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Mythos Nr. 22: Es ist einfacher, junge Katzen aufzunehmen als ältere Tiere zu adoptieren.

Junge Katzen sind so ungefähr das niedlichste, was es gibt. Ihre tapsigen Bewegungen, die unbändige Neugier, die kaum zu stillende Spiellust und allein ihr süßes Aussehen machen sie fast unwiderstehlich. Junge Tiere gelten generell als sehr anpassungsfähig und noch gut formbar. Sie haben weniger „Macken“ durch schlechte Erfahrungen und sind noch nicht so eingefahren in ihre Routinen. Daher werden junge Katzen den älteren oft vorgezogen. Sie würden so nebenherlaufen und sich wie selbstverständlich an den Alltag des Menschen gewöhnen. Viele Menschen scheuen die älteren Charakter-Katzen, vielleicht weil sie es sich nicht zutrauen, mit ihnen gut zusammenzuleben. Oder weil sie denken, dass es mehr Arbeit macht, eine ältere Katze einzugewöhnen?

Zugegeben, ich bin sehr voreingenommen: Ich liebe ältere Katzen und finde es total spannend, sie nach und nach kennenzulernen. Gerade weil sie einiges mitbringen können und schon Lebenserfahrung haben, ist es anfangs eine interessante Entdeckungsreise. Selbstverständlich habe ich auch Herzchen in den Augen, wenn ich eine junge Katze sehe und sogar mit ihr spielen kann. Aber selbst ein Kitten bei mir einziehen lassen? Nie wieder! Das ist mir viel zu anstrengend. (Na gut, sag niemals nie…)

Junge Katzen haben einen sehr großen Bedarf an Spiel, Spannung, Unterhaltung und sind fast nicht müde zu bekommen. Wenn Mensch diesen Bedarf nicht deckt, muss die überschüssige Energie eben anders ausgelebt werden, sehr zum Leidwesen von Zimmerpflanzen, Wohnungsdekoration und dem Nervenkostüm des Menschen. Darüber sollten sich alle frisch gebackenen Katzeneltern im Klaren sein, wenn so ein Jungspund bei ihnen einzieht. Für eine mehrköpfige Familie, in der verantwortungsvolle Kinder sich mit um die Katzen kümmern, mögen aufgeschlossene Kitten die richtige Wahl sein. Hier kann nach Herzens Lust zusammen getobt und gespielt werden, immer vorausgesetzt, dass auch das Ruhebedürfnis der Katzen akzeptiert wird. Bei Berufstätigen, die den ganzen Tag außer Haus sind, oder auch älteren Menschen muss immer abgewogen werden, ob Jungtiere wirklich das Richtige sind. Gehen die Bedürfnisse von Mensch und Katze nicht doch zu weit auseinander? Schon öfter habe ich in Beratungen ältere Menschen erlebt, die mit der Energie einer jungen Katze überfordert waren. Denn noch immer hält sich in vielen Köpfen das Bild der schmusenden, ruhigen Katze auf dem Sofa – die jugendliche Realität sieht dann doch anders aus. Wenn das Energie-Level von Katze und Mensch zu unterschiedlich ist, kommt es fast zwangsläufig zu unerwünschtem Verhalten der Katze oder zumindest zu viel Stress. Und dann geht die Arbeit doch los und das Zusammenleben mit der Katze wird kompliziert. Wäre es vor dem Hintergrund nicht doch „einfacher“ gewesen, einer älteren Katze eine Chance zu geben, die vielleicht nicht mehr so große Ansprüche an das Entertainment-Programm hat?

Wie wir es drehen und wenden, der Alltag wird einfacher, wenn Katze und Mensch gut zusammenpassen, und diese Überlegungen sollten definitiv vor der Adoption der Katze geschehen. Eine gute und reflektierte Auswahl ist der Dreh- und Angelpunkt und leider ist nicht immer das Herz der beste Ratgeber.