denn die Katze ist das einzige Tier in unserer Obhut, das diese vibrierenden Töne von sich geben kann. Da können Hund, Kaninchen und Co. nicht mithalten. Die meisten Menschen finden das Schnurren einer Katze sehr angenehm und entspannend, vorausgesetzt sie mögen Katzen generell. Schnurren ist für uns Katzenmenschen DER Ausdruck von Wohlbefinden und Ruhe. Ganz klar, dass es auch der Katze gut gehen muss, wenn sie schnurrt! Oder etwa nicht?

Die Wahrheit ist, Katzen schnurren aus unterschiedlichen Gründen. Der Katzen-Verhaltensforscher Paul Leyhausen stellte fest, dass das Schnurren ursprünglich eine Art der Kommunikation zwischen Katzenjungen und säugender Katzenmutter ist. Es hat die Funktionen, dass die Jungen durch Schnurren zeigen, dass sie sich wohl fühlen. Voraussetzung für das Schnurren ist, dass es ihnen auch körperlich gut geht, sie also gut mit Milch versorgt sind. Die Mutter wiederum schnurrt, um sich und ihre Kleinen zu beruhigen.

Schnurren kann also durchaus eine richtige Funktion haben und nicht nur bedeuten, dass sich jemand wohlfühlt. Es soll eine beruhigende und friedliche Stimmung übertragen, was auf uns Menschen ja auch wunderbar funktioniert. Nichts macht ein Sofa gemütlicher als eine schnurrende Katze! Innerhalb der Art wird es auch bei der Annäherung zwischen Katzen als Signal eingesetzt, dass die schnurrende Katze nur friedliche Absichten hegt. Und wenn sich diese Stimmung mit dem Schnurren auf die andere Katze überträgt, haben alle etwas davon.

Katzen schnurren auch in für sie stressigen Situationen, sei es um sich selbst zu beruhigen oder eine_n mögliche_n Angreifer_in zu beschwichtigen. Wir sollten also vorsichtig mit unserem Urteil sein, dass es unserer Katze in der Situation auf jeden Fall gut gehen muss, da sie schnurrt. Teilweise zeigt sehr intensives Schnurren auch an, dass sie gerade äußerst gestresst ist und sich und andere zu beruhigen versucht.

Eine fast unglaubliche, aber durch Forschung nachgewiesene, Funktion hat Schnurren übrigens noch: Diese Frequenz unterstützt die Gewebeheilung, erhöht die Knochendichte und dient damit der Selbstheilung. Das heißt im Umkehrschluss jedoch auch, dass auch kranke Katzen schnurrt.

Was für eine unterschätzte Fähigkeit das Schnurren doch ist!

Maine Coon Katze liegt im Garten - Katzenhaltung, Katzenberatung, Vergesellschaftung, Stress, Katzenhilfe

Mythos Nr. 15: Katzen müssen immer mindestens zu zweit gehalten werden.

Früher hieß es immer, dass Katzen Einzelgänger wären. Diese Meinung ist mittlerweile weitestgehend überholt und hat sich irgendwie ins Gegenteil verkehrt. Aus meiner Beobachtung wird die Mehrkatzenhaltung vor allem im Tierschutz propagiert. Einzelne Katzen zu haben, wird sogar teilweise mit Tierquälerei gleichgesetzt.

Keine Frage, wenn die Möglichkeit besteht und die Katzen sich mögen, hat artgenössische Gesellschaft viele Vorteile. Und es gibt Konstellationen, bei denen ich auf jeden Fall dazu raten würde. Dazu gehören junge Katzen, die gerade aus ihrem Wurf in ein neues Zuhause ziehen dürfen. Hier gehört meiner Meinung nach ein weiteres Jungtier ins Haus. Auch menschenscheue Katzen, die wiederum gut mit ihren Artgenossen sozialisiert sind, würde ich definitiv nicht allein halten. Manche Rassen sind darüber hinaus sehr sozial und brauchen dringend Gesellschaft, um glücklich zu sein. Beim großen Rest ist es immer Abwägungssache.

Wie schon oft erwähnt, sind Katzen in ihrem Sozialverhalten Opportunisten. Wenn genügend Ressourcen wie Zeit mit dem Menschen, Futter, Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten, Rückzugsplätze und Toiletten vorhanden sind die Chemie zwischen den Katzen stimmt, kann es etwas werden mit der kätzischen Wohngemeinschaft oder sogar Freundschaft. Da sie jedoch nicht darauf angewiesen sind, in einem Verbund zu leben, und sie den Menschen als Sozialpartner annehmen, müssen sie sich nicht zwingend auf Mitkatzen einlassen.

Stressig wird es dann, wenn die Katzen sich wirklich überhaupt nicht mögen, die Vergesellschaftung schiefgelaufen ist und sie sich nicht aus dem Weg gehen können. Eigentlich würde eine Katze dann abwandern. Bei Wohnungshaltung ist das jedoch nicht möglich. Mobbing und Stress können folgen, worunter Katzen stark leiden und sich zurückziehen. Der permanente Stress kann chronisch werden und sie körperlich krank machen.

Es gibt genügend (ältere) Katzen, die im Tierschutz auf ein Zuhause warten, in dem sie allein wohnen dürfen. Oft sind sie nicht gut sozialisiert und manche haben schlechte Erfahrungen gemacht. Diese Katzen mit Artgenossen zu vergesellschaften, ist ein großer Aufwand. Meist geht es – wenn überhaupt – nur über die sehr kleinschrittige, systematische Zusammenführung. Das bedeutet Stress für alle Beteiligten und das Ergebnis ist ungewiss. Manchmal kommt es nur dazu, dass sie sich später im Haushalt tolerieren und keine echte Freundschaft schließen können. Überhaupt nehmen Spannungen im Mehrkatzenhaushalt einen großen Anteil an den Beratungen ein. Wenn die Voraussetzungen stimmen, der Mensch also genügend Zeit hat, die er oder sie mit ihrer Katze verbringen möchte, spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, diese unverträglichen Katzen allein bei sich wohnen zu lassen. Blöd wird es, wenn sie nicht ausreichend beschäftigt wird, tagsüber allein sein muss und nachts aus dem Schlafzimmer ausgesperrt wird. Das tut keiner Katze besonders gut – übrigens auch nicht, wenn sie kätzische Gesellschaft hat.

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Mythos Nr. 11: Katzen machen Dinge aus Trotz.

Ganz oft erzählen Menschen, dass ihre Katzen ein bestimmtes (unerwünschtes) Verhalten als Trotzreaktion zeigen, wenn ihnen Sachen nicht in den Kram passen. Dafür, dass noch in den 1990ern gesagt wurde, dass Tiere nicht denken könnten und nur instinkthaft handeln, ist das eine ziemliche Kehrtwende in der Wahrnehmung unserer lieben Vierbeiner. Nicht falsch verstehen, ich bin davon überzeugt, dass Katzen denken, lernen und erworbenes Wissen anwenden können!

Als Trotz verstehen wir in diesem Zusammenhang gemeinhin, dass Katzen bewusst Verhalten zeigen, das uns auf die Palme bringt, weil wir ihnen etwas verwehren oder etwas zufügen, dass sie ablehnen. Es setzt hier sogar eine gewisse Boshaftigkeit voraus. Ein Beispiel ist die längere Abwesenheit der Katzeneltern und die Katze wird plötzlich unsauber. Sie hat also bewusst neben ihre Toilette gemacht, um dagegen zu protestieren, dass ihre Bezugsperson nicht da ist. Dass Katzen so etwas bewusst machen würden, ist eine sehr menschliche – aus meiner Sicht zu menschliche – Sichtweise auf ihre Psyche. Denn Tiere zeigen in der Regel Verhalten, das ihnen einen Vorteil bringt. Und Verhalten, das ihre Menschen ärgert, ist für Tiere in den meisten Fällen eher nachteilig, da sie dann mit Bestrafungen rechnen müssen.

Was steckt also hinter diesem vermeintlichen Trotzverhalten bei Katzen? Die Antwort lautet in den meisten Fällen: Stress. Bleiben wir kurz bei dem oben genannten Beispiel mit der Unsauberkeit, wenn wir länger verreist sind. Vielleicht ist unser Katzenklo-Management gar nicht so gut, wie wir immer angenommen haben. Aber unsere Katze hat ein ausgeglichenes Gemüt und nutzt es trotzdem, auch wenn es nicht unbedingt ihren Bedürfnissen entspricht. Nun kommt ein Stress-Faktor dazu, den sie nicht einschätzen kann: Ihre Bezugsperson ist auf nicht absehbare Zeit verschwunden. Sie bekommt nicht die Aufmerksamkeit, die sie sonst genießt. Das Futter wird nun zu ganz anderen Zeiten serviert. Und sie weiß nicht, warum das so ist und ob es sich wieder ändern wird. Das sorgt dafür, dass das Katzenklo, das sie eh schon immer etwas widerwillig genutzt hat, zu einem großen Problem wird. Sie ist in diesem Zustand einfach nicht mehr in der Lage, große Zugeständnisse zu machen. Wir kennen es von uns selbst: Diese kleine Sache, die uns schon immer an unserer Kollegin genervt hat, wir aber großzügig weglächeln konnte, lässt uns in Anbetracht eines vollen Schreibtisches und einer fast unmöglichen Deadline schier ausrasten und ungehalten reagieren.

Aber sind wir deshalb trotzig? Nein, wir können schlicht weniger Toleranz für Situationen aufbringen, die uns eh schon immer gestört haben. Und genau so ist es mit unseren Katzen auch.

Katze sitzt auf Tisch, dahinter steht Essen

Mythos 2: „Zwei Mahlzeiten am Tag reichen aus.“

Ja, so habe ich meine Katzen früher auch gefüttert… Und wehe, jemand hatte früher Hunger und meldete dies lautstark an!

Schauen wir uns einmal die Beute und das Jagdverhalten der Katzen an: Die Beute ist sehr klein, z. B. Insekten, Mäuse und Vögel, ja sogar Eidechsen. Die Mahlzeiten, die die Katze damit zu sich nimmt, sind dementsprechend auch sehr klein, dafür jedoch häufig. Eine freilebende Katze kann zwischen ein und zwei dutzend Beutetiere täglich erlegen, die sie auch sofort verspeist.

Was bedeutet das für die Fütterung durch uns Menschen? Am besten wäre, wenn wir diese kleinen Mahlzeiten von 25 bis 30 g immer frisch alle paar Stunden servieren würden. Zugegeben, das passt selten mit dem Job zusammen. Es könnte stattdessen ein Futter-Automat mit Kühlfunktion eingeführt werden, damit die Katzen auch in Abwesenheit des Menschen keinen Hunger schieben müssen. Fummelbretter, an denen sich die Katzen das Futter selbst erarbeiten können, bieten darüber hinaus eine gute Beschäftigungsmöglichkeit.

Und mal ehrlich, auch wir Menschen sind schnell schlecht gelaunt, wenn wir hungrig sind. Das geht auch unseren Katzen so, die ihren Frust dann gerne in unerwünschtes Verhalten umwandeln oder an ihren Mitwohner_innen auslassen. Artgerechte Fütterung beugt Stress vor. Wenn doch nur alles so einfach wäre…